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Gestorben Letizia Battaglia, 87

aus DER SPIEGEL 16/2022
Foto:

Manuel Silvestri / Polaris / ddp

Ihr Nachname bedeutet Kampf oder auch Schlacht, und er wurde ihr Omen. Letizia Battaglia war die wohl berühmteste Fotojournalistin und Anti-Mafia-Kämpferin Italiens, 1935 in Palermo geboren. Sie war zunächst brave Hausfrau und Mutter, rebellierte dann gegen bürger­liche Konventionen, gegen Vater, Ehemann und Macho­gewalt und erfand sich neu als Chro­nistin der sizilianischen Cosa Nostra. Ihre eindrücklichen Schwarz-Weiß-Fotografien aus den Siebziger- und Achtzigerjahren im Stil des Neorealismus wurden weltberühmt. Sie dokumentierte, worüber meist geschwiegen wurde, und begab sich dabei selbst in Gefahr, immer wieder erhielt sie Todesdrohungen. Erst mit fast 40 Jahren entdeckte sie die Kamera als Ausdrucksmittel – und war ihr fortan verfallen. Oft war sie als Erste am Tatort, weil sie den Polizeifunk abhörte und sofort auf ihrer Vespa hinraste, wenn wieder ein Opfer der Mafia in seiner Blutlache lag oder Angehörige trauerten. Im Jahr 1992, als die beiden Mafiarichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino ermordet wurden, hörte sie auf, Tote zu fotogra­fieren; sie hatte mehr gesehen, als die meisten Menschen aushalten können. Im hohen Alter wandte sich die Kettenraucherin mit einem deutlich jüngeren Lebens­gefährten und rot, pink oder grün gefärbten Haaren wieder der politischen Sozial­reportage zu, mit der sie ihre Karriere begonnen hatte, zeigte Alltag und Armut, aber auch die Schönheiten ihrer Heimat Sizilien. Letizia Battaglia starb am 13. April in Palermo.

fio
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