Abhörskandal in England Polizei bittet Hugh Grant in den Zeugenstand

Angeblich hat ein Journalist ihm gegenüber pikante Details ausgeplaudert. Nun soll Filmstar Hugh Grant in der Affäre um abgehörte Mobiltelefone als Zeuge aussagen. Der Druck auf das Boulevardblatt "News of the World" wächst: Premier David Cameron hat eine radikale Aufklärung verlangt.

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London - Es geht um angezapfte Mobiltelefone, geknackte Mailboxen und gehackte E-Mail-Konten: Der Abhörskandal um das britische Boulevardblatt "News of the World" zieht immer weitere Kreise. Nun will die Polizei auch Filmstar Hugh Grant in den Zeugenstand rufen. Das teilte der Schauspieler am Mittwoch in London mit.

Im Sender BBC berichtete Grant von einem angeblich aufgezeichneten Gespräch mit einem Reporter der umstrittenen Zeitung. Darin habe dieser die Hacker-Methoden eingeräumt. Wann Grant seine Aussage machen wird, ist bisher noch unklar.

Die Vorwürfe gegen die "News of the World" sind drastisch. Mitarbeiter des Boulevardblatts sollen Handys von Prominenten und Mitgliedern des Königshauses sowie das Mobiltelefon eines vermissten Mädchens angezapft haben.

Wegen des Skandals haben inzwischen mehrere Unternehmen ihre Anzeigen in der "News of the World" zurückgezogen. Die Zeitung wurde außerdem von zahlreichen Prominenten verklagt, die Journalisten beschuldigen, ihre Mailboxen abgehört zu haben.

Laut BBC gibt es zudem E-Mails, wonach das Blatt offenbar Polizisten mit zigtausend Pfund geschmiert hat. Premierminister David Cameron forderte am Mittwoch eine unabhängige Untersuchung des Skandals. "Es ist abscheulich, was hier vorgefallen ist", sagte Cameron während einer Dringlichkeitsdebatte im Parlament.

Eine Untersuchung solle es auch wegen der ursprünglichen polizeilichen Ermittlungen zu der bereits 2006 aufgeflogenen Affäre geben, bei denen die jetzt aufgetauchten Vorwürfe nicht ans Licht gekommen seien. Vor einer unabhängigen Nachforschung müssten aber die Ermittlungen der Polizei abgewartet werden, sagte Cameron.

Druck auf Chefredaktion wird stärker

Die "News of the World" gehört zum Medienimperium News Corp. von Rupert Murdoch. Mehrere Politiker forderten am Mittwoch den Rücktritt der Großbritannien-Chefin Rebekah Brooks. Murdoch erklärte, er stehe hinter Brooks, die ihr Amt behalten werde.

Doch der Druck wächst. Ein Sprecher der Londoner Polizei gab bekannt, man gehe Berichten nach, wonach Polizisten von "News of the World" im Zusammenhang mit dem Abhören von Telefonen Geld erhielten. Der News-International-Konzern habe den Ermittlern entsprechende Unterlagen übermittelt. Laut BBC geht es um E-Mails, wonach über Jahre hinweg mehrere zehntausend Pfund gezahlt worden sein sollen.

Dem Boulevardblatt wird außerdem vorgeworfen, sich möglicherweise in die polizeilichen Ermittlungen zur Entführung und Ermordung von Minderjährigen eingemischt zu haben. Die "News of the World" soll nach Angaben eines Anwalts das Handy eines 2002 verschleppten und später getöteten Mädchens gehackt haben. Journalisten sollen dabei Kurzmitteilungen gelöscht haben und damit der Polizei und den Eltern falsche Hoffnungen gemacht haben, die 13-Jährige sei noch am Leben.

Zeitung beharrt auf Einzeltäter-Theorie

Auch die Telefone von Angehörigen der Opfer der Londoner Terroranschläge im Juli 2005 sollen von dem Boulevardblatt geknackt worden sein. Die Polizei habe ihn darüber informiert, dass er auf einer Liste von potentiellen Hacking-Opfern stehe, sagte Graham Foulkes, dessen Sohn damals ums Leben kam. Er fordere wegen des Skandals ein Treffen mit Murdoch persönlich, erklärte er. Ein Sprecher von News International sagte laut BBC, über ein solches Gespräch werde nachgedacht.

"News of the World" hatte lange Zeit erklärt, zwei einzelne Mitarbeiter, die bereits 2007 inhaftiert wurden, seien allein für die Aktion verantwortlich gewesen. Ein für das Blatt arbeitender Privatdetektiv sagte, die Arbeit für "News of the World" sei "niemals leicht gewesen. Es gab erbarmungslosen Druck. Es gab die permanente Forderung nach Ergebnissen".

jok/dapd/dpa

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