Abhörskandal Sienna Miller erstreitet 100.000 Pfund

Es ist einer der größten Abhörskandale Großbritanniens: Systematisch soll ein britisches Boulevardblatt Prominente belauscht haben. Ein Gericht hat nun Schauspielerin Sienna Miller als erstem Opfer eine Entschädigung zugesprochen.

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London - Sienna Miller und ihr damaliger Lebensgefährte Jude Law plauderten am Telefon über Reisepläne und Kinderwünsche, was man so macht als Paar, doch sie wussten nicht, dass sie nicht allein in der Leitung sind: Zwischen 2005 und 2006 erschienen laut Berichten des "Guardian" elf Artikel über Miller in der "News of the World", die auf Telefonüberwachung schließen ließen.

Das Blatt soll einen Privatdetektiv beauftragt haben, der Informationen lieferte. Nicht nur die beiden Schauspieler Miller und Law, auch ihre Assistenten und selbst Freunde und Angehörige sollen abgehört worden sein. Miller verklagte die "News of the World" - und erhält nun eine Entschädigung: 100.000 Pfund (111.000 Euro) sprach ihr der Londoner High Court am Dienstag zu.

Die 29-Jährige ist nicht die einzige, die von der Sonntagszeitung aus Rupert Murdochs News International Verlagsgruppe Entschädigung verlangt. Die "News of the World" steht im Mittelpunkt des größten Abhörskandals, der England seit langem beschäftigt. Neben Miller sollen unter anderem Schauspielerin Gwyneth Paltrow, Londons Bürgermeister Boris Johnson, Paul McCartneys Ex-Frau Heather Mills und der frühere englische Fußballstar Paul Gascoigne abgehört worden sein. Zuletzt hatte der Fußballer Wayne Rooney von Scotland Yard erfahren, dass auch sein Telefon angezapft wurde.

24 Prominente haben das Blatt verklagt. Einige Fälle wurden außergerichtlich beigelegt, mindestens 16 weitere Klagen gegen die Zeitung sind noch anhängig. Der renommierte Londoner Medienanwalt Mark Stephens geht davon aus, dass neben der "News of the World" fast alle britischen Boulevardzeitungen in die Affäre verwickelt sein könnten.

Aufgeflogen war der Lauschangriff bereits vor fünf Jahren. Die Zeitung hatte über eine Knieverletzung von Prinz William berichtet. Darüber hatte er ausschließlich privat und über Mobiltelefon gesprochen. Der damalige "News of the World"-Ressortchef für Berichte über das Königshaus, Clive Goodman, wurde festgenommen und ein Jahr später zu vier Monaten Haft verurteilt. Goodman betonte damals, er habe auf eigene Faust und ohne das Mitwissen anderer Redakteure gehandelt.

Im Januar musste der ehemalige Kommunikationschef des britischen Premierministers David Cameron, Andy Coulson, zurücktreten. Er war bis 2007 Chefredakteur der "News of the World", hatte aber stets bestritten, von den dubiosen Praktiken gewusst zu haben.

Ein umfassendes Schuldeingeständnis brachte "News of the World" erst Anfang April dieses Jahres. Mit einer "uneingeschränkten Entschuldigung und Haftungsanerkennung" sei man an mehrere Opfer herangetreten, sagte eine Sprecherin.

bim/dpa/Reuters

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