Agatha Christie als Fotografin Mordsfotos

Agatha Christie schrieb nicht nur Dutzende Krimis, sondern fuhr auch jahrelang in den Nahen Osten. Nun sind Bilder aus der Ruinenstadt Nimrud aufgetaucht - die auch ein Liebesbeweis für Christies Mann waren.

AP/ Agatha Christie

Mit Fleiß und Gesichtscreme reinigte sie in der irakischen Ruinenstadt Nimrud Elfenbein - und hielt die Ausgrabungen auf Zelluloid fest, den sie im Wasser des Tigris zu Fotos entwickelte. Die Rede ist nicht von einer berühmten Forscherin oder Fotografin. Sondern von einer Romanautorin.

Agatha Christie war bei den Ausgrabungen in den Vierziger- und Fünfzigerjahren dabei - und fotografierte sie für die Nachwelt. Wenn die Schriftstellerin nicht gerade die Arbeiten im heute von IS-Terroristen zerstörten Nimrud ablichtete, bereitete sie das Essen für die Archäologen zu oder schrieb an einem ihrer Bücher weiter.

Die jetzt veröffentlichten Fotos von 1949 und 1950 nahm die damals 60-Jährige auf, weil ihr zweiter Ehemann Max Mallowan als Archäologe an den Arbeiten beteiligt war. Jedes Jahr im Winter, so sagte es nun Christies Enkel Mathew Prichard, "verschwanden die beiden im Irak oder Syrien und kehrten im Mai oder Juni zurück." Der Autorin seien diese Reisen so wichtig wie das Schreiben gewesen.

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Fotos aus Nimrud: Christies Mission

Besonders intensiv habe sich Christie um Elfenbeinfunde gekümmert, sagte eine damals an den Arbeiten beteiligte Archäologin: "Sie verbrachte Stunden damit, sie zu trocknen und mit ihrer Gesichtscreme zu reinigen", so Georgina Herrmann. Christie habe zudem viele der zerstörten Funde wieder zusammengefügt. "Agatha war eine leidenschaftliche Puzzlerin. Sie hat all diese Stücke ausgelegt - es müssen Hunderte gewesen sein - und hat sie zusammengesetzt."

Christie widmete sich laut ihrem Enkel bei den Arbeiten im Irak eher traditionellen Tätigkeiten: "Ihre Aufgabe in den Fünfzigern war es, ihren Mann bei den Ausgrabungen zu begleiten und ihm beim Fotografieren sowie den örtlichen Laborarbeiten zu helfen", sagte Prichard.

Die Reisen haben Christie offenbar auch bei ihren schriftstellerischen Arbeiten inspiriert: "Mord im Orient-Express" etwa ist einer ihrer größten Erfolge.

Zudem veröffentlichte sie ein Sachbuch mit dem Titel "Come Tell Me How You Live," in dem es um eine Reihe von Ausgrabungen im Syrien der Vierzigerjahre geht. Im Schlusswort des Bandes aus dem Jahr 1944 schrieb sie: "Inshallah, ich sollte dort wieder hingehen, und die Dinge, die ich dort liebe, dürfen nicht von dieser Erde verschwinden."

Christie, die später mit ihren Krimis um Hercule Poirot oder Miss Marple riesige Erfolge feierte, machte erstmals 1926 von sich reden: Sie verschwand für rund zwei Wochen, der Fall ist bis heute nicht restlos geklärt. In den folgenden Jahrzehnten erlangte sie mit Krimis Weltruhm.

Christie starb am 12. Januar 1976 im Alter von 85 Jahren in ihrem Haus in Winterbrook - zwei Jahre nachdem Regisseur Sidney Lumets Christies Krimi "Mord im Orient-Express" mit Stars wie Lauren Bacall, Ingrid Bergman und Sean Connery verfilmt hatte. Der berühmte Stoff wird derzeit neu für die Leinwand inszeniert: Im November soll der Film mit Willem Dafoe, Michelle Pfeiffer, Judi Dench und Johnny Depp in die Kinos kommen.

mxw/AP/dpa



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