Alexander McQueen Am Leben verzweifelt

Einen Tag vor der Beerdigung seiner Mutter hat sich der berühmte britische Modeschöpfer Alexander McQueen das Leben genommen. Der 40-Jährige wurde tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden. "Er war so erschüttert", sagte ein Freund.
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Alexander McQueen: Mut, Visionen, Provokation

Foto: FRANCOIS GUILLOT/ AFP

London - Es gab dieses Gespräch für eine Zeitung, in dem Joyce McQueen ihren Sohn, den berühmten Modeschöpfer Alexander, interviewen sollte. Sie tat es. "Was macht dich stolz?", fragte sie ihn also laut "Times". Und er antwortete: "Du." Darauf sie: "Warum?" Und er sagte: "Nein, stell die nächste Frage!"

Es war die einzige Antwort, die McQueen während der Interviews verweigert hatte, und nicht wenige seiner Freunde wollten gerade in diesem Moment die ganz besondere Nähe zwischen der früheren Lehrerin und ihrem Sohn gespürt haben.

Am vergangenen Freitag starb Joyce McQueen, an diesem Freitag sollte sie beigesetzt werden. Die Nachricht von ihrem Tod hatte McQueen per Twitter übermittelt und mitgeteilt, es sei "schwer, ohne sie zurechtzukommen". "Er war so erschüttert", sagte ein Freund der Familie der "Daily Mail".

Eine enge Freundin McQueens, die Stilikone und Publizistin Isabella Blow, die als seine Entdeckerin galt, hatte vor drei Jahren Selbstmord begangen. Im letzten Jahr musste McQueen dann seine Tante beerdigen, mit der er ebenfalls eng verbunden war, so sehr, dass sie "zum Inventar seiner Shows" geworden war, wie die "Times" schreibt.

"Zutiefst erschüttert"

Nun hat sich Alexander McQueen das Leben genommen. Der 40-Jährige wurde am Donnerstagmorgen tot in seiner Londoner Wohnung in der Nähe des Hyde Parks aufgefunden. McQueens Familie teilte in einer Stellungnahme mit, man sei "zutiefst erschüttert". Der Designer starb wenige Tage vor der Londoner Fashion Week. Am 9. März sollte er in Paris seine Prêt-à-Porter-Damenkollektion vorstellen.

Der Brite, Sohn eines Taxifahrers aus dem Londoner East End, entwarf bereits als Kind Kleider für seine Schwestern. Seine Ausbildung machte er unter anderem in der berühmten Londoner Savile Row beim Herrenausstatter Anderson & Sheppard, zudem absolvierte er die renommierte Modeschule Central Saint Martins College of Art and Design.

Zunächst galt McQueen als Enfant terrible der Modeszene, entwickelte sich aber in den vergangenen Jahren zu einem der einflussreichsten Vordenker seiner Branche. Mehrere Jahre arbeitete er als Chefdesigner bei dem französischen Modehaus Givenchy - seine Berufung zum Nachfolger John Gallianos 1996 war ein Paukenschlag. 2001 endete die Zusammenarbeit - McQueen fühlte sich "künstlerisch eingeengt". Seit 2000 vermarktete er unter dem Dach des italienischen Modekonzerns Gucci sein eigenes nach ihm benanntes Label. 2004 brachte er seine erste Herren-Modelinie auf den Markt, außerdem kreierte er Parfums.

"Nie banal"

McQueen provozierte wie kein anderer seiner etablierten Kollegen: Bei einer Modenschau unter dem Titel "Highland Rape" ("Highland-Vergewaltigung") schickte er mutmaßliche Vergewaltigungsopfer in zerrissenen Kleidern auf den Laufsteg, von der Presse wurde er gern als "Bad Boy" oder "Hooligan" tituliert. Vier Mal wurde er zum britischen Designer des Jahres gekürt. "Ich muss die Leute zwingen, sich die Dinge genau anzusehen", sagte er einmal.

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte Franca Sozzani, Chefredakteurin der italienischen "Vogue", über Alexander McQueen: "Man kann ihn mögen oder nicht, doch niemand wird je aus einer seiner Schauen kommen und sagen, der Mann habe keine Visionen, sei kein kreativer Kopf. Was er macht, ist nie banal, wenngleich auch manchmal nicht leicht zu entziffern."

Der US-Blog "Jezebel" erwies dem Designer auf treffende Weise seine Reverenz und wies zugleich auf die bleibende Bedeutung seines Genies hin: "McQueen is dead", heißt es dort, "long live McQueen."

jdl
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