Alltagssorgen Merkel schreibt Einkaufszettel für ihren Mann

Der Wahlkampf wird privat - und davor ist selbst Angela Merkel nicht gefeit: In einem Interview plaudert die Kanzlerin nun freimütig darüber, wer bei ihr zu Hause die Wäsche wäscht, Kuchen backt und was sie am liebsten trägt, wenn sie keiner zu sehen kriegt.

DPA

Köln - Wer gewählt werden will, muss die Hosen runterlassen: Selbst die Bundeskanzlerin spricht in diesen Tagen über Dinge, über die sie sonst nicht ganz so gerne redet. So verriet Angela Merkel nun, dass sie immer freitags einen Einkaufszettel für ihren Mann Joachim Sauer schreibt. "Und dann kauft er fürs Wochenende ein", erzählte die 55-Jährige in einem Interview mit Alice Schwarzer für die neue "Emma"-Ausgabe. Dafür werkle sie in der Küche, wann immer sie dazu komme. "Gerade am Wochenende habe ich Johannisbeerkuchen gebacken!"

1993 hatte Merkel in einer Rezension für "Emma" "den Mann, der spült und das Klo putzt", gefordert. Herausgeberin Schwarzer fragte sie nun, wie es damit im Hause Merkel/Sauer stehe. "Wir haben eine Haushaltshilfe", antwortete Merkel. "Aber die macht nicht alles, und dann treffen wir Absprachen: Wer wann welche Waschmaschine anstellt, die Wäsche aufhängt. Oder wer wann was einkauft." Das Putzen ist Sache der Haushaltshilfe, wenn sie mal im Urlaub ist, wird das "redlich" geteilt.

Wenn die Kanzlerin als Gastgeberin bei internationalen Konferenzen auftritt, findet sie es schön, wenn ihr Mann auch Co-Gastgeber für das Partnerprogramm ist. "Aber ich sage nicht: Du musst! Ich rege es an." Ihr Mann habe inzwischen durchaus Freude an solchen Terminen. "Entscheidend ist für ihn aber nach wie vor, dass er seinem eigenen Beruf als Wissenschaftler weitgehend uneingeschränkt nachgehen kann."

Auf ihre Frisur und ihren Kleidungsstil angesprochen, sagte Merkel: "Ich habe als Bundeskanzlerin eine Visagistin, die mir hilft. Doch ich pflege weiterhin einen sehr pragmatischen Stil: Die Frisur muss zwölf oder mehr Stunden halten, und ich kann mir auch nicht alle zwei Stunden die Nase pudern lassen. Der Zeitaufwand für diese Dinge muss sich in Grenzen halten." Für ihre Kleidung hat sie eine eigene Schneiderin. "Zu Hause trage ich am liebsten Jeans und einen Pullover oder eine Strickjacke."

An ihrer Arbeit macht ihr am meisten Spaß, dass sie vieles durchsetzen kann, weniger mag sie dagegen, "dass ich kaum mehr etwas unbeobachtet machen kann, zum Beispiel einfach mal durch die Stadt bummeln". Sie gehöre aber immerhin "zu den wenigen Regierungschefs, die noch selbst einkaufen gehen können".

Zum Thema Gleichberechtigung sagte Merkel, ihr prominentes Beispiel gebe anderen Frauen den Mut zu denken: "Das könntest du vielleicht auch!" Außerdem rate sie jeder Frau, "die für die gleiche Arbeit weniger als ihr Kollege verdient, selbstbewusst zum Chef zu gehen und zu sagen: Da muss sich was ändern!"

jjc/AP/dpa



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