"Alpenländische Weihnacht" Es ist ein Mross entsprungen

Arnold Schwarzenegger, Demi Moore, Otto Waalkes und Shakira haben sich 2011 für ein Leben ohne ihre Partner entschieden. Und Stefan Mross liebt Stefanie Hertel nicht mehr. Dennoch treten die beiden fast täglich gemeinsam auf. Kann das gutgehen?

SPIEGEL ONLINE

Von Jochen Brenner, Darmstadt


Marianne und Michael sind, was Stefanie und Stefan hätten werden können. Aber sie wollten ja nicht. Marianne und Michael hatten ihren 32. Hochzeitstag. Sie sind gerade zusammen auf einer Tournee, die "Alpenländische Weihnacht" heißt. Michael sagt: "Auch wenn es mal zwischen uns kracht - schon ein sanfter Händedruck oder ein inniger Blick reichen, dann wissen wir wieder, dass es passt". Applaus in Darmstadt, noch zwei Auftritte bis Weihnachten: Heilbronn und Düren.

Es war September, als Stefanie Hertel und Stefan Mross ihre Anwälte erklären ließen, dass sie nicht Marianne und Michael werden wollen. "Stefanie Hertel und Stefan Mross haben sich vor einiger Zeit einvernehmlich getrennt, bleiben jedoch freundschaftlich verbunden", schrieben die Juristen. Es waren austauschbare Sätze, hundertfach formuliert. Hertel und Mross aber ließen an das Kündigungsschreiben ein PS anhängen, eine Art Allgemeine Geschäftsbedingung für das Kleinunternehmen Stefanie und Stefan: "Alle Termine finden wie geplant statt."

Im Sommer war Mross mit einer Blondine nach Mallorca gereist und hatte sich wenig Mühe gegeben, sie zu verstecken. Hertel tauchte später im Jahr mit einem österreichischen Johnny-Depp-Double aus ihrer Band auf, Hand in Hand. Ende November begann die "Alpenländische Weihnachts"-Tournee mit Marianne und Michael, Stefanie und Stefan hatten zugesagt. 18 Auftritte in dreieinhalb Wochen. Vertragsgegenstand waren die beiden als Traumpaar: Goldkehlchen sie, Wundertrompeter er, Schmacht-Experten.

"Dann vergiss nicht, dass jemand da ist, der dich liebt"

Sie können das immer noch sehr gut. Abend für Abend kommen Tausende in die Kongresshallen mittelgroßer Städte, um sich das Heile-Welt-Programm abzuholen, für 39 Euro 90. Und Mross und Hertel liefern verlässlich ab, auch in Darmstadt. "Dann vergiss nicht, dass jemand da ist, der dich liebt", singt sie, fasst Mross an den Händen, legt den Kopf schief, lächelt, dreht sich wieder zum Publikum mit einem Blick, der sagt: Alles ist gut. Seufzer im Publikum. "Die Trennung ist doch ihre Privatsache", sagt eine Gisela aus Heppenheim, Dauerkartenbesitzerin, Autogrammjägerin, Hertel-Jüngerin "seit der ersten Minute."

Vier Jahre wartet Hertels Vater Eberhard nach der Geburt seiner jüngsten Tochter, ehe er sie mit dem "Teddybär-Jodler" auf die Bühne stellt. Er ist damals in der DDR ein Volksmusik-Star, Stefanie kann einer werden. Dann fällt die Mauer.

Ein Deutschland verliebt sich in das andere, das ist die Hoffnung: Ein Mädchen aus dem Osten, blond, hübsch, aus dem Vogtland, trifft auf einen Burschen aus dem Westen, aus Bayern sogar. "Die resolute Realschülerin und der treffsichere Trompeter", hätte Inka Bause bei "Bauer sucht Frau" gesagt. Und es funktionierte auch noch.

"Ja, wir sind ein Paar."

Als Stefanie auf Stefan trifft, ist sie elf, schon die erste Schwärmerei ist nachrichtlich dokumentiert. "Papa, ich bin so verliebt", soll sie Vater Eberhard verraten haben, der das junge Glück direkt der "Super Illu" meldet. Es wird nie zu klären sein, ob er es war oder Volksmusik-Impresario und Manager Hans Beierlein, der im Vermarktungskonzept "Teenager-Liebe" den Branchentrend der frühen Neunziger sah.

Als auch das Strafgesetzbuch nicht mehr im Weg steht, lässt der Mross-Hertel-Erfinder die beiden verkünden: "Ja, wir sind ein Paar." Stefanie ist knapp 16, Mross 19. Sie sind damals Nachwuchs-Promis, Justin Bieber und Selena Gomez der Neunziger, zwei verknallte Teenager, von denen Journalisten wissen wollen, wann sie endlich heiraten und "genauso süße" Kinder bekommen.

Die Idylle hält, vielleicht auch, weil das Familienunternehmen Millionen von Platten verkauft, Hallen füllt, im Musikantenstadl auftritt. Das Paar steigt auf zum Gespött des Bildungsbürgertums und zum Liebling der Massen: 1989 gewinnt Stefan Mross mit der "Heimwehmelodie" den Grand Prix der Volksmusik, noch ohne Stefanies Hilfe. Karl Moik weint. Neun Jahre lang werden sich Anwälte ergebnislos darüber streiten, ob Mross in den entscheidenden Aufnahmen jemals selbst geblasen hat. Stefanie zieht 1992 in Zürich nach. "Über jedes Bacherl geht a Brückerl", singt sie. Erster Platz, Caroline Reiber weint.

Die Maschine läuft 17 Jahre lang. Das Paar zieht zusammen nach Bayern, bekommt eine Tochter, heiratet. Zwischendurch ramponiert Stefan Mross betrunken mit seiner Limousine ein Schaufenster und fährt davon. Stefanie verliert mal ein paar Monate lang ihre Stimme, setzt einen Mietwagen in den Graben, informiert die Öffentlichkeit über ihre Fehlgeburt und was Stefan darüber denkt ("Es war gut, dass wir einander hatten.").

In Darmstadt sitzt an diesem Abend ein Paar auf der Bühne, dem der Gesprächsstoff ausgegangen ist. Fast 20 Jahre lang haben Stefanie und Stefan nach außen hin ein Leben zwischen Groschenroman und Foto-Love-Story geführt, es geht jetzt zu Ende. Nun setzen sie auf eine Strategie, die weltweit um die Weihnachtstage beliebt ist: Sie spielen heile Welt. Vater Hertel herzt Stefan, Stefan herzt Stefanie, Stefanie wirft Kusshände ins Publikum. Die Stimmungslage im Einzelnen: "Ich fühl mich pudelwohl" (Stefan), "Wir haben nach wie vor Spaß" (Stefanie), "Weihnachten feiern wir alle zusammen" (Vater Eberhard).

"Ich wünsch euch was"

Nach dem Konzert mischt sich Stefanie unter die Fans. Sie trägt einen weißen Strick-Poncho. "Stefanie, wo ist Stefan?" Sie lächelt, zuckt mit den Schultern. "Der ist bestimmt schon mal vorgefahren, wir müssen ja wieder weiter", sagt sie. Die Fans nicken. Mross wartet am Aufzug, der in die Tiefgarage führt, er hat einen Rauhaardackel auf dem Arm, den eine Traube aus Giselas, Erikas und Inges schon halb totgestreichelt hat. "Ich wünsch euch was", sagt Mross.

Das Geheimnis von Stefanie Hertel und Stefan Mross ist, dass ihre Beziehung auf der Bühne auch ohne Beziehung funktioniert. Romeo und Julia könnten sich sogar hassen, solange sie auf den Theaterbühnen der Welt Menschen zu Tränen rühren. Vielleicht ist es so einfach.



insgesamt 21 Beiträge
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Björn Borg 21.12.2011
1. Rauschen
Zitat von sysopArnold Schwarzenegger, Demi Moore, Otto Waalkes und Shakira haben sich 2011 für ein Leben ohne ihre Partner entschieden.*Und Stefan Mross*liebt Stefanie Hertel nicht mehr.*Dennoch treten die beiden*fast täglich gemeinsam auf. Kann das gutgehen? http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,805113,00.html
Nicht vieles interessiert mich weniger.
wwwwebman 21.12.2011
2. sie nicht...
Zitat von Björn BorgNicht vieles interessiert mich weniger.
...aber zehntausende rentner können sich nichts schöneres vorstellen, als langsam auf dem sofa wegzudösen und dabei "Über jedes Bacherl geht a Brückerl" zu genießen... wenn es nicht auch in großem stil meine gez-gebühren wären, könnte man drüber lachen...
kael 21.12.2011
3. Mir träumte.......
Zitat von sysopArnold Schwarzenegger, Demi Moore, Otto Waalkes und Shakira haben sich 2011 für ein Leben ohne ihre Partner entschieden.*Und Stefan Mross*liebt Stefanie Hertel nicht mehr.*Dennoch treten die beiden*fast täglich gemeinsam auf. Kann das gutgehen? http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,805113,00.html
...ich säße beim Zahnarzt und hätte mich in die "Frau im Spiegel" verguckt. Dann wachte ich auf und erschrack fürchterlich: Es WAR tatsächlich der SPIEGEL, der diese Story brachte - nur ohne Frau.
Björn Borg 21.12.2011
4. Ohne Geschmack
Zitat von wwwwebman...aber zehntausende rentner können sich nichts schöneres vorstellen, als langsam auf dem sofa wegzudösen und dabei "Über jedes Bacherl geht a Brückerl" zu genießen... wenn es nicht auch in großem stil meine gez-gebühren wären, könnte man drüber lachen...
Sie reden über den Musikgeschmack dieser Rentner - der Artikel nicht einmal darüber...
Oachkatzlschwoaf 21.12.2011
5.
Zitat von sysopArnold Schwarzenegger, Demi Moore, Otto Waalkes und Shakira haben sich 2011 für ein Leben ohne ihre Partner entschieden.*Und Stefan Mross*liebt Stefanie Hertel nicht mehr.*Dennoch treten die beiden*fast täglich gemeinsam auf. Kann das gutgehen? http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,805113,00.html
Es ist wirklich herzzerreißend. Aber noch mehr hat mir die Trennung der Wildecker Herzbuben zu gesetzt.
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