München - Es war eine Hochzeitsfeier im engsten Kreis: In der Kapelle einer Heidelberger Reha-Klinik gab Altkanzler Helmut Kohl im Mai seiner 34 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Maike Richter das Jawort - seine Söhne Walter und Peter waren nicht dabei. Die Familie des 78-Jährigen sei aber "über die Eheschließung informiert", hieß es damals.
Nun hat Walter Kohl, der älteste Sohn, erstmals über die erneute Hochzeit seines Vaters gesprochen. Er und sein Bruder hätten keine Einladung zu der Trauung erhalten: "Trotz unterschiedlicher Auffassungen musste ich auch akzeptieren, dass mein Bruder, ich und unsere Familien nicht zu seiner zweiten Hochzeit eingeladen waren", sagte der 45-Jährige der Illustrierten "Bunte".
Walter Kohl habe zwar gewusst, dass sein Vater erneut heiraten wollte, den Hochzeitstermin habe er jedoch nicht erfahren. Erst nach der vollzogenen Trauung sei er informiert worden - durch ein Dreizeilen-Telegramm. "Ich gebe zu, dass mich diese Vorgehensweise damals befremdet hat", sagte Walter Kohl. Bei der Hochzeit des Altkanzlers waren außer Kohls Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner die Trauzeugen Leo Kirch und Kai Diekmann anwesend.
Walter Kohl sprach nun auch über seine Jugend, die er als unangenehm erlebt hat. "Mein Leben war in großen Phasen von Ungerechtigkeiten und Belastungen geprägt, denen mein Bruder und ich machtlos gegenüberstanden. Ich fühlte mich ob dieser Erlebnisse und Erfahrungen jahrelang innerlich tief verletzt und reagierte bis vor ein paar Jahren mit Zorn und Wut. Das war ein Fehler", sagte Kohl der Zeitschrift "Bunte"
Wegen politischer Entscheidungen des Vaters hätten Mitschüler ihn "mehrfach zusammengeschlagen", so der Sohn des Altbundeskanzlers. Auch das Verhalten einiger Lehrer habe er als grob ungerecht empfunden. So habe ein Pädagoge in der Zeit des Nato-Doppelbeschlusses seinen Vater vor der Klasse als Massenmörder bezeichnet, ohne dass es für den Beamten Konsequenzen gehabt hätte.