Verurteilte Mörderin Amanda Knox arbeitet als Reporterin

"Schlau, eifrig, kompetent" - die US-Lokalzeitung "West Seattle Herald" freut sich über eine neue Mitarbeiterin: die wegen Mordes verurteilte Amanda Knox.

REUTERS

Seattle - Die wegen Mordes verurteilte Amerikanerin Amanda Knox arbeitet freiberuflich als Journalistin. Wie nun bekannt wurde, schreibt die 27-Jährige bereits seit einigen Monaten für das lokale Wochenblatt "West Seattle Herald".

"Wir haben sie angesprochen, weil wir ihr eine Chance auf ein normales Leben geben wollten", sagte "Herald"-Redakteur Patrick Robinson dem "Daily Beast". Die Anfrage habe nichts mit ihrer zweifelhaften Berühmtheit zu tun gehabt.

Knox war im Januar in Italien wegen Mordes an der britischen Studentin Meredith Kercher zu 28,5 Jahren Haft verurteilt worden. Nach Ansicht des Gerichts erstach sie Kercher 2007 zusammen mit ihrem damaligen Freund Raffaele Sollecito. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von 25 Jahren verurteilt. Beide legten im Juni Berufung ein.

Bereits 2010 waren Knox und Sollecito in einem Indizienprozess zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt, in der Berufung aber freigesprochen worden. Vier Jahre saß Knox im Gefängnis, nach ihrem Freispruch reiste sie zurück in die USA. Sie und Sollecito bestreiten die Tat. (Lesen Sie hier eine Chronologie der Ereignisse.)

Nun kümmert sich die 27-Jährige in der Redaktion des "West Seattle Herald" um kleinere Geschichten wie Theateraufführungen an Schulen. "Sie hat uns Arbeitsproben gezeigt, und die waren gut", rechtfertigt Robinson das Arbeitsverhältnis mit Knox. Zunächst habe sie unter einem Pseudonym Geschichten veröffentlicht. Aber dann habe sie Gefallen daran gefunden und begonnen, unter ihrem richtigen Namen zu schreiben.

Im Verlauf des Interviews mit dem "Daily Beast" gerät Robinson geradezu ins Schwärmen. "Amanda ist schlau, sehr kompetent und eine gut ausgebildete Schreiberin." Er sei verblüfft, wie sehr sie in den vergangenen Monaten auch ihre fotografischen Fähigkeiten verbessert habe. "Sie hat wirklich viel durchgemacht." Es sei sehr angenehm, mit ihr zu arbeiten, sie sei interessiert und eifrig bei der Sache. Gelegentlich würden Fans mit Kameras vor der Redaktion lauern.

Angesprochen auf das Mordurteil gegen Knox sagte der Redakteur, dies sei für die Zeitung nicht von Bedeutung. Das Ergebnis der Berufung habe "wenig bis nichts" mit der Beziehung zwischen dem "Herald" und Knox zu tun. "Es geht wirklich darum, einer jungen, talentierten Schreiberin die Möglichkeit eines normalen Lebens zu geben." Knox sei in West-Seattle aufgewachsen. "Es ist egal, was Leute sagen oder denken."

gam

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.