Tennisspielerin Petković über Sexismus im Sport »Immer aufreizende Nachrichten und Kommentare«

Trotz sportlicher Spitzenleistungen achten viele Zuschauer bei Athletinnen vor allem auf das Äußere, sagt Tennisspielerin Andrea Petković. Sie bezweifelt, dass das den Herren auch so ergeht – und erinnert an ein Vorbild.
Andrea Petković bei ihrem jüngsten Auftritt in Prag: Warum spielen Frauen auf kleineren Plätzen als die Männer?

Andrea Petković bei ihrem jüngsten Auftritt in Prag: Warum spielen Frauen auf kleineren Plätzen als die Männer?

Foto: David W. Cerny / REUTERS

Andrea Petković gilt als zweitbeste Tennisspielerin Deutschlands. Doch auch als Spitzensportlerin erlebt sie noch regelmäßig, dass es in ihrem Sport einen »latenten Sexismus« gibt.

»Nach Spielen erhalten wir Frauen in den sozialen Medien immer aufreizende Nachrichten und Kommentare. Ich bezweifle, dass das auf der Herrentour auch so ist«, sagte die 34-Jährige in einem Interview auf sportschau.de . »Dort werden immer unsere Outfits diskutiert, wie wir unsere Haare tragen.«

Die ehemalige Top-Ten-Spielerin schilderte, dass Frauen früher zudem meist auf den kleineren Plätzen spielen mussten. »Das kommt noch heute vor. Als es vor zwei Jahren bei den French Open zwei Tage regnete, wurden die Damen-Halbfinals auf den kleineren Plätzen ausgetragen, während die Männer auf den großen Plätzen spielten«, sagte Petković in dem Interview, das vor dem Auftaktspiel beim Billie Jean King Cup gegen Tschechien geführt wurde.

Lob für Namensgeberin Billie Jean King

Die Namensgeberin des Mannschaftsturniers ist für Petković »eine Ahnin, wegen der ich spiele. Wenn es nicht so läuft und ich mehrere Dinge gleichzeitig mache, denke ich oft an sie, und was sie alles zu schultern hatte«, sagte die Sportlerin aus Darmstadt. »Sie ist jemand, dem ich alles zu verdanken habe. Ohne sie würde es keinen professionellen Frauensport geben, wie er heute existiert.«

Billie Jean King  hatte in den Siebzigerjahren die Spielerinnenorganisation WTA gegründet. Die heute 77-Jährige kämpft noch immer für Gleichberechtigung. Petković sagte mit Blick auf ihre Erfolge: »Wir sind bereits einen langen Weg gegangen, haben aber auch noch einen langen Weg vor uns.«

Im Vergleich mit anderen Sportarten ist Tennis in der Entwicklung bereits weiter als manch andere Disziplin. So wird bei den vier Major-Turnieren seit Jahren für Männer und Frauen das gleiche Preisgeld bezahlt.

»Es ist wahnsinnig wichtig, auch die jungen Spielerinnen zu informieren über unsere sportlichen Vorfahren und wie wir überhaupt in die Position gelangt sind, so gutes Preisgeld zu verdienen«, sagte Petković.

Bei dem Teamwettbewerb in Prag, der seit diesem Jahr nicht mehr Fed Cup, sondern Billie Jean King Cup heißt, hatten die deutschen Damen am Montagabend ihr erstes Gruppenspiel gegen Tschechien 1:2 verloren.

apr/dpa/sid