Anklage gegen Kachelmann DNA-Spuren auf dem Küchenmesser

Ein Prozess gegen Jörg Kachelmann scheint unausweichlich. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat den populären Wetterexperten wegen des Verdachts auf Vergewaltigung angeklagt - DNA-Spuren und Verletzungen des angeblichen Opfers belasten ihn schwer.

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Mannheim - Gern nehmen Berichterstatter im Fall Kachelmann Metaphern aus der Welt des Wetters zur Hand, um die Situation des 51-Jährigen zu beschreiben: dunkle Wolken, schwere Stürme, schlechte Aussichten. Seit zwei Monaten sitzt der Wetterexperte und Fernsehmoderator in Untersuchungshaft. Nun hat die Mannheimer Staatsanwaltschaft wegen des "Verdachts der besonders schweren Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung" Anklage erhoben. Der Vorsitzende Richter am Landgericht Mannheim, Joachim Bock, teilte mit, dass die 5. Große Strafkammer mit dem Eingang der Klageschrift die Eröffnung eines Hauptverfahrens prüfe.

Gleichzeitig gaben die Ermittler neue Details der Vorwürfe bekannt. Kachelmann soll seine frühere Lebensgefährtin Anfang Februar in deren Wohnung im baden-württembergischen Schwetzingen nicht nur zum Sex gezwungen, sondern die 36-Jährige auch mit einem Küchenmesser bedroht haben. Dies soll er ihr mit solchem Druck an den Hals gepresst haben, dass sie dadurch verletzt wurde. Außerdem soll Kachelmann die Frau während der Tat mit dem Tod bedroht haben.

Sollte das Gericht der Anklage folgen, drohen Kachelmann wenigstens fünf Jahre Haft. Nach Paragraph 177 des Strafgesetzbuches ist dieses Mindeststrafmaß für Vergewaltigungen vorgesehen, bei denen der Täter eine Waffe oder ein gefährliches Werkzeug verwendet.

Die Staatsanwaltschaft hält die Aussage des mutmaßlichen Opfers für glaubwürdig - obwohl die Frau sich erst kürzlich in einzelnen Punkten revidieren musste. Die Anklage stützt sich auch auf Ergebnisse rechtsmedizinischer und kriminaltechnischer Untersuchungen. Den Ermittlern zufolge wurden an dem Küchenmesser DNA- und Blutspuren der Frau sowie DNA-Spuren Kachelmanns gefunden. Die Rechtsmedizin Heidelberg habe außerdem "erhebliche Hämatome" an den Oberschenkeln und leichte Schnittspuren am Hals der Frau festgestellt, sagte Andreas Grossmann, der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Auch erste Erkenntnisse aus einem Gutachten zur Glaubwürdigkeit der 36-Jährigen sollen vorliegen. Laut Grossmann ist das von der Behörde veranlasste aussagepsychologische Gutachten zwar nicht endgültig fertig - eine "Kurzmitteilung" der Gutachterin lasse jedoch den Schluss zu, dass "der Tatverdacht gegen Kachelmann nicht entkräftet wurde". Grossmann zufolge wurden auch "Frauen aus Kachelmanns Umfeld" als Zeuginnen benannt.

Ein Prozess ist wahrscheinlich - und dürfte ein Spektakel werden

Kachelmann bestreitet die Vorwürfe als frei erfunden und haltlos. Sein Anwalt Reinhard Birkenstock war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch Kachelmanns Wetterdienst Meteomedia wollte sich vorerst nicht äußern.

Die Wahrheit muss nun das Landgericht Mannheim herausfinden. Es gilt als wahrscheinlich, dass es zu einem Prozess kommt. Noch ist nicht bekannt, wann er eröffnet wird. Vorhersehbar ist nur: Es wird ein Spektakel.

Seit zwei Monaten gieren Boulevardmedien nach jedem Detail in der Causa Kachelmann. Sein Medienanwalt versuchte zwar, die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten zu schützen - er erwirkte unter anderem eine einstweilige Verfügung gegen die Verbreitung von Paparazzi-Fotos, die Kachelmann beim Hofgang im Mannheimer Gefängnis zeigen, und dem Magazin "Focus" wurde verboten, Details aus den Ermittlungsakten zu veröffentlichen. Doch die Zerfledderung von Kachelmanns Privatleben lässt sich nicht verhindern. Ehemalige Lebensgefährtinnen breiten ihre Erinnerungen in Illustrierten aus, ehemalige Kollegen bewerten seine Eigenschaften als Chef.

Zur Aufklärung des Falls dürfte all das herzlich wenig beitragen. Dennoch erschienen in den vergangenen Wochen ständig mehr oder weniger glaubhafte Geschichten über Deutschlands wohl populärsten Wetterexperten in der Presse.

Elf Sekunden vor dem Pressepulk: "Ich bin unschuldig"

Kachelmann hatte sein Hobby vor 20 Jahren zum Beruf gemacht und den privaten Wetterdienst Meteomedia gegründet. Damit begann der autodidaktisch ausgebildete Meteorologe seines steile Karriere: Der SWR engagierte ihn als "Wettermän", mit dem Start des ARD-Frühstücksfernsehens begann 1992 seine Laufbahn auf dem Bildschirm. Heute hat Meteomedia rund hundert Mitarbeiter und produziert die Wetterberichte für mehrere Anstalten der ARD.

Kachelmann moderierte zwischenzeitlich die MDR-Talkshow "Riverboat" und die Unterhaltungssendung "Einer wird gewinnen". Letztere wurde nach nur drei Folgen eingestellt. Zuletzt erklärte er bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver die Geheimnisse des kanadischen Schneefalls.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr am 20. März wurde Kachelmann dann am Frankfurter Airport festgenommen. Drei Wochen lang hatte die "Soko Flughafen" die Aktion geplant, noch ganze zwei Tage nach dem Zugriff blieb sie geheim.

Kachelmann selbst äußerte sich seitdem nur einmal zu dem Vorgang, am 24. März, als er nach einem Termin beim Haftrichter aus dem Amtsgericht Mannheim zu einem Polizeiwagen geführt wurde. Elf Sekunden dauerte es, bis er den Pulk der wartenden Fotografen und Kameraleute passiert hatte - die Bilder wurden seitdem zigmal gezeigt, seine Kleidung analysiert, das glattrasierte Gesicht gedeutet. Kachelmanns Kommentar damals: "Ich bin unschuldig."

Für den 1. Juni war ein mündlicher Haftprüfungstermin geplant. Dieser ist laut Staatsanwaltschaft nun hinfällig geworden. Die Untersuchungshaft soll andauern.

Mit Material von dpa und ddp

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