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Ex-Spionin Anna Chapman: "Ich löse alle Rätsel"

Foto: SERGEI KARPUKHIN/ picture alliance / dpa

Anna Chapman Russische Ex-Spionin macht TV-Karriere

Mit Schmollmund, High Heels und schwarz lackierten Fingernägeln hat Ex-Agentin Anna Chapman ihre TV-Karriere gestartet. In ihrer eigenen Show sinnierte "Agentin 00Sex" über mysteriöse Wundmale eines Kleinkinds und versprach Übersinnliches à la Uri Geller.

Moskau - "Ich heiße Anna Chapman", mit diesen Worten hat Russlands prominente Ex-Agentin erstmals ihre Personality-Show im Fernsehen präsentiert - ganz so, als werde sie sieben Monate nach ihrer spektakulären Enttarnung in den USA nicht ständig zwischen St. Petersburg und Wladiwostok als Glamour-Star vorgestellt.

Mit schulterlangen roten Haaren, schwarz lackierten Fingernägeln und einem rot-schwarzen Minikleid moderierte die 28-Jährige zur besten Sendezeit das einstündige Magazin "Geheimnisse der Welt mit Anna Chapman".

Im Mittelpunkt der mit Spannung erwarteten Sendung standen mysteriöse Wundmale eines Kleinkinds aus Dagestan - und natürlich die zur Pop-Ikone aufgestiegene Ex-Geheimdienstlerin selbst. Moskaus Boulevardpresse fand das Debüt gelungen und jubelte: "Sie kann es!"

Als großer Unterstützer der früheren Kreml-Spionin gilt allen voran Regierungschef und Ex-KGB-Offizier Wladimir Putin.

In einem abgedunkelten Studio sitzend, moderierte Chapman die einzelnen Beiträge insgesamt souverän an. Mehrmals unterbrachen Werbespots für Bier oder Shampoo am Freitagabend die "Übersinnlichkeits-Show", die an Sendungen im deutschen Fernsehen mit Erich von Däniken oder Uri Geller erinnerte.

"Sie lernt schnell"

Beobachter werten ihr Magazin als weiteren Schritt zu einer politischen Karriere. Zwar ist die Chapman-Show für westliche Sehgewohnheiten kaum besonders spannend. Aber viele Russen, die traditionell abergläubisch und zudem die dröge Staatspropaganda im Fernsehen leid sind, dürften sich an der recht erfrischenden Moderation erfreut haben.

Die vorproduzierte Sendung im Kanal REN TV, an dem die russische Tochter der RTL Group mit 30 Prozent beteiligt ist, soll jeden Freitag ausgestrahlt werden.

Die in Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad, geborene Anna Wassiljewna Kuschtschenko trägt seit einer mittlerweile geschiedenen Ehe mit einem Briten den englischen Nachnamen. Ein Zuschauermagnet verspricht die nächste Folge zu werden: Dann soll Chapman in der Ostsee-Exklave Kaliningrad, dem früheren Königsberg, das sagenhafte Bernstein-Zimmer suchen. Der Historiker Sergej Trifonow kündigte neue Hinweise auf den seit 1945 verschollenen Zarenschatz an.

Bei ihrem Debüt verließ Chapman erst kurz vor Schluss der Sendung das Studio. Bemüht lasziv zog die oft als "Agentin 00Sex" bezeichnete Ex-Spionin vor einer Moskauer Moschee ihre hochhackigen Schuhe aus und "interviewte" einen Imam - mit Schmollmund und eingehüllt in ein elegantes, weißes Kopftuch.

Chapman verspricht ihrem Publikum: "Ich löse alle Rätsel"

"Sie lernt schnell", schwärmte REN-TV- Sprecher Michail Tukmatschow, Skeptiker sehen das anderes. "Der Kreml hat wohl entschieden, dass das Land solche Helden braucht", meinte die regierungskritische Zeitung "Nowaja Gaseta". Es gebe schon genug TV-Magazine über blutweinende Statuen und mysteriöse Schneemenschen.

"Ich löse alle Rätsel", kündigte Chapman vollmundig im Vorspann ihrer Show an - doch bereits in den USA bewies sich dies als leeres Versprechen: Nach Angaben russischer Medien funkte "Spionin 90-60-90" bis zu ihrer Enttarnung kein einziges US-Geheimnis nach Moskau.

russischen Spionagerings

Chapman war Ende Juni 2010 zusammen mit neun weiteren Mitgliedern eines in den USA festgenommen worden und knapp zwei Wochen später im Rahmen eines Agentenaustauschs nach Russland zurückgekehrt. Seitdem arbeitet sie beharrlich an ihrer Karriere - nicht nur politisch.

jjc/dpa