Armes Russland Thomas Anders bekommt Casting-Show

Seine eigene Karriere begann mit "Nora"-Kettchen, Umhängekeyboard, Wallemähne und Lipgloss. Nun will Ex-Modern-Talking-Star Thomas Anders selbst jungen Talenten auf die Sprünge helfen - mit einer Casting-Show im russischen Fernsehen. Fast wie Dieter Bohlen, aber nicht so "unverschämt".

DPA

Frankfurt am Main - Thomas Anders war quasi der Mark Medlock der achtziger Jahre. Ganz so wie der Kandidat aus "Deutschland sucht den Superstar" wurde Anders damals von Dieter Bohlen entdeckt, mit Musik versorgt und berühmt gemacht. Inzwischen reden die beiden nicht mehr miteinander - wandeln aber auf ähnlichen Pfaden: Auch Anders, 46, will nun zum Star-Schmied werden.

Der Sänger, Moderator und Musikproduzent bekommt im Frühjahr eine eigene Casting-Show im russischen Privatfernsehen. "Es geht darum, eine russische Girl-Band zu entdecken, das Format ist auf mich zugeschnitten, ich bin der Ober-Juror", sagte Anders. Er werde Castings in verschiedenen Städten und später Samstagabend-Liveshows in Moskau geben - so ähnlich wie bei der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar".

Aber eben nur so ähnlich. "Bei mir wird es etwas geschmackvoller zugehen", sagte Anders mit Blick auf "DSDS"-Jurymitglied Bohlen, der für seine harschen und oft vernichtenden Urteile über manche Kandidaten kritisiert wird. "Ich möchte gerecht sein, aber nicht unverschämt", so Anders.

Der Titel der Sendung, die auf dem Sender STS laufen soll, stehe noch nicht fest. Pro Sendung erwartet der ehemalige Modern-Talking-Sänger 40 bis 50 Millionen Zuschauer. "Das sind ganz andere Dimensionen als bei uns."

Nicht ganz unrealistisch. Denn während Anders hierzulande heute eher belächelt wird, ist er in Russland ein Volksheld, füllt ganze Konzertsäle. "Ich habe in Russland einen unheimlichen Bekanntheitsgrad, ich kann da nicht ohne Bodyguards auf die Straße gehen", erläuterte Anders. "Das hatte den Ursprung mit Modern Talking, aber ich habe den Markt in den letzten 20 Jahren auch sehr gepflegt." Anders ergänzte: "Ich bin zum Beispiel der einzige Künstler weltweit, der es geschafft hat, zehnmal im Kreml aufzutreten."

Produzieren will er die drei- bis fünfköpfige Mädchengruppe aber voraussichtlich nicht. "Dafür habe ich gar nicht genug Zeit." Dennoch kann er mit einem kräftigen Geldregen rechnen: Anders hat "grundsätzlich eine Beteiligung an allem - von den Fernsehwerbeeinnahmen über die Einnahmen von Anrufen bis zu dem, was mit der Band passiert".

Nebenbei produziert er ein neues Popalbum auf Englisch, das auch zum Teil in Russland aufgenommen wird. Im Frühjahr soll die Platte in Russland erscheinen, so der Sänger. Dort gebe es schon 250.000 Vorbestellungen.



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