Artikel über Afghanistan-Einsatz Zeitschrift entschuldigt sich bei Prinz Harry

Sein Aufenthaltsort war geheim - zumindest war das der Plan: Die australische Frauenzeitschrift, die Prinz Harrys Kampfeinsatz in Afghanistan enttarnt hat, zeigt sich nun reumütig: Der 23-Jährige hatte den Hindukusch wegen Sicherheitsbedenken umgehend verlassen müssen.


Sydney - Die australische Frauenzeitschrift "New Idea" zeigt Reue für die Veröffentlichung eines Artikels über den eigentlich geheimen Afghanistan-Einsatz von Prinz Harry. "Wir entschuldigen uns bei unseren Lesern, bei den Soldaten im Einsatz, deren Leben in ständiger Gefahr ist, und ihren Familien", schreibt das Magazin in seiner heute veröffentlichten Ausgabe. Zwar habe die Redaktion nicht gewusst, dass sie eine Nachrichtensperre durchbreche und das Magazin sei auch nicht Teil einer solchen Vereinbarung gewesen. "Wir erkennen aber an, dass unsere Veröffentlichung als taktlos und unverantwortlich angesehen werden kann", heißt es in der Zeitschrift weiter. "Wir bedauern dieses ernste Versagen im Urteilsvermögen."

"New Idea" hatte den Artikel über den Kampfeinsatz des britischen Thronfolgers Anfang Januar veröffentlicht. Erst als die US-Nachrichtenseite "Drugde Report" den Text Ende Februar aufgriff, berichtete auch die britische Presse über den Einsatz von Prinz Harry. Sie hatte mit dem Verteidigungsministerium vereinbart, dass Journalisten Harry besuchen dürfen - jedoch mit der Auflage, Details und Fotos erst zu veröffentlichen, wenn er wieder sicher zurück in Großbritannien ist.

"Ich bin ein bisschen enttäuscht"

Nach dem Bekanntwerden seines Einsatzes wurde der 23-Jährige umgehend aus Afghanistan abgezogen. Seine Mission hatte ganze zehn Wochen gedauert. Die Gefahr für die Truppe sei zu groß gewesen, nachdem Einzelheiten über die Stationierung bekannt geworden waren, erklärte das britische Militär.

Nach seiner Rückkehr gab sich der Prinz zerknirscht: "Wütend wäre das falsche Wort, aber ich bin ein bisschen enttäuscht." Der Sohn von Prinz Charles wäre gern bis zum Ende seiner Dienstzeit bei seinen Kameraden am Hindukusch geblieben. "Es ist schön, weit weg von den Reportern und der ganzen Presse zu sein", sagte er dem "Telegraph". Er wolle nicht in Windsor herumsitzen. "Ich mag England generell nicht besonders."

Brüsten wollte sich Harry mit seinen Einsatz in Afghanistan nicht: "Ich würde nicht sagen, dass ich ein Held bin", sagte er. Zwei schwerverletzte Soldaten, von denen einer einen Arm und ein Bein bei einer Explosion einer Landmine verloren hatte, seien mit ihm im Flugzeug nach Hause gewesen. "Sie sind Helden."

Der 23-Jährige kämpfte im Süden Afghanistans in der Provinz Helmand, in der die meisten der 7800 britischen Soldaten in Afghanistan stationiert sind. Nach seiner Ankunft am 14. Dezember war er zunächst in Garmsir im Süden der Provinz im Einsatz, nur 500 Meter von Stellungen der Taliban entfernt. Seitdem wurde er mehrfach versetzt.

han/AFP



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