Ausstieg bei DSDS "Was der Bohlen macht, interessiert mich einen Dreck"

Favorit Max Buskohl stieg freiwillig aus, die Juroren zelebrierten den Zicken-Krieg: In der RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" regiert das Chaos. SPIEGEL ONLINE sprach mit Juror Heinz Henn über die Marke DSDS und das Verhältnis zu seinem Kollegen Dieter Bohlen.


SPIEGEL ONLINE: Herr Henn, mit Max Buskohl ist einer der Favoriten bei DSDS freiwillig ausgeschieden. Ihm hatten Sie Großes prophezeit.

Henn: Schade, dass er nicht mehr dabei ist, schlecht für die Sendung. Er hätte es ins Finale schaffen können. Ich glaube aber, auch ohne DSDS werden wir in Zukunft viel von ihm hören.

SPIEGEL ONLINE: Als Grund für seinen Ausstieg gibt Max Buskohls Vater an, sein Sohn habe sich nicht in ein bestimmtes Vermarktungsprofil pressen lassen wollen. Hätte man einem originären jungen Künstler im Interesse der Sendung nicht entgegen kommen können?

Henn: Es geht hier um die Vermarktung einer der größten Brands in Deutschland, und das ist DSDS. Der Max will mit seiner Rock-Band Empty Trash Musik machen. Der hat sich wohl die größten Sorgen darüber gemacht, welche Mainstream-Songs er als Solo-Künstler bei der Sony BMG hätte aufnehmen müssen. Es spricht für ihn als Mensch, dass er vorm Finale so konsequent ist. Er weiß genau, was er will.

SPIEGEL ONLINE: Max Buskohl galt vielen als markantester, modernster Jungsänger im DSDS-Aufgebot. Beschädigt es langfristig die Marke, wenn ausgerechnet ein Talent wie er jetzt die Reißleine zieht? Oder freut man sich als Fernsehmacher über den kurzfristigen Quotenschub, den so ein Skandälchen bringt?

Henn: Ich bin kein Fernsehmacher, ich sitz' da nur vor der Kamera (lacht). Na ja, wie sich das auf die Quote auswirkt, werden wir am Samstag sehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie erklären Sie sich die Diskrepanz zwischen dem DSDS-Quotenerfolg und der Tatsache, dass die deutschen Superstar-Sieger bislang alle in der Versenkung verschwunden sind? Anders als in Amerika, wo selbst Ferner-liefen-Kandidaten von "American Idol" noch hoch in die Charts einsteigen?

Henn: Hier in Deutschland glauben Plattenfirmen und Managements, es müsse so schnell wie möglich nach dem Finale ein Album raus. In den USA, in Kanada, Australien läuft es anders. Da bringt man eine Single raus, arbeitet monatelang sorgfältig an einem Album und lässt einen Künstler, wenn er will, sogar selbst die Songs schreiben. Dazu kommt noch, dass kein anderer TV-Sender in Deutschland an einen DSDS-Sieger rangeht, weil der erstens ein RTL-Produkt ist und zweitens nicht als richtiger Künstler gilt, wenn er nicht vorher fünf Jahre auf Ochsentour war und Scheiße gefressen hat. Das ist doch totaler Quatsch.

SPIEGEL ONLINE: Sie werden am Samstag wieder in der Jury sitzen - wobei man nach den Anwürfen ihres Co-Jurors Dieter Bohlen in der Sendung am Samstag durchaus Verständnis haben könnte, wenn sie hinwerfen. Der äffte Sie nach, zweifelte wiederholt Ihren Sachverstand an. Fragen Sie sich nicht manchmal: Warum tue ich mir das eigentlich an?

Henn: Jein (lacht schallend). Ehrlich gesagt: Das interessiert mich einen Dreck, was der Bohlen macht. Das ist fürn Kindergarten und zeigt ganz deutlich, dass er eine Profilneurose hat. Was ich daran schade finde: Dieses Verhalten ist respektlos den Kandidaten gegenüber. Man muss sich wundern, dass er beim Publikum damit Anklang findet.

Das Interview führte Patricia Dreyer



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