Jubel in London Ein Königreich für einen Namen

Feiernde Menschenmassen vor Buckingham Palace, entzückte Monarchie-Touristen, ein illuminiertes Riesenrad: London ist nach der Geburt des Royal Baby im Freudenrausch. Und, wie wird er nun heißen, der kleine Prinz?

Jubelnde Menschen vor Buckingham Palace: Fortbestand der Monarchie ist gesichert
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Jubelnde Menschen vor Buckingham Palace: Fortbestand der Monarchie ist gesichert

Aus London berichtet Gesa Mayr


Der Name ist noch nicht bekannt, aber zunächst einmal ist das Nebensache. Hunderte Menschen lagern vor dem Buckingham Palace in London. Immer wieder stimmt die Menge ein Ständchen für das Neugeborene an: "Happy Birthday, Royal Baby - Happy Birthday to You." Das große Warten, der "Great Kate Wait", ist endlich vorbei. Großbritannien hat einen neuen Dritten der Thronfolge.

Auch Stunden nach der Aufstellung der Geburtsurkunde strömen immer noch Menschen auf den Platz, feiern das jüngste Mitglied der Königsfamilie, das Royal Baby, das endlich da ist. Massen drängen sich vor dem Palastzaun, um einen Blick auf die Staffelei mit der Geburtsurkunde zu erhaschen. Jubel, Trubel, Korkenknallen. Hunderte Smartphones blinken in der Dunkelheit, Männer tragen ihre Freundinnen auf den Schultern, im Hintergrund leuchtet das London Eye in den Farben des Königreichs - ein Popkonzert für eine Popstar-Familie.

Ein Krebs, sagt eine Frau, die aus Hartford mit ihrer Familie zu Besuch ist. "Gott sei Dank, die sind ruhiger als Löwen." Ein amerikanisches Paar, das aus New York hergekommen ist, starrt wie elektrisiert in die feiernde Menge. "Klar können wir das verstehen", sagen die beiden. "Wir hatten ja die Kennedys." Die Ankunft des Royal Baby lässt an diesem Tag niemanden kalt. "Es ist so aufregend", sagt eine Frau aus Italien. Sie ist mit ihrer Familie angereist, der Abstecher zum Palast - Ehrensache auf der Sightseeing-Liste. "Wir wollen Zeitzeugen dieses wichtigen Moments in der Weltgeschichte sein."

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Kind von William und Kate: "Happy Birthday, Royal Baby"
Doch von diesem umstrittenen wichtigen, historischen Ereignis gibt es nach wie vor kein Bild, keinen Namen. Nur eine kleine Urkunde auf einer goldenen Staffelei vor dem Buckingham Palace. Um 16.24 Uhr (Ortszeit) gebar die Herzogin von Cambridge dem Königreich einen Thronerben, den dritten in der Rangfolge. Kind und Mutter seien wohlauf, heißt es auf der Urkunde. In einer Mitteilung gibt der Palast noch das Gewicht bekannt: 3,8 Kilo ist er schwer. Gefolgt von einem knappen Statement des frischgebackenen Vaters: "Wir könnten nicht glücklicher sein."

Aber mehr muss das Volk im Moment auch nicht wissen. Baby, Baby, Baby - wie eine Flüsterpost raunte das einzige Thema an diesem Tag durch Londons Straßen und entlud sich am Abend vor Buckingham Palace.

Der Urenkel möge sich beeilen

Lange genug hatte es gedauert. Seit dem 1. Juli wartete die Weltpresse vor dem privaten Lindo Wing des St. Mary Krankenhauses auf die hochschwangere Herzogin. Doch die Tage krochen ins Land, eine Hitzewelle erfasste das Königreich. Zum Schluss war selbst der Queen die Zeit zu lang geworden. Ob Kronprinz oder -prinzessin, egal, sagte sie noch vor wenigen Tagen. Aber der Urenkel möge sich doch bitte beeilen, Ende der Woche wolle sie schließlich in den Urlaub fahren.

Endlich kam am frühen Montagmorgen die Nachricht: Kate ist in den Wehen. "Ihre Königliche Hoheit, die Herzogin von Cambridge, ist mit dem Auto vom Kensington Palace in den Lindo Wing des St. Mary's Hospital gebracht worden", hieß es vom Palast. Mit ihrem Mann, Prinz William.

Tausende pilgern daraufhin vor den Buckingham-Palast und vor das Krankenhaus. Ein Gewimmel aus Touristen, Polizisten und Reportern. Trotz rekordverdächtiger 32 Grad wahrte die Menge königliche Contenance. "Alles friedlich", sagte ein Polizist vor dem Palast. Auch er schiebt wegen des royalen Nachwuchses Überstunden. Er ist seit Montag sieben Uhr auf Palaststreife.

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Kate in der Klinik: Warten auf den königlichen Nachwuchs
Hier und da versuchen Anti-Royalisten der Organisation Republic ihre immer gleiche Botschaft an den Royal-Baby-Mob zu bringen: Die Monarchie ist überholt, überheblich und kostet zu viel. Doch vor dem Lindo Wing und dem Buckingham-Palast will das heute keiner hören. Hier feiern Touristen und Gelegenheitsroyalisten zusammen mit den Hardcore-Windsor-Fans den Thronerben.

Fans wie John Loughrey, 58 Jahre alt, aus London und selbsternannter "Diana-Superfan". Seit einer Woche schläft er auf einer Bank vor dem Lindo Wing. Die vielen Union Jacks, die er sich umgewickelt hat, sind ein bisschen knittrig, und sein Gesicht glänzt. Doch heute ist ihm alles egal. "Das ist noch besser als die Hochzeit", sagt er. "Ich wünsche ihnen nur das Allerbeste."

Das Warten geht dennoch weiter. Es wird vermutet, dass sich die junge Familie beim Verlassen des Krankenhauses kurz den Fotografen stellen wird. Und bislang ist einzig der Titel des Jungen bekannt: His Royal Highness the Prince of Cambridge. Sein Name bleibt bis auf weiteres unbekannt. Bei William wurde das Volk nach einer Woche über den Namen des Thronfolgers informiert, bei Charles dauerte es gar einen Monat.

Bleibt nur der Blick auf die Wettbüros, dort liegen derzeit George und James vorne. Auch Charles und Philip gelten als wahrscheinlich. Dass das Paar Empfehlungen wie denen von Fußballstar David Beckham ("David") oder Bürgermeister Johnson ("Boris") folgt, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Einzig sicher ist: Die Queen kann am Freitag in den Urlaub fahren.

insgesamt 5 Beiträge
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Peter-Lublewski 23.07.2013
1. Nur drei Threads
Nur drei Threads zum Thema? Ihr seid ja richtig zurückhaltend.
Now Rob 23.07.2013
2. Also
Zitat von sysopAFPFeiernde Menschenmassen vor Buckingham Palace, entzückte Monarchie-Touristen, ein illuminiertes Riesenrad: London ist nach der Geburt des Royal Baby im Freudenrausch. Und, wie wird er nun heißen, der kleine Prinz? http://www.spiegel.de/panorama/leute/baby-von-william-und-kate-endlich-da-a-912508.html
Opium für die Massen. Monarchie. Geil. Das Volk im Zaun hängend, aber glückselig. Also, naja. Heute heisst es bei SPON mal wieder, die ersten drei Sparten ungelesen runter zu scrollen, um dann endlich an wieder nützliche Informationen zu kommen. Ach übrigens schade, dass es ein Junge geworden ist. Wie wir ja alle wissen, sind wir inzwischen so zivilisiert, dass wir erkennen müssen, dass nur ein Mann die Krone tragen und damit ein ganzes Land retten kann. Ich wünsch mir zu Weihnachten, dass Pussy Riot daraus einen Song macht.
Milkboy 23.07.2013
3. Das Blatt
sollte Bunte-online heißen.
m...einemeinung 23.07.2013
4.
Schlimm aber auch, dass sich eine kostenlose Plattform, für die.sie nichts zahlen, nicht nach ihren Bedürfnissen ausrichtet...
cassandros 23.07.2013
5. the artist formerly known as "prince"
Zitat von sysopAFPFeiernde Menschenmassen vor Buckingham Palace, entzückte Monarchie-Touristen, ein illuminiertes Riesenrad: London ist nach der Geburt des Royal Baby im Freudenrausch. Und, wie wird er nun heißen, der kleine Prinz? http://www.spiegel.de/panorama/leute/baby-von-william-und-kate-endlich-da-a-912508.html
Eigentlich egal. Warum? Im Jahr 2032 wird eine Meldung die Welt erschüttern: Erste Geschlechtsumwandlung im Backebackekuchenpalast! Thronfolger erklärt, daß er im "falschen Körper" lebe und lieber eine Prinzessin werden will. "I shall call myself BRITney", soll die Hoheit in die im Palast verteilten Abhörwanzen des MI6 gehaucht haben.
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