Beisetzung des King of Pop Der letzte Gang der Jackson Five

Familie, enge Freunde, aber keine Fans. Michael Jacksons Beisetzung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt - doch ganz so privat, wie die Angehörigen angekündigt hatten, war es nicht: Das Ereignis wurde stundenlang live im Fernsehen übertragen.

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Los Angeles - Der Vollmond war bereits über dem märchenhaften Anwesen im Nordwesten der Stadt aufgegangen, als der Limousinentross mit den Angehörigen des Jackson-Clans in die Auffahrt zum Forest-Lawn-Friedhof einbog. Zuvor hatten andere Trauergäste in der gleißenden untergehenden Sonne auf das Eintreffen der Familie gewartet.

War es Taktik? Oder Zufall? Der letzte Akt im langen Drama um Michael Jackson, seine Beisetzung, begann mit mehr als einstündiger Verspätung.

Auch dieser Schlusspunkt war sorgfältig inszeniert. Fernsehbilder waren zugelassen, jedoch mit zeitlicher Befristung. Die Überführung des schweren vergoldeten Sarges in die Gruft geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Einen weiteren umstrittenen Vorfall wie bei der Trauerfeier im Juli, als Jacksons elfjährige, emotional aufgewühlte Tochter Paris vor die Mikrofone gezerrt wurde - "Sprich lauter, Schätzchen", flüsterte ihr Janet Jackson ins Ohr - sollte diesmal offenbar vermieden werden.

Den wenigen Fans, die sich trotzdem vor den Toren des Friedhofs versammelt hatten, schien das nicht unbedingt recht zu sein. "Michael hat uns geliebt", sagte eine Frau, "dass man uns nicht auf den Friedhof vorlässt, ist einfach lächerlich."

Eine andere, Catherine Montoya aus Kalifornien, ist angesichts der spärlichen Trauer-Fangemeinde erschüttert. "Ich wünschte, es wären mehr Menschen hier", weinte sie. "Ich weiß doch, dass es mehr Fans gibt."

Gefasst wirkten Jacksons drei Kinder, allen voran der älteste Sohn Prince Michael, 12, als sie vor dem Friedhof aus der dunklen Limousine kletterten. Paris, mit dunkelumrandeter Brille, im hochgeschlossenen Kleid mit weißem Kragen, machte einen fast erwachsenen Eindruck, nur der siebenjährige Prince Michael II., genannt "Blanket", schaute unsicher.

Die Gesichter der Kinder waren jahrelang nicht bekannt gewesen, zu seinen Lebzeiten schirmte der Sänger die drei vehement von der Öffentlichkeit ab, ließ sie nur mit Masken oder Tüchern über dem Kopf auftreten. Erst in ihrer Trauer wurden sie immer wieder fotografiert. Erstmals traten sie bei der offiziellen Jackson-Gedenkveranstaltung am 7. Juli auf, seither gehen die Bilder des Jacko-Nachwuchses um die Welt.

In der ersten Reihe des weißen Gestühls, das vor dem Sarg aufgestellt war, nahmen die Kinder, ihre Großmutter, Clan-Chefin Katherine Jackson, sowie Joe Jackson Platz. Katherine Jackson hatte den Prominentenfriedhof Forest Lawn als letzte Ruhestätte für den Sohn ausgewählt. Im Vorfeld der Beerdigung verriet Jacksons Bruder Marlon der britischen Zeitung "Daily Mirror", dass die Kinder des Popstars Abschiedsbriefe an ihren Vater geschrieben hätten. Zusammen mit Jacksons Markenzeichen, einem weißen Handschuh, werden die Zeilen "Daddy, wir lieben dich, wir vermissen dich" in den Sarg gelegt.

Debbie Rowe blieb der Feier fern

Zu den wenigen Bildern, die von der Beerdigung zu sehen sind, gehört die Ankunft des Leichenwagens. Jacksons Brüder, die einst gemeinsam mit Michael die berühmten Jackson Five bildeten, trugen den reich geschmückten vergoldeten Sarg mit dem Leichnam des Sängers an den Katafalk. Auf dem Podium hatte die Familie ein Meer von weißen Blumen arrangieren und Poster mit lebensgroßen Fotos von Michael aufstellen lassen.

Unter den rund 200 Trauergästen waren zahlreiche Stars wie die Schauspielerin Elizabeth Taylor und "Kevin allein zu Haus"-Darsteller Macaulay Culkin, die beide eng mit Jackson befreundet waren. Auch Stevie Wonder und Jacksons Ex-Frau Lisa Marie Presley nahmen in Glendale Abschied. Der Bürgerrechtler Reverend Al Sharpton hielt eine Rede, die Soulsängerin Gladys Knight widmete Jackson einen letzten Song.

Jacksons zweite Frau, die Krankenschwester Debbie Rowe, blieb der Feier trotz Einladung fern. Sie hatte den King of Pop 1996 geheiratet, die Ehe scheiterte nach drei Jahren. Jacksons ältere Kinder Prince Michael und Paris waren von Rowe nach einer künstlichen Befruchtung ausgetragen worden. Die Mutter von Blanket ist nicht öffentlich bekannt.

Alle drei Kinder werden künftig bei ihrer Großmutter Katherine aufwachsen. Ein Gericht in Los Angeles hat der 79-Jährigen das dauerhafte Sorgerecht zugesprochen - so wie es Jackson in seinem Testament festgelegt hatte.

Dennoch dürften die Querelen um das Erbe des Stars und die Zukunft seiner Kinder noch nicht beendet sein. Wem beispielsweise die leibliche Vaterschaft tatsächlich zuzuschreiben ist, bleibt weiterhin ungeklärt.

siu/dpa/AP

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