Berlusconi und die Frauen "Ich bin kein Heiliger"

Er ist der Ministerpräsident der großen Worte - und der schönen Frauen: Seit Wochen dominiert Silvio Berlusconi die italienischen Schlagzeilen mit seinen amourösen Eskapaden. Nun hat sich der Italiener erstmals zum Thema geäußert - und gibt den Stelzbock.


Rom - Aus den Worten spricht der Stolz eines alternden Casanovas. In seiner ersten öffentlichen Äußerung zu jüngsten Skandalberichten hat der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi erklärt: "Ich bin kein Heiliger, das dürften Sie inzwischen herausgefunden haben." Das sagte der 72-jährige Regierungschef am Mittwoch vor Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

"Ich hoffe, dass das auch die Mitarbeiter der 'Repubblica' begreifen", erklärte er mit Blick auf die Berichterstattung der linksgerichteten Tageszeitung, die sich seit Ende April besonders eingehend mit seinem Privatleben beschäftigt. "Es gibt einfach viele gutaussehende Frauen", sagte er weiter.

Schon Ende Juni hatte der 72-Jährige selbstbewusst konstatiert: "Die Italiener lieben mich so wie ich bin. Großzügig, ehrlich und zuverlässig. Deshalb werde ich mich nicht ändern."

Das Magazin "Espresso" hatte am Montag und Dienstag in seiner Online-Ausgabe Tonbandaufnahmen veröffentlicht, die angeblich von einem Treffen mit einem Callgirl stammen sollen.

Auf der Homepage können sich die Nutzer die Mitschnitte anhören, die die junge Frau von dem angeblichen Liebestreff mit dem Ministerpräsidenten in dessen römischer Residenz machte - samt der Aufforderung, die Frau möge "in Putins großem Bett" auf ihn warten. Es soll sich um eine Tonbandaufnahme vom vergangenen November handeln.

Berlusconis Anwalt bezweifelte deren Echtheit; er nannte sie eine "Frucht der Erfindung".

Der Skandal um den Ministerpräsidenten begann bereits Ende Januar, als seine Frau Veronica Lario öffentlich eine Entschuldigung von ihrem Mann verlangte und ankündigte, sich scheiden zu lassen. Damals ging es vor allem um die Teilnahme Berlusconis an einer Geburtstagsparty für ein 18-jähriges Mädchen.

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass sich fast 5000 teils pikante Partyfotos von Berlusconi in einem Safe in Kolumbien befinden sollen. Das behauptet der Fotograf Antonellu Zappadu, der die Aufnahmen zwischen 2007 und 2009 bei Berlusconis Villa Certosa gemacht hat. Auf den Bildern sind unter anderem Frauen mit entblößtem Oberkörper zu sehen.

Es handelt sich dabei jedoch nicht etwa um Berlusconis Gattin, sondern um unbekannte Bikinischönheiten. Berlusconi ging gerichtlich gegen Zappadu vor. Nach einem Veröffentlichungsverbot für die Bilder in Italien habe er die Fotos deshalb nach Kolumbien gebracht, sagte der Fotograf. Zappadu ist mit einer Kolumbianerin verheiratet, zusammen mit Kollegen hat er eine Agentur gegründet, deren Sitz Kolumbien ist.

han/hut/AP/AFP



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