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14. April 2013, 19:28 Uhr

Aufregung um Gedenkbesuch

Justin Bieber blamiert sich im Anne-Frank-Haus

Teenie-Star Justin Bieber hätte sich Holocaust-Opfer Anne Frank als Fan gewünscht. Das jedenfalls hat er bei einem Museumsbesuch ins Gästebuch geschrieben. Facebook-Nutzer sprechen von einer "Schande".

Amsterdam - Wahrscheinlich hat es Justin Bieber sogar nett gemeint - nur kam das bei den Wenigsten so an. Das Anne-Frank-Haus berichtet auf seiner Facebook-Seite von einem Besuch des kanadischen Popstars und von einem Gästebuch-Eintrag, den er hinterlassen habe. Und genau der sorgt bei vielen für Empörung.

Der 19-Jährige habe am Freitagabend, also einen Tag vor seinem Konzert in Arnheim, das Museum besucht, heißt es in dem Posting. Bei der Gelegenheit habe er ins Gästebuch geschrieben: "Wirklich inspirierend, hierherzukommen. Anne war ein tolles Mädchen. Hoffentlich wäre sie ein Bieber-Fan gewesen." Er wird mit dem Wort "belieber" zitiert, so nennen sich seine Fans, eine Mischung aus believer (Glaubender) und eben Bieber.

Die Antworten kamen prompt. Viele Facebook-Nutzer kritisierten Biebers Worte als respektlos. Der Popstar wolle das NS-Opfer für sich vereinnahmen, offenbar gehe es nur um ihn selbst. "Dieser kleine Idiot ist viel zu eingebildet", hieß es in einem Kommentar, andere Nutzer nannten ihn "unreif", "dumm" und "selbstsüchtig".

Die 1929 in Frankfurt am Main geborene Jüdin Anne Frank wanderte 1934 mit ihren Eltern in die Niederlande aus. Später führte sie in ihrem Versteck in einem Amsterdamer Hinterhaus von 1942 bis 1944 ein Tagebuch, das zu einem der wichtigsten Zeugnisse des Leidens im Holocaust wurde, "Das Tagebuch der Anne Frank". Sie starb Anfang 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Die Museumssprecherin Maatje Mostart bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE am Sonntag den Besuch Justin Biebers. Auch das Facebook-Posting stamme vom Museum, das umstrittene Zitat des Sängers sei darin korrekt wiedergegeben.

"Was für eine Schande", heißt es in einem der Facebook-Kommentare, "er ist zum Museum gekommen, aber das Museum nicht zu ihm". Wenige Beiträge später werden aber auch hier schon die ersten Witze gerissen: "Ich denke, seine nächste Station wird Berlin sein, wo er die berühmte 'Ich bin ein Belieber'-Rede von JFK nachspielen wird."

juh/dpa

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