Bettencourt-Günstling "Sie hat mir Geld gegeben. Was ist schlecht daran?"

Großzügige Geldgeschenke von L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt an ihren Freund haben in Frankreich einen Skandal ausgelöst. Jetzt verteidigt sich François-Marie Barnier: Die 87-Jährige habe ihm das Geld gegeben wie "andere ihren Körper".

AFP

Paris - Bisher hat er geschwiegen, nun schlägt er zurück. Der ehemalige Freund der L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt verteidigt sich für die von ihm angenommenen Geldgeschenke. "Sie hat mir Geld gegeben, so wie andere ihre Zeit oder ihren Körper hergeben", sagte François-Marie Banier in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Das Geld habe allerdings in seiner Beziehung zu der 87-Jährigen keine Rolle gespielt. "Liliane wollte, dass ich es habe. Was ist schlecht daran?"

Sieben Jahre lang habe er das Geld zurückgewiesen, bis er es schließlich annahm. Eine Summe nannte Banier nicht.

Bettencourt und ihr Mann André hatten den heute 63-jährigen Fotograf und Künstler 1969 kennengelernt; in den achtziger Jahren freundeten sie sich eng mit Barnier und seinem Lebensgefährten an. Die beiden Paare fuhren zusammen in den Urlaub, besuchten Ausstellungen, diskutierten nächtelang. Schon als Banier in den siebziger Jahren zu fotografieren begann, soll die L'Oréal-Erbin ihn finanziell unterstützt haben. Bis heute soll der Künstler rund 990 Millionen Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks von seiner Gönnerin erhalten haben

Vor kurzem ging Bettencourt in einem Interview mit dem französischen Magazin "Paris Match" auf Distanz zu Banier und bezeichnete ihn als "unerträglich". "Das ist jemand, der immer noch mehr will", sagte die reichste Frau Frankreichs dem Blatt.

Die Milliardärin hatte im Sommer ihr Testament geändert, in dem Barnier als alleiniger Erbe eingesetzt war.

Vor kurzem löste L'Oréal die umstrittenen Beraterverträge mit Banier auf. Insgesamt sollte dieser bis 2011 mehr als 700.000 Euro jährlich von dem Kosmetikkonzern erhalten. Bettencourts Tochter Françoise hatte Banier angezeigt. Sie wirft ihm vor, ihrer 87-jährigen Mutter im Laufe der Jahre rund eine Milliarde Euro aus der Tasche gezogen zu haben.

Aus dem Familienstreit um vermeintliche Geldgeschenke an den Günstling Banier wurde ein Skandal, der bis in Frankreichs Regierungskreise reicht. Der Milliardärin wird vorgeworfen, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen und die konservative Regierungspartei UMP sowie Präsident Nicolas Sarkozy mit illegalen Partei- beziehungsweise Wahlkampfspenden unterstützt zu haben.

bac/AFP

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