Prozess gegen Bill Cosby "Irgendwo zwischen Erlaubnis und Zurückweisung"

Was denkt Bill Cosby über den Kontakt zu seinem mutmaßlichen Opfer? Im Prozess gegen den TV-Star wurde dazu nun eine Aussage Cosbys aus dem Jahr 2005 verlesen. Sie lässt ihn in keinem guten Licht erscheinen.

Bill Cosby
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Bill Cosby


Im Prozess gegen Bill Cosby hat die Jury Aussagen des Entertainers gehört, ohne dass er den Zeugenstand betrat. Im Gerichtssaal wurde eine zehn Jahre alte Vernehmung Cosbys verlesen. Er ist der schweren sexuellen Nötigung angeklagt. Der Übergriff soll sich 2004 ereignet haben, Opfer soll Andrea Constand gewesen sein.

Die hatte Cosby 2005 verklagt - und damals hatte der TV-Star die nun verlesenen Aussagen zu Protokoll gegeben. Nun, im Strafprozess, hörte die Jury gespannt zu, mehrere Mitglieder machten sich Notizen.

In der Aussage gab Cosby zu, Constand 2004 in seinem Haus in einem Vorort Philadelphias Pillen gegeben und dann in ihre Hose gegriffen zu haben: "Ich höre sie nichts sagen. Ich fühle sie nichts sagen. Und so mache ich weiter und gehe in das Gebiet irgendwo zwischen Erlaubnis und Zurückweisung. Ich werde nicht aufgehalten."

Im Fall von Constands Zivilklage gegen Cosby einigten sich beide Parteien außergerichtlich. Cosbys Aussage blieb lange unter Verschluss - erst als sie auf Anfrage der Presse öffentlich wurde, nahm das Strafverfahren Fahrt auf. Im Zuge der Veröffentlichung meldeten sich insgesamt rund 60 Frauen, die Cosby sexuelle Übergriffe vorwerfen.

Verlesung der Aussage noch nicht beendet

Die Anwälte Cosbys hatten versucht, die Zulassung der Aussage ihres Mandanten als Beweismittel zu verhindern - sie wussten, dass seine Schilderungen kein gutes Licht auf den Entertainer werfen würden. Ein Richter entschied jedoch, die Staatsanwaltschaft dürfe die Aussage in den Prozess einbringen.

Ein Polizist las die Worte Cosbys vor. Weitere Aussagen sollen am Freitag verlesen werden; dann soll es unter anderem darum gehen, dass Cosby darüber sprach, Alkohol und Drogen an Frauen gegeben zu haben, mit denen er Sex haben wollte.

Cosby hat angekündigt, in dem Verfahren keine Aussagen zu machen. Sollte er wegen sexueller Übergriffe gegen Constand verurteilt werden, könnte der 79-Jährige für den Rest seines Lebens ins Gefängnis kommen. Der Entertainer sagt, beim Treffen mit Constand sei alles einvernehmlich gewesen.

Die 44-Jährige hat in dem Prozess bereits ausgesagt. Sie schilderte, wie Cosby sie gegen ihren Willen im Intimbereich berührt habe und sie sich nicht habe wehren können, weil er ihr Pillen gegeben hatte.

Im Video: Mutmaßliches Cosby-Opfer - "Ich wollte, dass es aufhört"

ulz/AP

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