Sitcom-Star Bill Cosby verklagt sieben Frauen wegen Rufmordes

Mehr als 50 Frauen werfen dem US-Schauspieler Bill Cosby vor, sie vergewaltigt zu haben. Sieben von ihnen verklagt er jetzt wegen Verleumdung. Eine Opferanwältin prophezeit "einen Krieg gegen Frauen", um andere Klägerinnen mürbe zu machen.

Entertainer Bill Cosby (am Veterans Day 2014): Im "Krieg" gegen Frauen?
AP

Entertainer Bill Cosby (am Veterans Day 2014): Im "Krieg" gegen Frauen?


Der US-Schauspieler und Comedian Bill Cosby hat am Montag bei Gericht in Springfield, Massachusetts, Gegenklage gegen sieben Frauen eingereicht, die ihn der Vergewaltigung beschuldigen. Cosby, der in den Achtzigerjahren mit der "The Cosby Show" Weltruhm erlangte, wirft ihnen Rufmord vor. Der ehemalige US-Star ließ zudem mitteilen, die Frauen hätten ihm vorsätzlich "seelisches Leid" zugefügt und würden sich an ihm bereichern wollen.

In Cosbys Klageschrift heißt es, die Frauen hätten das Ziel, ihn zu diffamieren und sein "ehrenvolles Vermächtnis und seine Reputation" beschädigen wollen.

Insgesamt werfen inzwischen mehr als 50 Frauen Cosby sexuelle Vergehen vor. Zu Cosbys mutmaßlichen Opfern gehören Models, Kellnerinnen und Mitarbeiterinnen aus dem Showgeschäft. Die Fälle reichen bis in die Sechzigerjahre zurück.

Der Star hat die Vorwürfe in der Vergangenheit immer bestritten. Allerdings gab er 2005 zu, im Jahr 1976 einer Frau ein Beruhigungsmittel verabreicht zu haben, weil er mit ihr Sex haben wollte. Entsprechende Gerichtsunterlagen waren im Juli veröffentlicht worden. Einen Strafprozess hat es noch nicht gegeben, allerdings laufen mehrere Zivilklagen gegen Cosby. Viele der angeblichen Übergriffe liegen bereits Jahrzehnte zurück und gelten deshalb als verjährt.

"Bill Cosby hat vor, in den Krieg gegen die Frauen zu ziehen"

Es seien "ausschließlich unbegründeten Anschuldigungen", sagte die Anwältin des mittlerweile 78-jährigen Cosby zum aktuellen Fall. Die Frauen, gegen die der Komiker jetzt gerichtlich vorgeht, hätten "eine Kampagne gestartet, um Cosbys Ruf und Integrität vorsätzlich zu zerstören."

"Bill Cosby hat offenbar vor, in den Krieg gegen die Frauen zu ziehen, die ihn in Massachusetts verklagt haben und die Opfer von ihm geworden sind", sagte Rechtsanwältin Gloria Allred, die mehrere Frauen gegen Cosby vertritt - nicht allerdings jene, gegen die Cosby jetzt klagt. "Eine solche Taktik wird mutige Frauen nicht davon abhalten, den Kampf gegen ihn fortzuführen", so Allred.

Die letzten Anschuldigungen gegen Cosby stammen vom Oktober diesen Jahres. Zwei weitere Frauen erhoben schwere Vorwürfe. Sie schilderten, wie Cosby sie bedrängte und missbrauchte. Bei einer Pressekonferenz im Büro von Allred berichtete eine Frau, die lediglich ihren Vornamen Dottye nannte, dass Cosby sie 1984 in seinem Haus in New York vergewaltigt habe.

Ein anderes mutmaßliches Opfer, Donna Barrett, traf Cosby nach eigenen Angaben im Jahr 2004 bei einem Leichtathletik-Wettkampf an der Universität von Pennsylvania. Als sie zusammen mit ihrem Team für ein Foto posierte, habe Cosby sich von hinten an sie gedrückt, berichtete Barrett und hielt ein Foto hoch, auf dem Cosby sie von hinten umklammert.

jat/AP/rtr/afp



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.