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Bill Ramsey, 90

aus DER SPIEGEL 28/2021
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Er sang, was die Deutschen in den Fünfziger- und Sechzigerjahren hören wollten: harmlose Schlager über die Tücken des Ehelebens (»Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett«) oder das verruchte Paris (»Pigalle«), die er in Filmklamotten mit Heinz Erhardt oder Peter Alexander zum Besten gab. Und doch waren seine Songs raffinierter als das Gros der damaligen Unterhaltungsmusik, sie swingten, hatten Ironie und erzählten Geschichten. Bill Ramsey war der Gute-Laune-Bär des deutschen Showgeschäfts, tapsig und mit gepflegtem amerikanischem Akzent. Aber sein raues Timbre, sein Rhythmus und Timing ließen selbst bei den albernsten Nummern durchscheinen, woher er musikalisch kam. Ramseys Liebe war der Jazz, zu seinen Idolen zählten Duke Ellington und Nat King Cole. Wenn man die Augen schließe, höre man einen Schwarzen, soll die große Jazzsängerin Ella Fitzgerald über ihn gesagt haben. Geboren wurde Ramsey in Cincinnati, Ohio. Seinen ersten Auftritt hatte er mit acht Jahren bei einer Werbeaktion für Schokoladenkuchen. Ramsey kam als GI nach Deutschland, wo er in Klubs auftrat, zunächst nebenbei. 1984 nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an, was den Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff zu der Frotzelei verleitete, man müsse ihn jetzt »Wilhelm Ramsei« nennen. Ramsey lehrte an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, bis 2019 moderierte er die hr-Radiosendung »Swingtime«, im selben Jahr hatte er seinen letzten Auftritt, im Rollstuhl. Bill Ramsey starb am 2. Juli in Hamburg.

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