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Blinder Künstler: Malen mit den Fingerspitzen

Foto: Privat

John Bramblitt Die knallige Bilderwelt eines blinden Malers

Er malt, ohne zu sehen, was: Mit einer speziellen Technik und viel Fingerspitzengefühl bringt der US-Amerikaner John Bramblitt faszinierende Bilder auf Leinwand.

Schwarz war seine Depression, das "fürchterlichste Schwarz" habe er durchlitten. Als säße er in einem tiefen Loch - so kam es John Bramblitt vor, als er vor sieben Jahren völlig erblindete.

Heute ist der 37-jährige texanische Maler in seiner Heimat eine Berühmtheit und erklärt seine Welt der Farben, die er nicht sehen kann, in Schulklassen und hin und wieder auch für Journalisten.

Von seinem Wandel vom depressiven Blinden zum lebensfrohen Künstler berichtete er auch einem CBS-Reporter, dessen Gesicht Bramblitt für die Fernsehreportage erst ertastete und das er anschließend malte . Auch die "New York Times" schrieb  schon über ihn, den besonderen Maler, der ohne zu sehen und ohne Hilfe die buntesten Gemälde schafft.

Wie malt ein Blinder? Zuerst brachte Bramblitt sich bei, die Konturen seiner Motive mit Leim vorzuzeichnen. Inzwischen benutzt er eine schnelltrocknende Farbe, mit der er die ertastbaren Konturen auf selbstbespannte Leinwände zieht. Dann füllt er die Konturen mit Farben auf, und die unterscheide er auch mit seinem Tastsinn, sagt Bramblitt.

Er fühle an der Textur, ob er einen Klecks weiß oder schwarz vor sich habe. Die Pigmente und beigemischten Zusätze gäben jeder Farbe eine eigene Haptik. Außerdem seien alle Farbtuben in seinem Atelier mit Braille-Punktschrift versehen. Mischungen erstelle er damit beinahe so, wie mit einem Kochrezept, erklärt er auf seiner Webseite .

Bramblitt, der mit seiner Frau und seinem Sohn in der nordtexanischen Stadt Denton lebt, erkrankte in Teenagerjahren an Epilepsie. Durch sie habe er zunächst kaum merklich, aber stetig sein Augenlicht verloren. Er habe als Kind und Jugendlicher immer gern gezeichnet und geschrieben. Als er gar nichts mehr sehen konnte, dachte er zunächst, mit der kreativen Arbeit sei es für immer vorbei.

Er sei darüber fast verrückt geworden, doch gerade durch die Kunst habe er aus seinem tiefen Loch der Depression herausgefunden. Die Malerei helfe ihm, seine Verrücktheit in Schach zu halten und bringe ihn mit vielen Menschen zusammen. Bramblitt hat sich freigemalt, in den knalligsten Farben.

cht
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