Kein Wort zum Nobelpreis Schwedische Akademie wirft Bob Dylan Arroganz vor

Über den Nobelpreis für Literatur würde wohl jeder jubeln. Nicht so Bob Dylan - der US-Musiker schweigt fortgesetzt. Nimmt er den Preis an? Kommt er zur Verleihung? Kein Wort dazu. Die Schwedische Akademie ist empört.
Literaturnobelpreisanwärter Bob Dylan

Literaturnobelpreisanwärter Bob Dylan

Foto: KEVORK DJANSEZIAN/ ASSOCIATED PRESS

Dem frisch gekürten Literaturnobelpreisträger Bob Dylan schlägt der Zorn der Schwedischen Akademie entgegen. Einem Mitglied platzte nun der Kragen, weil Dylan bislang mit keinem Wort auf die Ehrung reagiert hat. "Das ist unhöflich und arrogant. Das muss man einfach mal so sagen", sagte der schwedische Autor Per Wästberg am Freitag dem Fernsehsender SVT. So etwas sei bislang noch nie vorgekommen.

Dylan war vor einer Woche als erstem Musiker überhaupt der Nobelpreis für Literatur zugesprochen worden - doch geäußert hat er sich bislang nicht dazu. Bislang ist daher auch unklar, ob Dylan zur Verleihung der Nobelpreise im Dezember nach Stockholm reist. 1964 hatte der französische Existenzialist Jean-Paul Sartre den Literaturnobelpreis abgelehnt.

An einer Preisphobie kann Dylans Stillschweigen kaum liegen: In seiner Karriere nahm er die Medal of Freedom von US-Präsident Barack Obama entgegen, gewann einen Oscar und mehrere Grammys.

Die Schwedische Akademie hatte zuletzt noch versucht, ihre Empörung zurückzuhalten. Sie teilte zwar mit, ihre Kontaktversuche vorerst aufzugeben. Die ständige Sekretärin der Akademie, Sara Danius, machte auf gute Stimmung und sagte dem schwedischen Sender SR: "Ich habe angerufen und E-Mails an seinen engsten Mitarbeiter geschickt und sehr freundliche Antworten bekommen. Im Moment genügt das völlig."

Das Nobelpreiskomitee der Schwedischen Akademie begründete Dylans Auszeichnung damit, dass er "neue poetische Ausdrucksformen innerhalb der großen amerikanischen Song-Tradition" erschaffen habe. Dylan reagierte nicht. Sogar auf einem Konzert am Tag seiner Ernennung ging er ohne einen Kommentar zum Preis von der Bühne.

Die Nobelpreise werden jedes Jahr am 10. Dezember in Stockholm vom schwedischen König überreicht - mit Ausnahme des am selben Tag in Oslo verliehenen Friedensnobelpreises.

Bob Dylan war schon so lange als Kandidat für den Literaturnobelpreis im Gespräch, dass sein Name unter Beobachtern bereits als Running Gag gehandelt wurde. Der 75-Jährige ist der erste US-Amerikaner seit Toni Morrison 1993, der mit der höchsten literarischen Ehrung bedacht wird.

kig/AFP
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