Boris Becker "Jeder fand Steffi Graf scharf"

Er will gar nicht brav sein, der Boris. Und kann sich gar nicht vorstellen, wie man als angepasster Sportler der Saubermann-Klasse überhaupt über die Runden kommt. Ein schwieriges Leben sei das, erklärte das Tennis-As jetzt in einem Interview.

Getty Images

München - Ex-Tennisstar Boris Becker beneidet andere Sport-Legenden wie Michael Schumacher oder Steffi Graf nicht um ihr biederes Image. "Wie schwierig es ist, das zu leben! Wie anstrengend!", sagte der Sportler jetzt dem "Playboy". Nie könnten sie sich in einem Restaurant danebenbenehmen oder sich scheiden lassen. "Die können nie irgendwas machen", davon ist der 42-Jährige überzeugt.

Vorteile ergäben sich allenfalls durch Wohnsitze im Ausland, wo man weniger stark unter Beobachtung stünde, spekulierte Becker, der selbst in Zürich und London lebt. Vorsicht sei bei Alkoholkontrollen geboten - da helfe ein Promi-Status gar nicht, so Becker. "Dann muss ich so lange blasen, bis sie irgendwas gefunden haben. Da heißt es nur: Demut zeigen und alles nachsagen, was der Polizist von einem verlangt."

Zu Steffi Graf habe er ein ganz besonderes Verhältnis: "Jeder Tennisspieler in unserer Generation fand Steffi Graf gut: eine tolle Frau, toller Körper, sexy, immer gewonnen. Jeder in der Umkleidekabine fand Steffi scharf." Er selbst habe Steffi allerdings von Kindesbeinen an gekannt und deshalb "automatisch ein Bruder-Schwester-Verhältnis" zu ihr gepflegt.

Nach dem Erscheinen der Memoiren von Grafs Ehemann Andre Agassi hatte sich Becker gewundert, warum sein ehemaliger Rivale auf dem Platz darin von seinen Drogenexzessen berichtete: "Warum gibt er das überhaupt zu? Wem bringt das was?", fragte Becker. "Er schadet nur dem Tennisport."

In seiner 2003 erschienenen Autobiografie "Augenblick, verweile doch..." hatte Becker zugegeben, als Tennisspieler viele Tabletten geschluckt zu haben. "Zeitweise konnte ich ohne Schlafmittel überhaupt nicht mehr die Augen zumachen", heißt es dort. "In meinen schlimmsten Phasen kam dann auch noch Whisky hinzu, der die Wirkung der Tabletten verstärkte."

Mit seiner derzeitigen Lebenssituation scheint Becker indes vollauf zufrieden zu sein. Er sei glücklich in seiner wiedergefundenen Rolle als Ehemann. "Das ist für mich der Weisheit letzter Schluss. Ich habe alles probiert und für mich entschieden, dass ich mit einer Partnerin glücklicher bin und es mir besser geht", sagte er.

Allerdings schließt der Tennisstar für die Zukunft nichts aus: "Verlieben ist wie Hunger, das kommt immer wieder." Beckers Frau Lilly erwartet Anfang kommenden Jahres das erste gemeinsame Kind.

ala/AP/DDP



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