Boris Becker über seine Schulden "Hätte mich intensiver kümmern müssen"

Der Insolvenzärger für Boris Becker in Großbritannien zieht sich hin. In einem Interview mit dem "Stern" räumt der Ex-Tennisprofi nun Nachlässigkeit ein - und hat bis zum Ende des Jahres ein Ziel.

Boris Becker beim Finale des Davis Cups 2019: "Ich bin Millionär seit ich 17 bin, und ich war es auch bis zu diesem 21. Juni 2017"
Paul Zimmer/ imago images

Boris Becker beim Finale des Davis Cups 2019: "Ich bin Millionär seit ich 17 bin, und ich war es auch bis zu diesem 21. Juni 2017"


Boris Becker hat Hoffnung. Bis Ende des Jahres will der Ex-Tennisstar schuldenfrei sein. "Ich kämpfe dafür, dass dieses Verfahren annulliert wird - dass ich wieder behandelt werde, als wäre diese Insolvenz nie passiert", sagte der 52-Jährige dem Magazin "Stern".

Becker, der seit Jahren in Großbritannien lebt, war 2017 von einem Gericht in London für insolvent erklärt worden. "Ich bin Millionär, seit ich 17 bin, und ich war es auch bis zu diesem 21. Juni 2017", sagte Becker dem "Stern" zu dem Tag, an dem das Verfahren in London eröffnet worden sei. "Ich hätte die fälligen Schulden begleichen können", sagte er. Mit Blick auf das Insolvenzverfahren räumte er aber zugleich ein: "Mir ist bewusst, dass ich mich hier intensiver hätte kümmern müssen."

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Becker will Bank "voll und ganz befriedigt" haben

Laut Becker gibt es nun eine glückliche Wendung in dem Fall: So wolle sich eine Bank, die mit einer Millionenforderung den Fall ausgelöst hatte, aus dem Insolvenzverfahren zurückziehen. Die Bank sei inzwischen "voll und ganz befriedigt worden", sie "konnte sich über meine Finca, die ich auf Mallorca besaß, schadlos halten", sagte Becker. Den Rückzug habe die Bank "schriftlich bestätigt".

Im Juli waren zwar bereits Memorabilia des dreifachen Wimbledonsiegers für knapp 700.000 britische Pfund versteigert worden. Insolvenzverwalter Mark Ford hatte sich kurz zuvor aber ebenfalls optimistisch gezeigt, dass Becker innerhalb eines halben Jahres schuldenfrei werden könnte.

Laut "Stern" gibt es insgesamt Forderungen von 15 Gläubigern in Höhe von gut 55 Millionen Euro gegen Becker. Allein rund 38 Millionen Euro verlangt dessen früherer Schweizer Geschäftspartner und Metromanager Hans-Dieter Cleven, doch Becker bestreitet diese Forderung. "Bei der Summe bleibt auch mir die Spucke weg", sagte Becker. "Mittlerweile habe ich Klage in der Schweiz eingereicht, um feststellen zu lassen, dass diese Forderungen unberechtigt sind."

"Heute weiß ich, wie irre das war"

Becker räumt ein, im Fall von Cleven über die Jahre Darlehensverträge unterschrieben zu haben. Diese Verträge spiegelten jedoch nicht die Realität wider, sagt er dem "Stern". "Ich ging davon aus, dass Herr Cleven diese Verträge nur braucht, wenn er Probleme mit der deutschen Steuer bekommt. Ich habe nicht nur das Geld nicht ausgezahlt bekommen. Es sind auch Positionen aufgeführt, die mich nicht betreffen."

Normalerweise endet ein Insolvenzverfahren in Großbritannien bereits nach einem Jahr. Weil Becker sich jedoch wenig kooperativ gezeigt haben soll, wurde diese Frist verlängert. Zuletzt verhängte die Insolvenzbehörde sogar Restriktionen, die Becker über Jahre hinaus geschäftlich beschränken.

"Es ist richtig, dass ich aufgrund des verzögerten Informationsflusses im Insolvenzverfahren diese Strafe aufgebrummt bekommen habe", räumt Becker in dem Interview ein. "Sie besagt, dass ich bis 2031 nicht mehr Geschäftsführer einer englischen Firma sein darf. Ich habe das akzeptiert und bin froh, dass die Untersuchungen dazu nun abgeschlossen sind." Die Auflagen hätten keine direkten Auswirkungen auf das laufende Verfahren. "Es bleibt dabei: Wenn ich meine Schulden bezahlt habe, bin ich wieder ein freier Mann."

In dem Gespräch mit dem "Stern" äußerte sich Becker auch zu seinem angeblichen Status als Sport- und Kulturattaché der Zentralafrikanischen Republik. "Ich habe kein Geld bezahlt, und ich habe den Diplomatenstatus nicht für eine Immunität angestrebt", gibt Becker an. Er sei auf einen Hochstapler hereingefallen, der ihm den Kontakt vermittelt habe. "Ich wurde mit einer Wagenkolonne abgeholt, Botschafter und Präsident begrüßten mich. Der Präsident sagte, er freue sich auf mich als neuen Mitarbeiter seines Landes (...…) Und dann haben sie mir den Pass gezeigt. Ich hatte den ja nie selbst in der Hand. Warum sollte ich das nicht glauben? Heute weiß ich, wie irre das war."

apr

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navigadore 28.11.2019
1. Mein Gott ....
..... wie naiv ist dieser Mann eigentlich?
hansvonderwelt 28.11.2019
2. Verstehe ich nicht !
Er wird doch einen Anwalt und Steuerberater gehabt haben.Auch seine Eltern und seine "tollen" Ehefrauen haben doch eine moralische Fürsorgepflicht.Wenn "Herr Cleven" ihn betrogen hat,wäre eine Strafanzeige logisch.
stefanbodensee 28.11.2019
3. Realitätsverlust ....
"Ich kämpfe dafür, dass dieses Verfahren annulliert wird - dass ich wieder behandelt werde, als wäre diese Insolvenz nie passiert" - davon träumen wahrscheinlich tausende deutscher Schuldner, den Zustand wieder so hinzubekommen, als wäre alles 'nie passiert'. Herr Becker mag ein exzellenter Tennisspieler gewesen sein, als Geschäftsmann ist und bleibt er mittel- bis langfristig eine Niete. Und als klar denkender Mensch offensichtlich auch - es ist halt doch bequemer jahrelang in der selbst geschaffenen kuscheligen Boris-Blase zu verweilen, als sich irgendwann der harten Realität zu stellen.
frank57 28.11.2019
4. Allein
ein Tennistalent zu sein reicht halt nicht! Nebe der Tätigkeit einen Ball übers Netz zu befördern, was ohnehin abstruß bezahlt wird, sollte man halt auch seinen grauen Zellen trainieren, was hier völlig fehlt!
wrkffm 28.11.2019
5. Kopf hoch, Lebbe geht weiter !
Tja, wenn man halt in seiner Kindheit /Jugend nur Tennisbälle zu verdreschen gelernt hat und sonst nix für´s Leben, bleibt man anscheinend ein wenig blauäugig.
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