Insolvenzverfahren Boris Becker will kein Diplomat mehr sein

Boris Becker brachte einen Diplomatenstatus ins Spiel, um in seinem Insolvenzverfahren nicht mehr belangt zu werden. Doch darauf beruft er sich nun nicht mehr, das Verfahren in London geht weiter.

Boris Becker
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Die nächste Runde im Insolvenzverfahren gegen Boris Becker findet ohne ihn statt: Weder der 51-jährige ehemalige Tennisstar noch seine Anwälte tauchen zu dem Termin am High Court im Zentrum von London auf. Anwesend sind nur der Richter, gleich vier Anwälte der Gegenseite und eine Handvoll Journalisten. Der Richter wirkt genervt.

Eigentlich sollte es bei der Anhörung in dem kleinen, modernen Verhandlungssaal um die Frage gehen, ob sich Becker weiter darauf berufen kann, dass ihn seine Gläubiger wegen seiner diplomatischen Immunität nicht belangen können. Im Sommer hat Becker im laufenden Verfahren plötzlich erklärt, er besitze einen Diplomatenpass der bettelarmen, von Bürgerkriegen zerrütteten Zentralafrikanischen Republik. Er sei der Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten des Landes.

Spätestens von da an wurde es abenteuerlich: Der Botschafter der Zentralafrikanischen Republik in Brüssel bestätigte zwar noch, dass Becker ein offizieller Diplomat seines Landes sei. Außenminister Charles Armel Doubane bestritt dies jedoch vehement und sprach von einer "inoffiziellen Position". Mehr noch: Der Pass sei eine "Fälschung". Becker selbst beharrte darauf, alles sei in bester Ordnung.

Beckers Insolvenz auf unbestimmte Zeit verlängert

Doch offenbar plant Becker nicht länger, an dieser Linie festzuhalten. Die Anwälte der Gläubiger erklären bei dem Termin am High Court, Becker habe ihnen mitgeteilt, dass er sich nicht weiter auf seinen Diplomatenstatus berufen werde. Anwalt Tony Beswetherick sagt, Becker habe ihm in einer Email geschrieben, er sei "finanziell nicht in der Lage", seine diplomatische Immunität weiter geltend zu machen. Der Richter entscheidet daraufhin sofort, Beckers Insolvenz auf unbestimmte Zeit zu verlängern.

Die Frage, wie lange die Insolvenz Beckers gelten soll, war in den vergangenen Monaten der Knackpunkt in dem Verfahren. Bereits im vergangenen Jahr hat der Londoner High Court Becker auf Antrag der Privatbank Arbuthnot Latham & Co. für insolvent erklärt. Die Bank forderte von dem Ex-Tennisstar mehr als elf Millionen Euro. Daraufhin meldeten sich immer mehr Gläubiger, unter ihnen ein Schweizer Geschäftsmann, der von Becker etwa 40 Millionen Euro verlangte.

Becker soll Informationen vorenthalten haben

In Großbritannien laufen Insolvenzverfahren allgemein so ab, dass ein Konkursverwalter auf das Vermögen des Betroffenen Zugriff erhält und gegebenenfalls Teile davon verkauft. Nach bereits einem Jahr endet das Verfahren, und der Betroffene ist auf einen Schlag schuldenfrei. Der Konkursverwalter kann aber auch in der Zeit danach noch Wertgegenstände verkaufen, die er noch nicht zu Geld gemacht hat.

Das Verfahren hängt davon ab, dass der Betroffene mit dem Konkursverwalter zusammenarbeitet. Weigert er sich, kann der Konkursverwalter das Gericht darum ersuchen, die Insolvenz zu verlängern, bis er sich eine Übersicht über die Besitzverhältnisse gemacht hat.

Eigentlich hätte Beckers Insolvenz bereits am 21. Juni enden sollen. Doch bereits im Mai beantragte Insolvenzverwalter Mark Ford, die Frist zu verlängern. Er erklärte, Becker habe ihm Informationen über sein Vermögen vorenthalten. So fehlten ihm etwa Informationen zu zwei Immobilien in Deutschland und Anteile an drei Mercedes-Autohäusern. Zudem seien mehrere Trophäen Beckers spurlos verschwunden.

Persönliche Gegenstände könnten nun doch verkauft werden

Kurz darauf erklärte Becker, er genieße wegen seines Attaché-Postens für die Zentralafrikanische Republik diplomatische Immunität. Er sei "ungemein stolz" auf seinen Posten, ließ der dreifache Wimbledon-Gewinner damals wissen. Sein deutscher Anwalt Christian-Oliver Moser bemühte sich darum, Vermutungen zu zerstreuen, wonach Becker das Amt nur angenommen haben könnte, um sein Insolvenzverfahren zu beenden.

Im Juni gelang es Becker, per einstweiliger Verfügung die Versteigerung von mehr als 80 persönlichen Gegenständen (darunter Pokal-Nachbildungen, eine Goldene Kamera und ein Bambi sowie Tennis-Socken) zu stoppen, deren Wert auf etwa 200.000 Pfund (umgerechnet etwa 224.000 Euro) geschätzt wird. Diese Gegenstände könnten nun bald verkauft werden.

Becker bestritt in den vergangenen Monaten immer wieder, pleite zu sein. Er habe seine Schuld bereits beglichen. Das Verfahren bezeichnete er als "Farce". Die Ansprüche der Bank basierten auf Wucherzinsen, die diese von ihm "weder rechtskräftig noch rechtswirksam" verlange. Er kündigte an, er werde die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Dazu, dass Becker zu dem Verfahren am Montag nicht erschienen ist, sagte sein deutscher Anwalt der Deutschen Presse-Agentur, Becker sei "niemals ordnungsgemäß zu dem Gerichtstermin geladen" worden. Außerdem sei schon länger bekannt, dass sich Becker nicht mehr auf den Diplomatenstatus berufe. Es habe um diesen Punkt einfach zu viel Ärger gegeben.

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