TV-Interview US-Geschäftsfrau fühlt sich von Boris Johnson gedemütigt

Das passt im Wahlkampf nicht ins Konzept. Eine Ex von Boris Johnson klagt einem britischen TV-Sender ihr Leid: Der Premier habe sie "beiseite geworfen", als Vorwürfe von Begünstigung Schlagzeilen machten.

US-Geschäftsfrau Jennifer Arcuri bei einer Präsentation (Archivfoto)|
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US-Geschäftsfrau Jennifer Arcuri bei einer Präsentation (Archivfoto)|


Wenige Wochen vor der britischen Parlamentswahl (12. Dezember) hat sich die US-Unternehmerin Jennifer Arcuri emotional über eine mutmaßliche Affäre mit Premierminister Boris Johnson geäußert. Der Politiker habe sie "mit gebrochenem Herzen" und "gedemütigt" zurückgelassen, sagte Arcuri dem britischen Fernsehsender ITV. Die US-Bürgerin steht im Zentrum eines mutmaßlichen Interessenkonflikts, der in die Zeit von Johnson als Bürgermeister von London zurückgeht.

Laut "Sunday Times" soll Johnson eine Affäre mit Arcuri gehabt haben. Arcuri sagte in dem ITV-Interview, das in Auszügen vorab veröffentlicht wurde, sie fühle sich von Johnson wie "ein flüchtiger One-Night-Stand" behandelt. Der Premier habe ihre Anfragen "nach Rat" abgelehnt, nachdem der Skandal um die mutmaßlichen Begünstigungen im September bekannt wurde.

Johnson wird vorgeworfen, das ehemalige Model in seinem Amt als Londoner Bürgermeister in unzulässiger Weise unterstützt zu haben:

  • Mindestens viermal besuchte er Veranstaltungen, die Arcuri mit ihrem frisch gegründeten Unternehmen für Cyber-Security organisiert hatte, indem er die Events als hochkarätiger Gast besuchte.
  • Gleich dreimal erhielt Arcuris Startup öffentliche Gelder vom Londoner Bürgermeisteramt: 10.000 Pfund, 1500 Pfund und 15.000 Pfund - insgesamt knapp 30.000 Euro.
  • Arcuri begleitete den Bürgermeister außerdem 2014 und 2015 auf Handelsreisen nach New York, Tel Aviv, Malaysia und Singapur. Britischen Medien zufolge habe sie erst nach der Intervention Johnsons an den Reisen teilnehmen dürfen; zuvor seien ihre Bewerbungen dafür abgelehnt worden. Johnson bestreitet die Vorwürfe.

Arcuri war jüngst zudem ins Visier geraten, weil sie im Januar 100.000 Pfund vom britischen Kulturministerium erhielt. Sie hatte auf ihrer Bewerbung fälschlicherweise angegeben, in Großbritannien zu leben. Tatsächlich wohnt sie inzwischen wieder in den USA.

Premier Boris Johnson beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf in Mansfield
Frank Augstein/AP

Premier Boris Johnson beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf in Mansfield

"Ich bin schrecklich untröstlich, weil du mich beiseite geworfen hast, als wäre ich ein kleines Monster", sagte Arcuri, die Johnson in dem Interview direkt ansprach. Johnson, der von 2008 bis 2016 Londoner Bürgermeister war, kämpft bei den Parlamentswahlen im kommenden Monat um seine Wiederwahl als Premierminister.

Der Ausgang der vorgezogenen Parlamentswahl am 12. Dezember ist ungewiss. In den Umfragen hatten Johnsons konservative Tories zuletzt einen großen Vorsprung vor der Labour-Partei von Jeremy Corbyn. Johnson hofft auf eine klare Mehrheit, um sein Brexit-Abkommen durch das Parlament zu bekommen.

oka/AFP/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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sven2016 17.11.2019
1. Die neuen Spitzenpolitiker, die Alles
anders machen als die bisherigen, erweisen sich zuverlässig als Gauner mit sozialen, mentalen und sexuellen Problemen. Zu blöd, dass sich das nicht immer an der Frisur erkennen lässt. Weshalb genau sind die sonst noch so beliebt?
j.w.pepper 17.11.2019
2. Das passt zwar zu Johnson...
...aber mein Mitleid mit Frau Arcun, die offenbar infolge ihrer Beziehung zu Boris erhebliche Steuergelder abgreifen konnte, hält sich in sehr eng gesteckten Grenzen.
romeov 17.11.2019
3. Und das ist eine Meldung wert?
..."schmutzige Wäsche" sollte uns egal sein, ob bei dem Nachbarn oder bei prominenten Politikern. Ich finde es widerlich damit in die Öffentlichkeit zu gehen.
brux 17.11.2019
4.
Zitat von j.w.pepper...aber mein Mitleid mit Frau Arcun, die offenbar infolge ihrer Beziehung zu Boris erhebliche Steuergelder abgreifen konnte, hält sich in sehr eng gesteckten Grenzen.
Das meiste Geld war noch nicht ausgezahlt. Aber Johnson ist wirklich dumm sich die Frau nun zur Feindin zu machen. Da kommt noch mehr.
Duschkopf 17.11.2019
5. Natürlich passt das.
"Das passt im Wahlkampf nicht ins Konzept." Natürlich passt das ins Wahlkampfkonzept, nur umgekehrt. Wir werden noch einige solcher Geschichten zu Johnson, dem "kleinen Trump" hören demnächst. Wobei die Leute immer weniger zuhören und unabhängig von solchen "Stories" und "Enthüllung", die da inzwischen Tag und Nacht einseitig durch die weltweit westlichen, linken sog. unabhängigen Medien geprügelt werden.
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