Britanniens Superstar Als der dicke Mann von nebenan gewann

Es ist die moderne Version des Aschenputtel-Märchens: Paul Potts, ein Handy-Verkäufer mit schlechtem Gebiss und überwältigender Stimme, trällerte sich zum Sieg in Britanniens Superstar-Show. Von dem Preisgeld will er seine Schulden begleichen - und zum Zahnarzt gehen.


London - Mehr als zwölf Millionen Briten sahen laut "Times" dem 36-jährigen Potts dabei zu, wie er mit einer Arie aus der Puccini Oper "Turandot" am Sonntag das Finale der Casting-Show "Britain's Got Talent" für sich entschied. Der Hobby-Tenor und Handy-Verkäufer gewann dem Bericht zufolge umgerechnet etwa 150.000 Euro und bekam die Chance, demnächst vor der Queen zu singen. Potts war sprachlos.

Auch jetzt, Tage später, könne er es noch immer nicht fassen, dass er gesiegt habe, sagte Potts, der aus Port Talbot im südlichen Wales stammt und immer von einer Karriere als Sänger geträumt hatte. Etwa 18.000 Euro bezahlte er der "Times" zufolge in den vergangenen Jahren für Gesangsstunden. Als der Erfolg ausblieb, habe er eines Tages frustriert aufgegeben. Der Traum war geplatzt - und die Schulden plötzlich riesengroß.

Potts habe als Regalpacker in einem Supermarkt sehr hart gearbeitet, doch er sei zu allem Überfluss auch noch krank geworden, schreibt die "Times": Eine Blinddarmentzündung musste Potts ebenso überstehen wie die Entfernung eines gutartigen Tumors. Ein Bruch des Schlüsselbeins folgte.

"Zwei Jahre lang krank zu sein, haut dich für sechs Jahre um, wenn du nur auf Pump leben kannst", sagte Potts dem Blatt. Er habe viel arbeiten müssen, "nur um den Kopf über Wasser halten zu können". Potts habe sich jedoch zurück ins Berufsleben gekämpft und zudem geheiratet - eine Frau, die er im Internet kennen gelernt habe, berichtet die "Times".

Bei seinem ersten Auftritt in der Casting-Show hatten Publikum und Juroren den korpulenten Kandidaten zunächst sehr kritisch beäugt. Als der anfangs unsicher wirkende Potts aber schließlich losträllerte, brachen die Zuschauer in Jubel aus und die Richter überschlugen sich in ihren Lobpreisungen. Sie sollten recht behalten.

Mit dem Preisgeld wolle er nun seine Schulden, umgerechnet etwa 45.000 Euro, abbezahlen, seine Zahn-Kronen erneuern lassen und seine Frau auf eine Safari einladen, sagte Potts der Zeitung und fügte noch das Standversprechen aller gecasteten "Superstars" hinzu: "Was immer ich auch tun werde, ich werde mich nicht verändern."

jdl



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