Coldplay-Frontmann Chris Martin im Kampf mit sich selbst

Chris Martin ist Sänger einer der erfolgreichsten Bands der Welt - aber offenbar nicht besonders selbstbewusst: In einem Interview sprach er nun über Selbstzweifel, Fehlentscheidungen - und Schwulenhass.

Gareth Cattermole/Getty Images

Erfolgreiche Musiker erwecken oft den Eindruck, extrem selbstbewusst zu sein. Dabei handelt es sich allerdings wohl bisweilen bloß um eine Fassade - oder um eine Folge von hart erarbeitetem Erfolg. So jedenfalls war es angeblich im Fall von Chris Martin.

Der Frontsänger von Coldplay gab nun in einem Interview mit dem "Rolling Stone" Einblicke in sein Seelenleben - auch zur Zeit seiner Jugend: Demnach war er in den Jahren, als Coldplay entstand, ein extrem verunsicherter Teenager. Religion und sexuelle Identität etwa seien damals sehr schwierige Themen für ihn gewesen.

Er habe sich schwer damit getan, sich an seinem "sehr altmodischen" Internat in die Gemeinschaft einzufügen, sagte Martins. Auch seine eigene Sexualität habe er infrage gestellt, was zu "fürchterlichem Chaos" geführt habe: Er habe damals darüber nachgedacht, dass er schwul sein könnte - zugleich sei er aber äußerst homophob gewesen.

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Coldplay-Sänger Martin: "Fürchterliches Chaos"

Seine Unsicherheit sei auch nicht verschwunden, als Coldplay mit dem Album "Parachutes" 2000 schlagartig eine der erfolgreichsten Bands der Welt wurde. Er habe sein mangelndes Selbstbewusstsein durch Ambitionen auszugleichen versucht, so Martin - mit der Folge, bisweilen künstlerische Fehleinschätzungen zu spät erkannt zu haben. Das Coldplay-Album "X&Y" etwa sei "nicht wirklich gut" gewesen.

Martin hatte neulich bekannt gegeben, dass Coldplay aus Gründen des Klimaschutzes trotz eines neuen Albums auf eine Tournee verzichte: "Wir wären enttäuscht, wenn sie nicht klimaneutral wäre", sagte Martin. Es gebe auch schon konkrete Ideen: "Zum Beispiel ist unser Traum, eine Show ohne Einwegplastik zu veranstalten und den Strom aus Solarenergie zu beziehen."

Mit dem neuen Album "Everyday Life" will Coldplay demnach die globale Perspektive der Band zum Ausdruck bringen. "Wenn man das Privileg hatte, um die Welt zu reisen, dann weiß man, dass wir alle dieselbe Heimat haben", sagte Martin. "Wir sind der Meinung, dass wir uns nicht anders fühlen als alle anderen Menschen auf der Erde."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde der Titel des Coldplay-Albums aus dem Jahr 2000 falsch angegeben. Wir haben den Tippfehler korrigiert.

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insgesamt 18 Beiträge
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jean_jaques 03.12.2019
1. Das erste Album von Coldplay hieß
PARACHUTES. Zudem war Coldplay keineswegs auf Anhieb eine der erfolgreichsten Bands der Welt.
Jean_Claude 03.12.2019
2. Parachutes
Der Beitrag wirkt schnell und oberflächlich verfasst. "homophob und unsicher" als ein selbstkritisches Zitat des Künstlers in die Headline gepackt.
cybernic 04.12.2019
3. Das Coldplay-Album "X&Y" war das Beste!
Danach kam nur noch massentauglicher Stadionrock - schade!
klogschieter 04.12.2019
4. Unerträglich
Die Musik auch, ja. Die grauenvollste Soße, die je über mich und Millionen Leidensgenossen rübergekippt wurde, wenn wir es mal wieder nicht verhindern können, mit Radio beschallt zu werden. Aber noch unerträglicher der salbadernde Tonfall, in dem dieser, äh, Sänger wichtige Dinge wie Pubertät und Klimaschutz vollumfänglich ein- und verschleimt.
m.s.schneider 04.12.2019
5. Nie verstanden. Nie.
Irgendwas stimmt nicht mit mir. Gleich beim ersten Lied von Coldplay, das ich jemals gehört habe und von dem bis heute nicht weiß, wie es heißt, habe ich gedacht: "Wow! Was für eine langweilige Scheiße!" und das ging so weiter: Es liefen immer mal wieder Lieder im Radio, bei denen ich sofort wieder dachte "Wow! Was für eine langweilige Scheiße!" und zack! es war Coldplay. Irgendwann hat es klick gemacht und es geht jetzt schon ganz gut andersherum: Inzwischen geht es schneller, ganz ohne denken, fühle ich, dass es Coldplay ist, einfach weil die Glieder schwer werden und ich zu nichts mehr Lust habe. Das ist wie mit Nickelback, man hört es und man hört, dass da jemand irgendwie verrucht klingen will, aber ne ganz brave Wurst ist und langweilig und in den ewig gleichen Harmonie unterwegs. Oder Ed Sheeran... genau, Ed Sheeran, Nickelback und Coldplay, das unheilige (noch so ein Kandidat) WDR2-Dreigespann. Naja, irgendwas stimmt halt nicht mit mir.
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