Vorfall beim Campen Christian Drosten stellt nach Anfeindungen auf Zeltplatz Anzeige

Beim Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte verunglimpften drei Dauercamper offenbar den Virologen Christian Drosten. Der Mediziner rief daraufhin die Polizei.
Virologe Drosten bei einer Pressekonferenz im Januar

Virologe Drosten bei einer Pressekonferenz im Januar

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der prominente Virologe Christian Drosten ist am vergangenen Samstag offenbar beim Campen auf einem Zeltplatz im südlichen Mecklenburg-Vorpommern beschimpft worden. Er habe gegen drei Dauercamper – zwei Frauen und einen Mann – Anzeige wegen Beleidigung und Verleumdung gestellt, bestätigte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Neubrandenburg.

Zuerst hatte das Onlineportal »Wir sind Müritzer « über den Vorfall berichtet. Demnach sei Drosten unter anderem als »Massenmörder« beschimpft worden, der »Kinder auf dem Gewissen« habe. Laut dem »Nordkurier« hätten sich die Dauercamper auch mit dem Eintreffen der Polizei nur schwer wieder beruhigen lassen.

Polizei prüft Zeugenaussagen

Die Polizei bestätigte die konkreten Äußerungen auf SPIEGEL-Anfrage mit Verweis auf laufende Ermittlungen zunächst nicht. Es würden Zeugenaussagen geprüft. Drosten selbst ist laut dem Portal inzwischen planmäßig von dem Campingplatz am Ellbogensee südlich der Müritz abgereist.

Drosten sieht sich seit Monaten mit Hass und Anfeindungen konfrontiert, nachdem er als Experte im Zuge der Coronapandemie deutschlandweite Bekanntheit erlangte. Kritikern von Impfungen und anderer Coronaschutzmaßnahmen gilt der Charité-Mediziner schon seit Längerem als Hassfigur.

Im Interview mit dem SPIEGEL  schilderte Drosten bereits im Mai 2020, dass Hassnachrichten für ihn inzwischen Alltag seien. Derartige Botschaften seien »zur Normalität geworden, oft handelt es sich um völlig irre Texte voller Rechtschreibfehler, manche Schreiberlinge sind einfach nur bemitleidenswert, andere hoch narzisstisch, maliziös und manipulativ«, so der Virologe damals.

Zuletzt hatte Drosten sich mit Äußerungen zunehmend zurückgehalten. Aus dem Sachverständigenausschuss, der die Wirkung der Coronamaßnahmen überprüfen und Reformvorschläge unterbreiten soll, war der Mediziner im April ausgestiegen.

fek/dpa
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