Christian Ulmen "Mein neuer Freund" reloaded

Kult-Comedian Christian Ulmen launcht auf seiner Website neue Sketch-Folgen mit seinen schrägsten Figuren: Der stinkende Knut Hansen, Muttersöhnchen Uwe Wöllner und der geleckt-geschniegelte Alexander von Eich sind zurück - abstoßender als je zuvor.

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Hamburg - Lange, fettige Strähnen kleben unter seinem ausgebeulten schwarzen Cowboyhut, umrahmen einen fusseligen Vollbart, ein aschfahles Gesicht: Knut Hansen, die sexistische, ungewaschene Kunstfigur, die Comedian Christian Ulmen vor drei Jahren für die TV-Serie "Mein neuer Freund" schuf, ist zurück.

Allerdings findet das Comeback des Kultformats nicht im Fernsehen statt, sondern dort, wo der 32-jährige Ulmen sein ergebenes Stammpublikum lokalisiert - im Netz.

Der Schauspieler schuf sich mit ulmen.tv eine eigene Web-Plattform, auf der ab heute jeden Werktag ein neuer Clip mit einer der Kreaturen aus der einstigen ProSieben-Serie "Mein neuer Freund" gelauncht wird. Das Format war 2005 bereits nach der ersten Folge abgesetzt und nur aufgrund entrüsteten Zuschauerprotests wieder ins Programm genommen worden - wenn auch nur mitten in der Nacht.

"Bei mir ist es so, dass manche Sachen, die ich im Fernsehen mache, quotenmäßig nicht so der Oberknaller sind, aber im Netz gefeiert werden - und das über Jahre hinweg", sagt Christian Ulmen SPIEGEL ONLINE. "Da dachte ich mir: Wenn das also im Fernsehen eh weniger gucken, warum dann der leidige Umweg und nicht sofort ins Netz?"

"Die Figuren sollten den Leuten auf den Sack gehen"

Wie das TV-Format entwickeln auch die Webclips sofort eine höchst amüsante wie schaurige Faszination: Verkleidet als Knut Hansen, als lebensfremdes Muttersöhnchen Uwe Wöllner oder als der geleckt-geschniegelte Alexander von Eich zwang Ulmen die Kandidaten der Show, ihrer ahnungslosen Verwandtschaft vorzugaukeln, er sei ihr neuer Freund oder Verlobter.

Das Konzept der neuen Folgen ist dasselbe wie bisher - stinknormale Mitmenschen werden durch die Konfrontation mit den Ulmen'schen Figuren dazu verführt, ihre eigene Unzulänglichkeit zu offenbaren.

Die Masche ist diesmal jedoch eine andere: Ulmen schlüpft in seine Rollen als Wöllner, Hansen oder von Eich, lässt sich dabei von einem Filmteam begleiten und macht den nichtsahnenden Sketch-Opfern weis, man drehe eine Reality-Soap. Als Prolet Wöllner bittet er eine PR-Beraterin, ihn doch bitte so aufzuhübschen, dass er endlich eine Freundin findet ("Wie Pamela Anderson") und sein größtes Problem zu lösen: "Bei Frauen muss ich immer zuerst auf die Brüste schauen." Als von Eich bietet er einer Hartz-IV-Empfänger-Familie an, ihr den Weg aus dem Prekariat-Sumpf zu weisen.

"Die Figuren waren für 'Mein neuer Freund' so konzipiert, dass sie den Leuten auf den Sack gehen. Jetzt müssen sie nicht mehr nur nerven, sondern können mehr sie selbst sein", sagt Ulmen.

Die Sketchopfer werden gnadenlos verladen, machen aber tapfer jeden Blödsinn mit - schließlich läuft ja eine Kamera!

Knut Hansen bereist mit Klampfe den Süden Deutschlands, eingezwängt in viel zu enge Lederhosen. Mit gelb gerauchten Fingern improvisiert der gewöhnungsbedürftige Alleinunterhalter Songs über Nutten, Sex und Bier und plaudert über seine uneinsichtige Ex-Frau, der er sich nicht mehr nähern darf. Am Stammtisch im holzgetäfelten Wirtshaus der 2600-Einwohner-Gemeinde Chamerau im Bayerischen Wald läuft er dann zu schmierig-schlüpfriger Höchstform auf - und findet Gleichgesinnte.

Tipp für Knut Hansen: Liebesdienste für 30 Euro pro Stunde

Ohne Arg plaudert der Bürgermeister über Tricks, wie man Ausländer auf Abstand hält und über den Vorzug der Prostituierten, die hinter der drei Kilometer entfernten tschechischen Grenze, ihre Liebesdienste anbieten. "Da laufen sie dir nach für 30 Euro die Stunde!" Ausgiebig schwärmt der Lokalpolitiker von einem Puff namens "Pyramida" - "da hast du 60 Frauen drin, mit Striptease und allem!" Und das Beste, findet der CSU-Politiker: "Das kostet nur zehn Prozent von dem, was es hier kostet!"

Es hagelt dreckige Lacher, gespickt mit obszönen Bemerkungen. Die Kamera ist immer live dabei. Unvorstellbar, dass die Gesprächspartner von Ulmens Figuren alle eine Einverständniserklärung unterschrieben haben.

"Jeder, mit dem wir gedreht haben, wusste, dass wir eine Dokumentation über Knut Hansen, Uwe Wöllner oder Alexander von Eich drehen. Und so ist es ja auch", sagt Ulmen. Jeder Gesprächspartner habe entweder ein Mikrofon am Revers gehabt oder sei explizit darauf hingewiesen worden, dass die Kamera laufe. Rechtliche Konsequenzen befürchtet er nicht.

Schon jetzt habe das Team mit 200 Stunden Rohmaterial Stoff für ein ganzes Jahr beisammen, sagt Ulmen. Wenn die Arbeit auch nicht problemlos war: "Wir haben die Drehorte und Personen so ausgewählt, dass wir kaum mit 14- bis 29-Jährigen in Kontakt kommen, weil die am ehesten 'Mein neuer Freund' kennen", erklärt Ulmen.

Das heißt: Drehverbot in der Disco. "Wobei genau das mein Traum wäre: Uwe in der Disco!", schwärmt der 32-Jährige.

Das Filmteam musste ebenso mitspielen wie Ulmen: Auch wenn die Kameras ausgeschaltet waren, gab es nur die fiktiven Figuren, keinen realen Ulmen. Trotzdem wären sie einmal fast aufgeflogen: "Wir hatten Google vergessen", sagt Ulmen. Der Hotelchef in Furth im Wald (Oder wie Knut Hansen sagt: "Furz in' Wald") enttarnte gegenüber dem Filmteam die Kunstfigur: "Der heißt nicht Hansen, sondern Ulmen."

Auch deshalb seien längst neue Kreaturen in der Mache, sagt Ulmen. Sie sollen 2009 zum Leben erweckt werden.



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