Debbie Harrys Drogenbeichte "Alles ging kaputt"

"Blondie"-Sängerin Debbie Harry hat das Rentenalter erreicht, aber weise ist sie deshalb noch lange nicht. Gewohnt lakonisch gab sie jetzt ein Interview - und plauderte über Drogenexzesse, "Eiscreme-Jahre" und die partielle Amnesie einer Frau mit Vergangenheit.

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Hamburg - Es sei nicht leicht gewesen, Debbie Harry zu interviewen, monierte Lynn Barber von der "Sunday Times", die die New-Wave-Ikone zum Gespräch gebeten hatte. Nicht etwa, weil sie zickig ist oder kapriziös. Nein, die 65-Jährige ist einfach nur bis an die Schmerzgrenze lakonisch.

Ein-Wort-Antworten seien die Regel, darüber hinausgehende Ausführungen eher selten, berichtet Barber. Beispiel: "Sie sollen intime Beziehungen zu Männern und Frauen gehabt haben. Welche haben überwogen?" Anwort: "Männer."

Geradezu hinreißend diese Verbalökonomie in Zeiten ornamentaler Geschwätzigkeit. Obwohl: Die sympathische Einsilbigkeit könnte auch einfach Folge eines sehr schlechten Gedächtnisses sein: Seit Jahren arbeite sie nun schon an einer Autobiografie, verrät Harry. "Aber ich habe nie Tagebücher geschrieben, deshalb sitze ich oft da und frage mich: 'Was ist denn damals wirklich geschehen?'" In Wahrheit sei einfach so viel passiert, dass sich niemand an alles erinnern könne.

Junkie für ein paar Jahre

Daran mag auch eine gewisse Vernebelung schuld sein, die dem gemeinen Rockstar schon mal die Wahrnehmung trügen kann. Die späten achtziger Jahre seien in dieser Hinsicht ein Tiefpunkt gewesen, erzählt Harry, sozusagen die "Eiscreme-Jahre", in denen sie sich gnadenlos gehen ließ. "Es war die totale Depression: Unsere Plattenfirma ließ uns fallen, unser Manager haute ab, dafür kam das Finanzamt. Alles ging kaputt, und ich selbst auch. Aber Eiscreme war großartig!"

Welche Drogen es ihr damals denn besonders angetan hätten, wollte die "Sunday Times" wissen: Oh, sie habe viele verschiedene Drogen genommen, so Harry. Ob sie ein Junkie gewesen sei? "Absolut. Bestimmt für ein paar Jahre", so die ungeschminkte Antwort. Erst der Aufenthalt in der Entzugsklink habe sie stoppen können.

Danach sei Rauschgift für sie kein Thema mehr gewesen - oder nicht so richtig. "Es gab einen kurzen Zeitraum, in dem ich ein bisschen Kokain genommen habe, aber ich war seitdem nicht mehr abhängig." Alkohol? Nein, nicht ihre Sache. "Wenn ich trinke, wird es immer ein sehr kurzer Abend - sehr kurz und sehr billig."

Bei allem Witz scheint Harry doch geläutert. Ob Sie Fehler gemacht habe auf dem langen Weg durch Erfolg, Misserfolg, Krankheit, Drogen und Entzug? "Tausende, Tausende und Tausende", so die Antwort. "In allem."

ala



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