Facebook-Seite Die Barthei Mario Barth for President

Eine Facebook-Initiative will das Rennen ums Schloss Bellevue wieder spannend machen - und schlägt Mario Barth als Kandidaten vor. Dahinter steckt eine Partei, die selbst nicht alles ernst nimmt.

Mario Barth 2012
DPA

Mario Barth 2012


Comedian Mario Barth füllt mit seinen Shows ganze Stadien. Und da Beliebtheit ja neuerdings ein Kriterium für Bundespräsidentschaftskandidaten ist, wird der 44-jährige Berliner nun ins Rennen geschickt: Die Spaß-Initiative "Unser Kandidat" will ihn ins Schloss Bellevue katapultieren. Barth stehe für Bildung, Aufklärung, Recherche, Tatendrang und Hoffnung, heißt es auf einer Facebookseite mit dem Titel Die Barthei. Tausende User haben sie bereits entdeckt, Talkmaster Jan Böhmermann teilte die Seite in den sozialen Medien mit dem Kommentar "Bravo!".

"Das ist schon durchaus ernst gemeint", zitiert der Bayerische Rundfunk den Gründer der Barthei, Matthias Seeba-Gomille. "Schauen Sie sich den Bürgerwillen doch an. Es herrscht ne ganz, ganz große Unzufriedenheit da draußen", sagte er demnach. "Und wenn Mario Barth etwas aufdeckt, dann schauen die Leute hin, dann glauben sie ihm das."

Auf der Facebookseite ist der Ortsverband Treptow-Köpenick von Martin Sonneborns Satirepartei Die Partei als Initiator ausgewiesen. Bei aller Komik, schreibt Seeba-Gomille, habe die Aktion einen wahren Kern: "Wir leben in einer Zeit, in der rund 2,1 Millionen Menschen einem Clown auf Facebook folgen, der seit 15 Jahren dämliche Witze über Frauen und Männer macht und sich in einem RTL-Format als investigativer Aufklärer darstellt."

In dem Beitrag setzt sich Seeba-Gomille unter anderem mit Barths Livestream auseinander, in dem der Comedian vor dem Wolkenkratzer von Donald Trump in New York steht. In dem Clip erzählt Barth, er habe in deutschen Zeitungen von Demonstrationen gegen Trump gelesen. Im Video, das auf Facebook mehr als 1,3 Millionen Mal aufgerufen wurde, ist davon nichts zu sehen. Ironisch sagt Barth: "Man hört's im Hintergrund. Es sind Millionen und Abermillionen hier auf die Fifth Avenue gekommen." Mit dieser Aussage stellte er in Abrede, dass es überhaupt Demonstranten gab .

"Das Problem ist also eigentlich nicht Mario Barth, denn eine gesunde und gebildete Gesellschaft sollte einen solchen schon irgendwie verkraften", heißt es in dem Beitrag von Matthias Seeba-Gomille. Doch in seine Landsleute setzt der Werber offenbar keine allzu großen Hoffnungen: "Inzwischen glaube ich, dass jede Gesellschaft über kurz oder lang genau das bekommt, was sie verdient."

apr



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