Die letzten Monate von Michael Jackson Allein in der Millionen-Villa

Seine Glanzzeit als Star lag lange zurück - doch eine Sensation waren Michael Jacksons Auftritte in der Öffentlichkeit bis zum Schluss. Begleitet von seinen Kindern, hastete er ruhelos durch die Welt. Am Ende zog er sich eine Luxusvilla in Los Angeles zurück - und träumte von einem Neuanfang.


Los Angeles - Er liebte den Luxus, den Pomp, den Kitsch. Marmor, Plüsch, Rüschen, Glitter und Gold - Michael Jackson umgab sich gern mit Dingen, die zu seinem Ehrentitel "King of Pop" passten.

Inbegriff seiner surrealen Lebenswelt war die "Neverland"-Ranch in Kalifornien, mit Affen und Elefanten, Karussell und Privatkino. Auch wenn Jackson als Star die Öffentlichkeit lange suchte, immer brauchte und für grelle Auftritte bekannt war - ein Refugium, besonders in schwierigen Zeiten, war für ihn lebenswichtig.

Erst Anfang des Jahres war Jackson zurück nach Kalifornien gezogen. Er hatte eine Luxusvilla im noblen Stadtteil Bel Air in Los Angeles gemietet. Jackson wolle da sein, "wo die Action ist", sagte sein Sprecher Tohme Tohme damals der "Los Angeles Times".

Der Umzug war ein Rückzug in Opulenz: Das Haus im Stil eines französischen Schlosses verfüge über sieben Schlafzimmer, 13 Bäder, zwölf Kamine und ein Privatkino - und koste etwa 100.000 Dollar Miete im Monat, umgerechnet rund 74.000 Euro, sagte Tohme, als berechtige allein diese Pracht Jacksons Anspruch auf den Pop-Thron. Das von einer Mauer umgebene Anwesen zählte im vergangenen Jahr zu den teuersten Häusern im Raum Los Angeles, die zum Verkauf standen.

2005 hatte Jackson Kalifornien und sein damaliges Heim, die Neverland-Ranch, verlassen: Nach einem aufsehenerregenden Prozess und einem Freispruch wegen Kindesmissbrauchs. Mit rund 300 Millionen US-Dollar Schulden floh er nach Bahrain im Persischen Golf.

Palast in Bahrain

Laut "New York Post" zog er dort in einen exorbitanten, mondänen Palast auf einem 50.000 Quadratmeter großen Grundstück. Sein direkter Nachbar, Kronprinz Scheich Salman bin Hamad Al Khalifa, soll dem "King of Pop" seinen neuen Wohnsitz im Inselstaat spendiert haben.

Neben vergoldeter Gastfreundschaft soll jedoch auch marketingstrategisches Kalkül im Spiel gewesen sein, hieß es damals: Jackson solle das Image des Wüstenlandes aufwerten und Investoren an Land ziehen. Sogar von einem Beratervertrag war die Rede.

Doch Jackson sorgte mit exzentrischen Auftritten für Aufsehen. Er kleidete sich in arabische Frauengewänder, seinen Kindern verhüllte er die Gesichter mit Handtüchern oder Pfauenmasken. Die Zeitung "Gulf News" befragte die Einwohner des Königreiches: 47 Prozent der Befragten wünschten sich demnach, dass der eigenwillige Popstar das Land möglichst prompt wieder verlasse.

Dann kam es zwischen Jackson und dem bahrainischen Prinzen zum Eklat: Der milliardenschwere Scheich verklagte den Popstar, weil dieser sich weigerte, bei der Plattenfirma des Prinzen "Two Seas Records" ein Album zu veröffentlichen und ein Musical zu schreiben. Das sei aber Voraussetzung für seine generöse Hilfe und mit Jackson abgesprochen gewesen, ließ der Prinz ärgerlich verlauten.

Im November 2008 erzielten die beiden eine außergerichtliche Einigung. Einzelheiten wurden aber nicht bekannt.Jackson pendelte damals laut Medienberichten eine Weile zwischen Dubai und Dublin, urlaubte ausgiebig und immer wieder in St. Tropez, bis er sich in einem unauffälligen Einfamilienhaus bei Las Vegas niederließ. Im vergangenen Juli schob ein Betreuer den damals 49-Jährigen in einem Rollstuhl durch das Spielerparadies, wie die "New York Daily News" berichtete. Jackson trug einen Gesichtsschutz, Pantoffeln und eine Schlafanzughose.

Seine 1000 Hektar große Neverland-Ranch in Santa Barbara County, die er Ende der achtziger Jahre gekauft hatte, übertrug Jackson im vergangenen November für 35 Millionen Dollar einer Investmentfirma. Der Bauunternehmer Tom Barrack übernahm eine Millionen-Hypothek und rettete die Neverland Ranch damit vor der Zwangsversteigerung.

Barrack sah noch Potenzial in dem Popstar. "Der Mann könnte 500 Millionen Dollar (356 Millionen Euro) im Jahr verdienen, wenn er sich zusammenreißen würde", sagte er dem "Wall Street Journal". Seine Vision: eine Welttournee, ein neues Album, Filme, ein Museum wie Elvis Presleys Graceland, vielleicht sogar ein "Thriller"-Kasino. Alles was Jackson nach Ansicht von Barrack brauchte: Er müsse "seine Finanzen in Ordnung bringen, eine neue Plattform und einen neuen Motor" für eine Rückkehr ins Showbusiness finden.

Investor Barrack unterstützte Jackson auch bei seinem Comeback. Auf seine Initiative hin soll die Anschutz Entertainment Group (AEG) Live, bei der schon Celine Dion, Prince und Britney Spears unter Vertrag waren, dem "King of Pop" sein Comeback ermöglicht haben.

Fitness-Training mit "Hulk"

Auf seine Rückkehr ins Showgeschäft bereitete sich Michael Jackson in den vergangenen Wochen intensiv vor. Der "Hulk"-Darsteller und ehemalige "Mr. Universe" Lou Ferrigno soll den Sänger in seiner Villa besucht und dort mit ihm trainiert haben - um ihm zur nötigen Fitness für seine Konzerte zu verhelfen. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren. "Er mag mich, er fühlt sich sicher mit mir. Es machte ihm Sorgen, dass ihn jemand bei seinem Training beobachten könnte", sagte Ferrigno im Juni dem britischen Boulevardblatt "Sun".

Doch es hielten sich Gerüchte, Jackson sei nicht fit genug für die Tour. "Er wiegt sogar weniger als während des Prozesses gegen ihn", zitierte die "Sun" eine Quelle aus Jacksons Umfeld. Dem Blatt zufolge wog der 1,78 Meter große Sänger, der nicht rauchte und keinen Alkohol trank, kurz vor seinem Tod lediglich 57 Kilo.

Jacksons Sprecher Thome sah sich genötigt, Berichte über ein angebliches Krebsleiden, über eine Lungenkrankheit und nachlassende Sehkraft auf einem Auge zu dementieren: Jackson gehe es gut. "Er erfreut sich bester Gesundheit", sagte Tohme der in New York erscheinenden Zeitung "Daily News" und fügte hinzu: "Er hat keinerlei Krankheiten."

Auktionen gestoppt

Verzweifelt schienen Jacksons Bemühungen, die Relikte einer großen Zeiten vor der Entweihung zu bewahren: Im April stoppte er in letzter Minute zum zweiten Mal die Versteigerung von persönlichen Erinnerungsstücken. Phantasie-Uniformen, Glitzer-Handschuhe, kuriose Möbelstücke - zahlreiche Michael-Jackson-Devotionalien sollten unter den Hammer kommen.

Wenn er das Haus verließ, griff er auf altbewährte Maskierungen zurück, wie eine Gesichtsmaske und einen aufgespannten schwarzen Regenschirm. In diesem Aufzug, berichtete unlängst die "Los Angeles Times", sei Jackson in einer Buchhandlung der Stadt gesehen worden.

Frank DiLeo, Jacksons Manager und langjähriger Freund, sagte der "Times", nach seinen letzten Konzertproben am Mittwochabend habe Jackson sehr zuversichtlich gewirkt: "Er sagte mir, wie glücklich er sei und dass die Dinge sich endlich so entwickelten, wie er es sich wünschte."

siu/jjc

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