Die Sache mit dem Ehevertrag Multimillionärin verteidigt Vermögen gegen Ex-Mann

Die deutsche Millionenerbin Katrin Radmacher hat ein wegweisendes Urteil im britischen Scheidungsrecht erstritten: Ihr Ehevertrag mit ihrem französischen Ex-Mann ist in England anerkannt worden. Der Geschiedene kommt nun nicht an ihr Vermögen - geht aber wahrlich nicht leer aus.

AFP

London - Das Urteil füllt die britischen Medien. "Immer den Notausgang im Blick haben, auch beim Gang zum Traualtar", überschrieb die "Daily Mail" ihren Artikel, in einem Kommentar des "Independent" war von "Romantik mit einer Prise Realismus die Rede". Auslöser: Die deutsche Millionenerbin Katrin Radmacher hat in ihrem Scheidungsprozess ein wegweisendes Urteil für die künftige Bewertung von vorehelichen Vereinbarungen in Großbritannien erstritten.

Der Oberste Gerichtshof in London entschied, dass der französische Ex-Mann der Deutschen, die als eine der reichsten Frauen Europas gilt, aufgrund eines Ehevertrags keinen Anspruch auf das Vermögen Radmachers hat.

Die Erbin eines Papierunternehmens verfügt über Besitztümer im geschätzten Wert von 110 Millionen Euro. Radmacher hatte Nicolas Granatino in London kennengelernt, wo sie eine Boutique betrieb und er als Investmentbanker arbeitete. Als die Hochzeitsglocken 1998 läuteten, einigten sich die beiden darauf, nach einer Trennung nichts vom Vermögen des anderen zu beanspruchen - und hielten dies in einem Ehevertrag fest.

Nach der Scheidung im Jahr 2007 verlangte der Franzose jedoch 6,8 Millionen Euro. Seine Begründung: Er habe weder den Inhalt des deutschen Dokuments verstanden, noch den wahren Reichtum seiner Frau gekannt.

Doch jetzt urteilten die Richter, einer vorehelichen Vereinbarung solle - auch in künftigen Fällen - "maßgebliches Gewicht" beigemessen werden. Gerichte hätten jedoch weiterhin die Möglichkeit, solche Verträge bei Scheidungen zu ignorieren - vor allem dann, wenn sie Ungerechtigkeiten gegenüber Kindern aus der Ehe enthalten. Bisher waren in Großbritannien - anders als in vielen anderen europäischen Ländern und den USA - Eheverträge nicht automatisch bindend. Bei britischen Anwälten liegen Zehntausende Scheidungsfälle, die nun anders als bisher angenommen ausgehen könnten.

Granatino, der inzwischen als Universitätsprofessor arbeitet, geht auch nicht komplett leer aus: Er kann Radmachers Anwalt zufolge ein 2,5 Millionen Pfund (rund 2,7 Millionen Euro) teures Anwesen in Deutschland für 15 Jahre mietfrei nutzen. Außerdem kann er bis zum 22. Lebensjahr der heute sieben und acht Jahre alten Kinder ein Ferienhaus in Südfrankreich nutzen, um dort mit ihnen Urlaub zu machen. Zudem wird ihm für die nächsten 15 Jahre ein Einkommen von jährlich 76.000 Pfund gezahlt sowie 70.000 Pfund jährlich für den Nachwuchs - obwohl er nicht das Hauptsorgerecht hat. Radmacher muss ihm außerdem ein Auto für 25.000 Pfund kaufen und seine Schulden übernehmen.

siu/dpa/AFP/AP



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