Verstorbene Fußballlegende Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Maradonas Ärzte und Pfleger

Diego Maradona starb 2020 an einem Herzinfarkt, doch noch immer sind die Umstände seines Todes nicht vollständig geklärt. Nun beantragen die Staatsanwälte einen Prozess gegen sein Pflegeteam wegen fahrlässiger Tötung.
Street Art am Plaza de Mayo in Buenos Aires

Street Art am Plaza de Mayo in Buenos Aires

Foto: Rodrigo Abd / AP

Fast eineinhalb Jahre nach dem Tod der argentinischen Fußball-Legende Diego Maradona hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen das medizinische Team des einstigen Weltklassespielers erhoben. Maradona sei von den Ärzten und Pflegern falsch behandelt und seinem Schicksal überlassen worden, hieß es in der am Mittwoch (Ortszeit) eingereichten Klageschrift. Den acht Angeklagten wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen Freiheitsstrafen von bis zu 25 Jahren.

Unter den Verdächtigen sind Maradonas Leibarzt Leopoldo Luque, seine Psychiaterin Agustina Cosachov sowie ein Psychologe, ein weiterer Arzt, die medizinische Koordinatorin der Krankenversicherung und drei Pfleger. Alle weisen die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft beantragte nun die Eröffnung einer mündlichen und öffentlichen Hauptverhandlung gegen die Angeklagten.

Unterlassungen und Misshandlungen durch acht für Maradona zuständige Mediziner hätten ihn in eine »Situation der Hilflosigkeit« gebracht, heißt es in der von der argentinischen Nachrichtenagentur Telam zitierten Gerichtsakte. Sie hätten ihn während eines »skandalösen« Krankenhausaufenthalts »seinem Schicksal« überlassen.

Maradona war am 25. November 2020 im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben (Lesen Sie hier einen Nachruf). Wenige Wochen zuvor hatte er sich einer Gehirnoperation unterzogen. Die Hauptverantwortlichen für die Gesundheit des Ex-Fußballers waren sein Hausarzt Luque und die Psychiaterin Cosachov.

»Unzureichend, mangelhaft und unvorsichtig«

Das gerichtliche Ringen um den Tod des einstigen Weltklassespielers dauert bereits seit Monaten an. Die Beschuldigten waren im vergangenen Jahr vor Gericht in San Isidro, einem Vorort von Buenos Aires, angehört worden. Sie wiesen die Vorwürfe zurück.

Zuvor hatte ein Gutachten von 20 Medizin-Experten ergeben, dass Maradona in seiner Residenz nahe der argentinischen Hauptstadt von seinem Ärzteteam »unzureichend, mangelhaft und unvorsichtig« behandelt worden sei, was zu einem langsamen Tod des Kapitäns der argentinischen Weltmeistermannschaft von 1986 in Mexiko geführt habe.

Maradona, auch »El Pibe de Oro« genannt (Der Goldjunge), führte ein extravagantes Leben, nahm wenig Rücksicht auf seinen Körper, litt unter starkem Übergewicht und Drogenabhängigkeit.

Er erlitt mindestens zwei Herzinfarkte, erkrankte an Hepatitis, wegen seines Übergewichts ließ er sich einen Magen-Bypass legen. Zudem war Maradona mehrfach wegen seiner Drogensucht (Kokain) in Behandlung.

bam/jso/sid/dpa