Jany Tempel im Fall Dieter Wedel "Was mir geschehen ist, scheint schon wieder egal zu sein"

Jany Tempel machte vor eineinhalb Jahren den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs gegen Dieter Wedel öffentlich. Nun meldet sie sich erneut zu Wort - und kritisiert den Umgang mit dem Fall.

Jany Tempel: "Zermürbende Anhörungen bei der Kripo"
imago/APress

Jany Tempel: "Zermürbende Anhörungen bei der Kripo"


Anfang 2018 erschien in der "Zeit" der Artikel "Im Zwielicht", in dem mehrere Frauen dem Regisseur Dieter Wedel sexuelle Übergriffe vorwerfen - die er kategorisch bestreitet. Eine der Frauen ist die ehemalige Schauspielerin Jany Tempel. Die 49-Jährige hat sich nun, knapp eineinhalb Jahre später, mit einem offenen Brief erneut an die Öffentlichkeit gewandt - und den Umgang mit ihrem Fall kritisiert.

"Mutig habe ich damals meine zutiefst private und schmerzhafte Geschichte erzählt", schreibt Tempel. Darauf seien "512 Tage voll lautstarker Unterstützung und noch lauterer Angriffe" gefolgt. Zahlreiche weitere Betroffene hätten sie damals kontaktiert, viele Menschen hätten sie eine Heldin genannt - als die sie sich nicht sehe. Es hätten ihr aber auch Menschen vorgeworfen, sich erst "hochzuschlafen und dann zu beklagen."

Sie habe zu diesen Reaktionen geschwiegen "während mir mein gesamtes Leben um die Ohren flog", schreibt Tempel. Die Staatsanwaltschaft begann im Fall Wedel zu ermitteln - anders als es offenbar erwartet worden war. Tempel schildert das als Belastung: "Mir wurde einerseits Schweigen auferlegt, andererseits musste ich zermürbende Anhörungen bei der Kripo über mich ergehen lassen."

Tempel zufolge hat das Interesse an ihr und anderen mutmaßlichen Opfern mächtiger Männer abgenommen. In diesem Zusammenhang kritisiert sie auch die deutschen Medien und ihren Umgang mit Wedel: "In den USA lese ich über Weinsteins Prozessbeginn im September. Was lese ich in Deutschland? Ich lese, dass Herr Wedel auf Mallorca frühstückt", heißt es in dem Brief.

Dieter Wedel
DPA

Dieter Wedel

Man habe ihr gesagt, dass der "Metoo-Trend" vorbei sei. "Was mir und den anderen geschehen ist, scheint schon wieder egal zu sein." Tempel zeigt sich in ihrem Brief auch selbstkritisch. Sie habe das, was sie erlebt habe, zu lange totgeschwiegen: "Ich muss mir meine eigene Feigheit vorwerfen." Sie müsse sich jedoch auch vergeben und ihre damalige Situation sehen: Sie habe mit 26 Jahren am Anfang ihrer Karriere gestanden und gerade ein Baby bekommen.

Es gehe ihr auch um zahlreiche andere Frauen, so die 49-Jährige. "Wie sollen wir Vertrauen gewinnen, einen Übergriff zu melden, wenn danach scheinbar nichts passiert?"

bbr



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