Dinnerdate Obamas! Essen! Auswärts!

Die Obamas sind Meister des Multitasking: Er muss als Weltenretter dienen, sie als Modeikone, beide als Mustereltern und Inbegriff des perfekten Ehepaars. Auch als Kitsch-Projektionsfläche geben sie was her - zum Beispiel, wenn beide händchenhaltend zum Romantik-Dinner ausgehen.


Washington - Wenn Barack und Michelle Obama gemeinsam in einem Restaurant in Washington zu Abend essen, dann sind ihre Chancen, dies unbeobachtet zu tun, so groß wie die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lottospieler hintereinander zwei Sechser tippt.

Als Mr. President seine Gattin jetzt in das schicke Nobellokal "Citronelle" im Washingtoner Stadtteil Georgetown ausführte, war das Paar flugs umlagert von Fotografen und Neugierigen. Von jeder Kleinigkeit ihrer Erscheinung wurde Notiz genommen.

Das Blog "Huffington Post" vermerkt detailfreudig, die Obamas hätten am Samstag genau um 17.53 Uhr das Weiße Haus verlassen und seien in einen der Wagen des präsidialen Trosses gestiegen. Um 18.01 Uhr sei das Paar vor dem "Citronelle" angekommen. Die Autokolonne des Präsidenten war für die Kneipenbummler auf der M Street, der Hauptstraße von Georgetown, die Attraktion schlechthin.

Die Obamas verbrachten fast zwei Stunden in dem französischen Restaurant, wo der Spitzenkoch Michel Richard ausgefallene Spezialitäten wie Weinbergschnecken-Ravioli und Perlen-Pasta anbietet, die in einer Tintenfischsoße wie Kaviar aussehen.

In dem Restaurant muss ein Tisch normalerweise wochenlang im Voraus gebucht werden, pro Person und Mahlzeit kann man leicht 200 Dollar loswerden. Dafür kann man den Köchen in ihrer gläsernen Küche bei der Arbeit zusehen.

Im "Citronelle" herrscht für gewöhnlich Jackettzwang. Obama habe zwar einen dunklen Anzug, allerdings keine Krawatte getragen. Die größere Überraschung war Michelle Obama in einem für sie ungewöhnlichen "Casual Look": Die First Lady trug eine weiße Hemdbluse, einen strengen Zopf und keine Spur von Make-up.

Hunderte von Schaulustigen wurden nach Angaben von Reportern vor dem "Citronelle" von einem gelben Polizeiabsperrband im Zaum gehalten.

Als die Obamas nach dem Dessert das Lokal verließen, wurden sie begeistert von der Menge gefeiert.

Gipfel der Romantik war der Umstand, dass das Paar nach der Rückkehr ins Weiße Haus händchenhaltend spazierenging - auf der Rasenfläche, auf der auch Helikopter landen, was zugegebenermaßen keine umwerfend romantische Information ist.

Die Obamas waren übrigens so rechtzeitig zu Hause, dass Basketballfan Obama die Niederlage seiner Chicago Bulls im siebten, entscheidenden Spiel der Playoffs gegen die Boston Celtics im Fernsehen verfolgen konnte.

Womit sich das Romantikpotential des Abends endgültig erschöpft haben dürfte.

pad/dpa



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