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Sofia Mechetner: Zu jung für den Laufsteg

Foto: Caroline Blumberg/ dpa

14-jähriges Model aus Israel Minderjähriges Aschenputtel

Die Israelin Sofia Mechetner ist 14 Jahre alt - und das neue Gesicht von Dior. Einmal mehr entbrennt die Diskussion um die Frage, ab wann junge Mädchen ins Model-Geschäft einsteigen sollten.

Es war eine Provokation, und was für eine. Bei der Dior-Show in Paris schickte Chefdesigner Raf Simons als erstes und damit wichtigstes Model eine vollkommen Unbekannte voran. Sofia Mechetner schritt in einem jungfräulich weißen, durchsichtigen Kleidchen über den Laufsteg. 14 Jahre ist sie alt, und damit in vielen Ländern per Gesetz zu jung zum Modeln.

Doch die Kritik verstummte in der Modewelt, je mehr über Mechetners hollywoodtauglichen Werdegang bekannt wurde. Die Schülerin kommt aus Holon, einem Städtchen südlich von Tel Aviv. Sie ist das Kind russischer Einwanderer. Nach der Trennung der Eltern hielt die Mutter die Familie mit Gelegenheitsjobs als Putzfrau und Näherin über Wasser.

Mechetner kümmerte sich tagsüber um ihre zwei jüngeren Geschwister, kochte Essen, machte die Betten und wusch Wäsche. In der Nacht teilte sie sich mit ihren Geschwistern ein Zimmer. Aus Platzmangel schlief Mechetner auf einer Matratze auf dem Boden. So haben es das junge Model und ihre Mutter dem Fernsehsender Channel 2 erzählt .

Ermuntert von Freunden und Familie meldete sich Mechetner demnach bei einer Modelagentur in Tel Aviv an. Bei den großen Agenturen in Paris wurde sie aufgrund ihres Alters abgelehnt. Doch ein Zufall brachte den entscheidenden Karriereschub. In einer Dior-Boutique traf sie auf Raf Simons. Wenige Stunden später bekam sie einen Anruf von der Agentur, die sie zuvor abgelehnt hatte. Man wolle nun doch zusammenarbeiten, Simons wolle sie buchen.

Durchsichtige Tunika

Seit ihrem Coup bei Dior feiert die israelische Presse die 14-Jährige. "Israels aufstrebendes Supermodel", titelte die "Jerusalem Post" nach Mechetners Auftritt in Paris. In Israel gibt es nur wenige Bürger internationaler Prominenz. Eine ist das Supermodel Bar Refaeli.

In die vielen Berichte über Mechetners Erfolg mischt sich auch Empörung. Mechetner sei viel zu jung, um Haute Couture zu tragen, sagen Kritiker. Viele stören sich an dem Kleid, das sie bei der Dior-Schau trug: Die Tunika war zwar hochgeschlossen, aber durchsichtig.

In anderen Ländern hatte es bereits ähnliche Fälle gegeben. So wurde vor einigen Jahren ein 14-jähriges Model aus Polen von der Modewoche in Australien ausgeladen, nachdem es einen Aufschrei der Empörung und Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs gegeben hatte. Die Organisatoren in Sydney legten das Mindestalter daraufhin auf 16 fest. Wenig später zog die Londoner Fashion Week mit einer ähnlichen Regelung nach.

Roberto Ben Schoschan, Gründer der israelischen Modelagentur, die Mechetner vertritt, musste sich nach dem Auftritt im israelischen Fernsehen rechtfertigen. Mechetner werde gut betreut, sagte Ben Schoschan, bei Auslandsreisen begleite sie eine Mitarbeiterin. "Glauben Sie nicht, dass es für eine 14-Jährige zu viel sein könnte?", fragte die Moderatorin. Dass der Druck, die fremden Blicke ihr schaden könnten? "Vielleicht", erwiderte Ben Schoschan. "Vielleicht aber auch nicht."

"Bei Nacktheit in der Mode geht es um Kunst"

Mechetner selbst hat offenbar kein Problem mit der Arbeit als Model - oder mit dem durchsichtigen Kleid. "Nur Israel kann so eine große Sache daraus machen", sagte  sie der "Jerusalem Post". "Bei Nacktheit in der Mode geht es um Kunst, nicht um Sexualität."

Allerdings stehen Modefirmen wie Prada und Marc Jacobs wegen der Sexualisierung von Kindern immer wieder international in der Kritik. In Großbritannien beispielsweise wurden aus dem Grund bereits diverse Werbekampagnen von der nationalen Aufsichtsbehörde verboten.

Für Dior ist die Provokation also einmal wieder aufgegangen. Nach dem Coup schloss das Label einen Exklusiv-Vertrag mit Mechetner ab. 240.000 Euro soll sie dafür bekommen haben, dass sie bis 2016 ausschließlich für Dior modelt. Sie sei überglücklich, sagte  Mechetner der Seite "Style.com". Sie wolle zwar ihre Schulausbildung beenden. Aber: "Ich habe mich ins Modeln verliebt, ich will weitermachen und eine große Karriere starten."

Ihr erstes großes Geld will die 14-Jährige übrigens teilen: Für ihre Familie will sie eine größere Wohnung kaufen.

gam/dpa
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