Disziplinarverfahren Kirche geht gegen TV-Pfarrer Fliege vor

Jürgen Fliege droht Ärger: Die Evangelische Kirche im Rheinland hat gegen den ehemaligen TV-Talker und Pfarrer im Ruhestand ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Es geht um den Verstoß gegen Amtspflichten. Fliege reagiert mit Unverständnis.

TV-Pfarrer Jürgen Fliege: Gott und Kirche "erst mal scheißegal"
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TV-Pfarrer Jürgen Fliege: Gott und Kirche "erst mal scheißegal"


Düsseldorf - Die Evangelische Kirche im Rheinland hat ein Disziplinarverfahren gegen den einstigen Fernseh-Pfarrer Jürgen Fliege eingeleitet. Dabei geht es nach Angaben des Düsseldorfer Landeskirchenamts um den Verdacht, dass der Pfarrer im Ruhestand gegen seine Amtspflichten verstoßen haben könnte. Zu Einzelheiten über mögliche Verstöße Flieges äußerte sich das Landeskirchenamt nicht, weil es sich um eine Personalangelegenheit handele, so ein Sprecher der Kirche zu SPIEGEL ONLINE.

In einer Mitteilung zitiert das Landeskirchenamt aus dem Pfarrdienstgesetz, wo es heißt: "Pfarrerinnen und Pfarrer sind in ihrer Lebensführung, in ihrem dienstlichen wie ihrem außerdienstlichen Verhalten, ihrem Auftrag verpflichtet. Sie haben zu berücksichtigen, dass dieser Auftrag sie an die ganze Gemeinde weist und dass sie in besonderer Weise als Zeuginnen und Zeugen JesuChristi und als Vertreterinnen und Vertreter der Kirche angesehen werden." Diese Amtspflichten würden für Pfarrer unabhängig davon gelten, ob sie im aktiven Dienst oder bereits im Ruhestand sind, so das Kirchenamt.

Fliege reagierte am Freitag mit einer Stellungnahme: Er bedauere die Einleitung des Verfahrens, "es hält von wichtiger Arbeit ab". Die Kirche habe vorher nicht mit ihm gesprochen. "Aber so kenne ich sie und seufze in alter Treue zu ihr und suchte das Gespräch."

Wie die "Rheinische Post" am Freitag berichtete, soll Fliege bereits früher in Konflikt mit der rheinischen Kirche geraten sein. Jüngst hatte der 64-Jährige demnach Unmut ausgelöst, indem er eine angeblich von ihm spirituell aufgeladene "Fliege-Essenz" bewarb und vertrieb. In die Flüssigkeit hatte er dem Bericht zufolge nach eigenen Angaben durch Gebete "Trost und Kraft" gesendet. "Segen verkauft man nicht", zitierte die Zeitung dazu aus Kreisen der Landeskirche.

Fliege nennt Journalisten einen "bezahlten Spötter"

Mitte August hatte die Hamburger Sektenexpertin Ursula Caberta Flieges Produkte kritisiert. "Er scheint seine Prominenz zu nutzen, um Esoterik-Scharlatane hoffähig zu machen", so Caberta damals zum "Hamburger Abendblatt". Sie war langjährige Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde.

"Ich verkaufte segensreiche Wirkung mit Büchern, Zeitschriften, CDs und mit Bibelworten auf guten Lebensmitteln (Essenz) und empfahl beim Konsum zudem tägliches Beten", schreibt Fliege nun in seiner Mitteilung. Das sei überall in der Welt gang und gäbe, für eine deutsche Kirche aber eher ungewohnt. "Denn unsere Kirchen sind, wie selbst der Papst erkannte, im Kirchensteuerparadies verfettet."

Die "Welt am Sonntag" hatte in einem Artikel Mitte September Fliege aus einem Gespräch mit einem Brautpaar zitiert: Gott und Kirche seien "erst mal scheißegal", soll Fliege gesagt haben. Es komme auf die Seele an. Laut "RP" hält die Landeskirche den Satz für geeignet, evangelische Amtshandlungen und Glaubensinhalte zu diffamieren. Fliege erklärte nun, er habe den Journalisten damals um Verschwiegenheit gebeten und nannte ihn einen "bezahlten Spötter", der sein Vertrauen missbraucht habe.

Dass er an die Kraft von Segen und Gebet glaube und öffentlich bezeuge, sollte bei Amtsträgern der Kirche eher erwartet denn kritisiert werden, schreibt Fliege in seiner Mitteilung vom Freitag und endet mit den Worten: "Wo also ist das Problem?"

Laut dem Disziplinargesetz der evangelischen Kirche kann ein Verfahren eingeleitet werden, wenn "eine Amtskraft ihre Amtspflicht vorsätzlich oder fahrlässig verletzt". Ein Verfahren kann auch eingeleitet werden, wenn es sich um eine Pflichtverletzung aus einem früheren kirchlichen Dienstverhältnis handelt. Sollte eine Verletzung festgestellt werden, drohen unter anderem eine Geldbuße oder die Kürzung der Bezüge.

bim/AFP/dpad/dpa



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