Dresscode im Tennis Venus Williams, Spitzen-Spielerin

Die Tennissaison ist auf ihrem Höhepunkt, in diesen Wochen laufen die wichtigsten Turniere des Jahres. Von sich reden macht vor allem Spielerin Venus Williams - wegen ihrer Kleiderwahl. Wann ist zu wenig Textil zu viel?

AFP

New York - Bethanie Mattek-Sands ist eine amerikanische Profi-Tennisspielerin und gehört sicher nicht zur ersten Garde ihres Sports - die höchste Weltranglistenplatzierung, die bislang von der 25-Jährigen erreicht wurde, war die Nummer 37. Aktuell belegt sie Position 130.

Doch Matteck-Sands hat ihre Nische im Tenniszirkus gefunden - sie spielt durchschnittlich, kleidet sich jedoch extrem auffällig. Mal tritt sie im güldenen Glitzerdress an, mal trägt sie eine Schirmmütze, sie hat auch schon im Stetson oder im Strohhütchen aufgeschlagen.

Ihr Kleidungsstil, sagte Mattek-Sands der "New York Times", verleihe ihren Matches etwas "Unverwechselbares". Sie sei es leid gewesen, dass man auf der Tour immer dasselbe geboten bekommen habe: "Zwei Mädchen, blond, exakt identisch gekleidet von Kopf bis Fuß. Wenn ich den Unterschied nicht erkenne, erkennt ihn ein Fan auch nicht."

Venus Williams auf dem Platz zu identifizieren ist dagegen keine schwere Aufgabe. Auch die Ausnahme-Athletin, die bislang 14 Grand-Slam-Titel gewann, ist schräger Tennismode alles andere als abhold.

Das Internet bebte, als Williams bei den Australian Open im Januar zum ersten Mal eine hautfarbene Hose zu einem quietschegelben Dress trug und der Eindruck erweckt wurde, sie sei nackt unter ihrem Kleid.

Bei den French Open, die kürzlich in Paris ausgetragen wurden, wiederholte Williams den Auftritt, diesmal trug sie zur braunen Hose Röcke mit schwarzer Spitze.

"Mir geht es um die Illusion", erklärte Williams anschließend. "Wo liegt der Sinn darin, Spitze zu tragen, wenn man dazu einfach eine schwarze Hose wählt? Die Illusion von nackter Haut finde ich viel schöner."

Vereinzelt wurde Williams für ihren Mut gepriesen, weil sie mit ihrem provokanten Kleidungsstil weiße Stereotype über schwarze Frauen herausfordere. Mit dieser Lesart sei man jedoch auf dem Holzweg, meint der schwarze Autor Stanley Crouch im Blog "Daily Beast". Der stoffarme Tennisdress habe weniger mit Fragen der Ethnie zu tun sondern belege eher, dass Williams dem Irrtum erliege, "wenn man seine Kleider fallen lässt ist man das, was Weiße und alle anderen als "hot" bezeichnen."

Die Spielerin Mattek-Sands behauptet laut "New York Times", sie habe für ihren Auftritt im Cowboyhut bei den US Open 2005 10.000 Dollar Strafe zahlen müssen. Ein Sprecher des amerikanischen Tennis-Verbandes beziffert die Summe dagegen auf 1000 Dollar.

Venus Williams' Kleiderwahl findet jedenfalls Mattek-Sands' vollen Beifall. Das verschaffe dem Tennis immerhin Aufmerksamkeit.

pad



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