Dschungel-Deserteurin Siegel "Ich habe Ingrid zweimal den Bauch massiert"

Drama-Queen Giulia Siegel war unbestritten der Star des diesjährigen RTL-Dschungelcamps. Nach ihrem freiwilligen schmerzbedingten Ausscheiden gewährte die 34-Jährige SPIEGEL ONLINE ein Interview.


SPIEGEL ONLINE: Frau Siegel, wir würden Sie gerne fragen, wie Sie sich fühlen, aber leider sind uns nur drei Fragen erlaubt, deshalb ..

Giulia Siegel: Die Frage, wie ich mich fühle, die schenk' ich Ihnen.

SPIEGEL ONLINE: Nach 13 Tagen im Dschungelcamp …

Siegel: 14!

SPIEGEL ONLINE: ... kann kein Zweifel daran bestehen, wie schlecht Ihre Verfassung zuletzt war. Der Zuschauer hat Sie heulend und am Boden kauernd erlebt ...

Siegel: ... in der letzten Sendung? Ich habe diese Sendung noch nicht gesehen!

SPIEGEL ONLINE: Nicht nur in der letzten Sendung, mindestens in den letzten beiden Sendungen hat man das immer wieder gesehen.

Siegel: Ich hab' nur in der letzten Sendung gezeigt, welche Schmerzen ich hatte. Davor habe ich das immer verheimlicht.

SPIEGEL ONLINE: Der Zuschauer jedenfalls hat mindestens zwei Folgen mit einer ganz verzweifelten Giulia Siegel gesehen. Zudem wurde im Camp diskutiert, ob Ihr Vater Ihnen als Kind genügend Liebe hat zuteilwerden lassen. Dazu kam hier draußen das Medientheater: Die "Bild"-Zeitung hat zum Beispiel Ihre Brust-OP erörtert. War Ihnen vor Beginn der Sendung klar, dass das Unternehmen Dschungel ein solcher Seelenstriptease würde?

Siegel: Also, ich habe im Camp keinen Seelenstriptease gemacht, ich habe keinen privaten Satz gesagt. Die Stunden im Camp sind sehr harmonisch gewesen. Ich hab Ingrid (van Bergen, Anm. d. Red.) zwei Mal den Bauch massiert. Ich finde es schade, dass der Zuschauer nur diverse kleine Ausschnitte kennt und die Wahrheit eben nicht.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, Sie sind sich noch gar nicht darüber im Klaren, wie RTL Sie in der Dschungel-Show präsentiert hat?

Siegel: Nein, bin ich definitiv nicht. Aber ich schaue mir das jetzt alles an!

SPIEGEL ONLINE: Es scheint eine große Diskrepanz zu geben zwischen der Art, wie Sie die Dinge wahrgenommen haben, und dem, was RTL gezeigt hat.

Siegel: Ich würde es nicht eigene Wahrnehmung, sondern objektive Erzählung nennen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es jemanden von Ihren Mitstreitern, der Sie beeindruckt hat?

Siegel: Jeder hat seine Kleinigkeiten gehabt, die mich beeindruckt hat: Bei Ingrid war's, was sie aus ihrem Leben erzählt hat. Bei Günther war's die Präsenz, die er liegend hatte. Peter Bond ist der klassische alte Macho-Mann, Michael ist wohlerzogen, Nico ist volksnah. Mausi hat eine wunderschöne Naivität, wie ein Küken, das gerade geschlüpft ist. Gundis ist die Taffe, die auch ein bisschen geschauspielert hat. Lorielle ist eine Mischung aus "bunter Vogel" und Nachdenklichkeit.

SPIEGEL ONLINE: Der Ausflug in den Dschungel hat Ihnen eine enorme Medienpräsenz beschert. Andererseits haben Sie ja sehr gelitten, zumindest wenn man die Bilder, die man zu sehen bekam, so deuten kann ...

SIEGEL: Ich habe die ganze Zeit kein Mitleid haben wollen, ich habe meine Schmerzen nicht gezeigt, ich habe die Schmerztabletten heimlich genommen, habe aber die 14 Tage ohne irgendwelche Beschwerden verbracht. Ich habe mehr unter der Oberflächlichkeit und den Lügen gelitten ...

SPIEGEL ONLINE: ... die Frage ist ganz einfach: War es das wert?

SIEGEL: Ja. Ich habe Grenzen überschritten und angefangen, an meinen Ängsten zu arbeiten, und werde das weiterhin - mit der Spinnenphobie und der Klaustrophobie - therapeutisch angehen.

Die Fragen stellte Patricia Dreyer



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