Dylans Heroinbeichte "Ich war sehr, sehr abhängig"

Er war an Bord eines Privatflugzeugs - und sprach offen über seine größten Probleme: Nach mehr als 40 Jahren ist ein Interview aufgetaucht, in dem Bob Dylan seine Heroinabhängigkeit beichtet. Die Sucht war nicht das einzige düstere Geheimnis.

REUTERS

London - Er ist eine Musiklegende, am Dienstag wird er 70 Jahre alt - und noch immer ist Bob Dylan für Überraschungen gut. Laut BBC ist nun ein Interview aus den sechziger Jahren aufgetaucht, das Einblicke in das Seelenleben des damals aufstrebenden Stars ermöglicht.

Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1966. Dylan war auf Tour in den USA. In einem Privatflugzeug flog er nach einem Konzert von Lincoln im Bundesstaat Nebraska nach Denver. Mit an Bord: Dylans Freund Robert Shelton. Dieser zeichnete ein Zwei-Stunden-Interview auf.

Darin gibt Dylan zu, in den frühen sechziger Jahren heroinabhängig gewesen zu sein. Er habe in New York die Heroinsucht überwunden. "Ich war für eine Weile sehr, sehr abhängig." Er habe, so Dylan laut BBC, etwa 25 Dollar pro Tag für die Droge ausgegeben.

Laut BBC hatte es schon früher Gerüchte gegeben, Dylan habe mit Heroin zu tun gehabt. Aber der Musiker habe die Spekulationen bisher niemals bestätigt. "Es ist außergewöhnlich, dass er darüber so offen spricht", zitiert der Sender Mick Brown, einen Publizisten, der Dylan interviewt hat.

Auch mit seinem Ruhm kam Dylan offenbar zunächst nicht klar. Aus den Aufnahmen geht hervor, dass er an Selbstmord dachte, nachdem Leute begonnen hatten, ihn als Genie zu bezeichnen.

"Der Tod bedeutet mir nichts, solange ich schnell sterben kann", sagte er damals laut BBC. Er habe oft gewusst, dass er schnell hätte sterben können und er hätte es schnell tun können. "Ich würde mir in den Kopf schießen, wenn sich die Dinge schlecht entwickeln würden." Er könne offen über den Tod nachdenken.

"Ich gebe zu, diese Selbstmordsache gehabt zu haben…aber ich bin dieses Mal durchgekommen", so Dylan. Laut Shelton war Dylan während des Interviews ruhelos.

Über seine Arbeit äußerte er sich damals überraschend geringschätzig. "Ich nehme sie weniger wichtig als irgendjemand sonst", sagt Dylan. "Ich weiß, dass sie mir kein bisschen dabei helfen wird, in den Himmel zu kommen." Arbeit werde sein Leben nicht verlängern und ihn nicht glücklich machen. "Du kannst nicht glücklich sein, indem du etwas Grooviges machst."

Ob es Zufall ist, dass die Aufnahmen so kurz vor seinem 70. Geburtstag aufgetaucht sind? Ein wenig darf man das bezweifeln - zumal Dylan bekannt dafür ist, dass seine Interviews nicht immer ganz für bare Münze genommen werden können.

ulz

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