Berlin - Es könnte so einfach sein: Eine junge Frau gewinnt nach einer halben Ewigkeit für Deutschland einen Song-Wettbewerb. Das ist nicht staatstragend, aber schön ist es trotzdem. Man könnte sich also zurücklehnen, "Satellite" summen und sich über all die Zwölf-Punkte-Wertungen freuen, die "Lovely Lena" am Samstagabend von den Juroren aus Europa bekam.
Wäre da nicht die Nostalgie. Und die Schwermut angesichts der Leichtigkeit, mit der den Eurovision Song Contest für sich einnahm. Besonders spürbar scheint dieses Gefühl für Komponist zu sein. Der Schlagerkönig schickte seine Künstler und Lieder in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zum Grand Prix und bescherte Deutschland am 24. April 1982 den ersten Sieg im Wettbewerb.
Nun allerdings, 28 Jahre später, erweist er sich als schlechter Verlierer - und als recht kleinkariert. Der Komponist freut sich wenig über die 19-Jährige im kleinen Schwarzen, sondern trauert stattdessen der Frau mit weißem Kragen und mit weißer Gitarre hinterher, die "Ein bisschen Frieden" sang.
Siegel besteht darauf, er sei noch immer der einzige Deutsche, der einen Grand-Prix-Sieg errang. "Es handelt sich schließlich um einen Komponisten- und Texter-Wettbewerb", sagte er der "Berliner Zeitung". Und Lenas "Satellite" sei ein dänisch-amerikanischer Song.
Siegel, der 1982 für Nicole den Song "Ein bisschen Frieden" schrieb, gönne Lena den Titel aber "von ganzem Herzen". In dem Interview nennt er sie "ein herzerfrischendes Wesen mit Charme und Witz", schränkt aber ein: "Man sieht, dass man heute selbst mit einem kleinen markanten, süßen Stimmchen die Welt erobern kann."
Siegel kritisierte den veränderten heutigen Charakter des Eurovison Song Contest (ESC). "Die Sieger werden bereits vor der Veranstaltung im Internet gekürt und somit sind die Auftritte am Abend nicht mehr das Ausschlaggebende. Das ist eine gravierende Verzerrung des ESC."
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Wenig Begeisterung: Der Komponist Ralph Siegel beansprucht in einem Interview, der einzige Deutsche zu sein, der je den Song-Wettbewerb gewonnen habe.
Am 24. April 1982 sang Nicole "Ein bisschen Frieden" - und gewann mit der Komposition von Ralph Siegel den Grand Prix für Deutschland.
"Es handelt sich schließlich um einen Komponisten- und Texter-Wettbewerb", sagte Siegel der "Berliner Zeitung" über den Eurovision Song Contest. Und Lenas Song "Satellite" sei ein dänisch-amerikanischer Song.
Mit einer Sondermaschine traf Lena Meyer-Landrut am Sonntag auf dem Flughafen von Hannover ein: 40.000 Menschen feierten den Sieg der 19-Jährigen in ihrer Heimatstadt.
Stolzer Mentor: Stefan Raab hatte Lena in seiner Sendung "Unser Star für Oslo" gekürt, inzwischen ist er ihr Produzent.
Freude auf dem Flughafen in Hannover: "Lena hat gewonnen, Deutschland hat gewonnen, Europa hat gewonnen", sagte er im Interview.
Nach dem Sieg auf der Bühne in Oslo: "Lovely Lena" nannten die Juroren die Sängerin.
"Ich bin ja kein Poser. Zu posen finde ich total doof", sagte Lena Meyer-Landrut vor ihrem Auftritt in Oslo.
Immerzu Blumen: Der deutsche Gesandte in Norwegen, Detlev Rünger, überreicht Lena Meyer-Landrut vor dem Finale ein kleines Bouquet. Die Rolle als Botschafterin für Deutschland mache sie glücklich, sagt die Sängerin.
Dem Finale gingen viele Auftritte voraus: Lena Meyer-Landrut sang unter anderem an Bord eines norwegischen Passagierschiffs "Satellite": "Es ist auf jeden Fall guter Stress", sagte sie.
Die Sängerin gibt Interviews in Oslo: "Ich habe kein Gefühl und ich mach mir kein Gefühl, nützt ja doch nichts."
Der Empfang für Lena wurde von der deutschen Botschaft auf das Schiff verlegt, damit die Menge an Medienvertretern Platz fand. Vor dem Finale gab sich Lena bescheiden: "Diese Favoritenrolle ist reine Spekulation, sie hat nichts Handfestes."
Lena und Didrik Solli-Tangen, ESC-Kandidat für Norwegen, posieren gemeinsam für die Presse.
Lena Meyer-Landrut beim Finale von "Unser Star für Oslo": "Mir kommt es vor, als wäre die Show schon drei Jahre her", sagte sie vor dem Finale.
Finalgewinnerin Lena Meyer-Landrut im März 2010: "In den letzten Monaten ist so unglaublich viel passiert."
Lena Meyer-Landrut mit ihrem Mentor Stefan Raab: "Ich mache das, was mir gefällt, nicht das, was mir an anderen gefällt."
"Es handelt sich schließlich um einen Komponisten- und Texter-Wettbewerb", sagte Siegel der "Berliner Zeitung" über den Eurovision Song Contest. Und Lenas Song "Satellite" sei ein dänisch-amerikanischer Song.
Foto: epa Pa/ picture-alliance/ dpa