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Sieg in Oslo: Lena und die Neider

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Ein bisschen Schmollen Ralph Siegel sieht sich als einzigen deutschen Grand-Prix-Gewinner

Deutschland ist im Song-Contest-Fieber und feiert Lena Meyer-Landrut. Einer aber freut sich sehr verhalten über den Sieg der 19-Jährigen in Oslo: Ralph Siegel. Der Komponist besteht darauf, als einziger Deutscher den Wettbewerb gewonnen zu haben. Das ist mindestens ein bisschen merkwürdig.

Berlin - Es könnte so einfach sein: Eine junge Frau gewinnt nach einer halben Ewigkeit für Deutschland einen Song-Wettbewerb. Das ist nicht staatstragend, aber schön ist es trotzdem. Man könnte sich also zurücklehnen, "Satellite" summen und sich über all die Zwölf-Punkte-Wertungen freuen, die "Lovely Lena" am Samstagabend von den Juroren aus Europa bekam.

Lena Meyer-Landrut

Ralph Siegel

Wäre da nicht die Nostalgie. Und die Schwermut angesichts der Leichtigkeit, mit der den Eurovision Song Contest für sich einnahm. Besonders spürbar scheint dieses Gefühl für Komponist zu sein. Der Schlagerkönig schickte seine Künstler und Lieder in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zum Grand Prix und bescherte Deutschland am 24. April 1982 den ersten Sieg im Wettbewerb.

Nun allerdings, 28 Jahre später, erweist er sich als schlechter Verlierer - und als recht kleinkariert. Der Komponist freut sich wenig über die 19-Jährige im kleinen Schwarzen, sondern trauert stattdessen der Frau mit weißem Kragen und mit weißer Gitarre hinterher, die "Ein bisschen Frieden" sang.

Siegel besteht darauf, er sei noch immer der einzige Deutsche, der einen Grand-Prix-Sieg errang. "Es handelt sich schließlich um einen Komponisten- und Texter-Wettbewerb", sagte er der "Berliner Zeitung". Und Lenas "Satellite" sei ein dänisch-amerikanischer Song.

Siegel, der 1982 für Nicole den Song "Ein bisschen Frieden" schrieb, gönne Lena den Titel aber "von ganzem Herzen". In dem Interview nennt er sie "ein herzerfrischendes Wesen mit Charme und Witz", schränkt aber ein: "Man sieht, dass man heute selbst mit einem kleinen markanten, süßen Stimmchen die Welt erobern kann."

Siegel kritisierte den veränderten heutigen Charakter des Eurovison Song Contest (ESC). "Die Sieger werden bereits vor der Veranstaltung im Internet gekürt und somit sind die Auftritte am Abend nicht mehr das Ausschlaggebende. Das ist eine gravierende Verzerrung des ESC."

han/ddp