Elbphilharmonie Femen-Aktivistinnen stören Woody-Allen-Konzert

Woody Allen hat in der Hamburger Elbphilharmonie ein Konzert gegeben. Doch das wurde jäh unterbrochen: Femen-Aktivistinnen demonstrierten barbusig gegen sexuellen Kindesmissbrauch.

Christoph Winkler

Am Dienstagabend haben zwei Aktivistinnen der Frauenrechtsgruppe Femen die Bühne der Hamburger Elbphilharmonie gestürmt. Dort gab gerade US-Regisseur Woody Allen mit seiner New Orleans Jazzband ein Konzert.

Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, liefen die beiden Frauen mit auf den nackten Oberkörper geschriebenen Parolen auf die Bühne und forderten ein Ende der "Kultur des Schweigens". Der 81-jährige Allen, bekannt für Filmklassiker wie "Der Stadtneurotiker", habe regungslos vor dem Publikum gesessen. Platzanweiser hätten die Frauen nach draußen gebracht.

Es habe eine Zeit lang Verwirrung geherrscht, wie mit der Situation umzugehen sei, berichtete ein Reporter des Nachrichtenportals "Shz" aus Schleswig-Holstein. Anschließend sei das Konzert aber weitergegangen.

Die Aktivistinnen hatten Flugblätter verteilt, auf denen sie erklärten, sie seien nicht gekommen, um den Konzertbesuchern "den Abend zu verderben, sondern um den Opfern von sexueller Gewalt eine Stimme zu verleihen".

Hintergrund der Femen-Aktion soll der jahrelange Streit um die Frage sein, ob Allen in den Neunzigerjahren während seiner Beziehung mit Schauspielerin Mia Farrow deren damals siebenjährige Adoptivtochter Dylan sexuell missbraucht hat. Der Regisseur hatte dies stets bestritten und wurde deswegen auch nie verurteilt. Befeuert wurden die Pädophilie-Vorwürfe aber von der Tatsache, dass Allen im Alter von 61 Jahren Farrows andere Adoptivtochter, Soon-Yi Previn, heiratete. Die Femen-Frauen erklärten: "Keine Verurteilung ist hier kein Beweis der Unschuld."

Dylan Farrow
AP

Dylan Farrow

Das mutmaßliche Opfer Dylan Farrow, heute 31, beschrieb 2014 in einem offenen Brief in der "New York Times" den mutmaßlichen Missbrauch durch den Vater. "Dass er davongekommen ist mit dem, was er mir angetan hat, hat mich verfolgt, als ich heranwuchs, ich war von Schuld erfüllt, dass ich ihm erlaubt habe, anderen kleinen Mädchen nahe zu sein. Ich war in Panik, wenn Männer mich berührten. Ich entwickelte eine Essstörung. Ich fing an, mich zu ritzen. Die Qual wurde durch Hollywood nur noch schlimmer."

ala/dpa

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