Preisverleihung in Los Angeles Emmy gewonnen, Frau gekriegt

Willkommen auf dem roten, Verzeihung, goldfarbenen Teppich: Bei den Emmys wurden manche Stars politisch. Auch fürs Herz wurde viel geboten.

AFP

Dankesreden bei Preisverleihungen können sehr eintönig sein. Die Geehrten danken all jenen Kollegen, die am Projekt beteiligt waren. Und selbstverständlich wird gerne auch die Familie erwähnt, auf deren Unterstützung man sich immer verlassen konnte.

Bei den Emmys wählte Glenn Weiss eine andere Variante. Er war zum Gewinner in der Kategorie "Beste Regie einer Unterhaltungssendung" gekürt worden, für seine Leitung der diesjährigen Oscar-Verleihung.

Weiss, auf der Bühne stehend, wandte sich an seine Freundin Jan Svendsen, die im Publikum saß: "Du fragst dich, warum ich dich nicht gerne 'meine Freundin' nenne? Weil ich dich 'meine Frau' nennen will."

Svendsen kam auf die Bühne, Weiss kniete vor ihr und machte ihr seinen Heiratsantrag. Er hatte einen Ring seiner kürzlich verstorbenen Mutter als Verlobungsring dabei. "Ich habe ihn nicht gestohlen, mein Vater weiß, dass ich ihn habe", sagte er. Nachdem Svendsen den Antrag angenommen hatte, erhob sich das Publikum zum Applaus.

Comedian John Oliver, der für "Last Week Tonight" ausgezeichnet wurde, bedankte sich in seiner Rede bei Svendsen dafür, den Antrag angenommen zu haben. Ansonsten, witzelte er, wäre es wohl mit der ganzen restlichen Veranstaltung bergab gegangen.

Der Preis wurde zum 70. Mal verliehen (mehr zu den Gewinnern erfahren Sie hier). Wegen des Jubiläums war der Teppich nicht rot, sondern goldfarben. Und manche Gäste nutzten ihn als Bühne für ein politisches Statement.

Fotostrecke

10  Bilder
Promis bei den Emmy Awards: Was fürs Hirn und was fürs Herz

Rachel Brosnahan, für "The Marvelous Mrs. Maisel" als beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie ausgezeichnet, nutzte ihre Rede, um die Macht von Frauen zu würdigen. In der Serie gehe es darum, wie eine Frau ihre Stimme finde. "Das passiert jetzt im ganzen Land", sagte Brosnahan über die USA. Sie bat das Publikum, diese Macht auszuüben und wählen zu gehen.

Diese Botschaft verbreitete auch Schauspielerin Q'orianka Kilcher ("The Alienist"). Sie hatte sich einen Anstecker ans Kleid geheftet, auf dem zu lesen war: "Ich bin eine Wählerin." Kilcher sagte, sie halte die Botschaft für wichtig, dass "alle unsere Meinungen und alle unsere Wählerstimmen zählen".

Jenifer Lewis ("Black-ish") verband eine Markenbotschaft mit einem politischen Statement - so wollte sie es zumindest verstanden wissen. Sie trug einen Nike-Pullover, um ihre Unterstützung für Colin Kaepernick auszudrücken und gegen Polizeigewalt und Rassenungerechtigkeit zu protestieren.

Footballspieler Kaepernick, neuerdings das Gesicht einer Nike-Werbekampagne, hatte wegen der Behandlung von Schwarzen durch die Polizei begonnen, beim Abspielen der Nationalhymne vor Footballpartien zu knien. Das fand viele Nachahmer und löste eine Debatte aus, in der Kaepernick auch viel Kritik einstecken musste. Auch Nike wurde wegen seiner neuen Werbefigur kritisiert.

Schauspielerin Lewis sagte, mit ihrem Outfit richte sie sich an die Millennials und wolle sie wissen lassen, "dass sie nicht allein sind, wenn sie ihre Meinung sagen".

ulz/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.