Entscheidung im Diana-Prozess Keine Hinweise auf eine Ermordung

Der Fall Diana neigt sich nach einem sechs Monate langen Prozess dem Ende: Für einen Mord an der britischen Prinzessin gibt es nach Überzeugung des zuständigen Untersuchungsrichters keinerlei Beweise.


London - Geheimdienstler wurden vor Gericht zitiert, Butler, Experten, Ex-Freundinnen und Freunde Dianas und Dodis verhört, in Frankreich und in England, insgesamt sechs Monate lang. Die jüngste gerichtliche Untersuchung zum Tod von Prinzessin Diana artete zu einem medialen Spektakel aus, das zudem rund drei Millionen Euro verschlungen haben soll - ohne neue Erkenntnisse ans Licht zu bringen.

Die Behauptungen des ägyptischen Millionärs Mohammed al-Fayed, wonach der Geheimdienst MI6 Diana auf Betreiben des Ehemanns der Queen, Prinz Philip, umgebracht haben soll, entbehrten jeder Grundlage, sagte Richter Scott Baker. Die von Al Fayed vorgetragene These über einen Mordkomplott sei ganz offensichtlich falsch, erklärte Baker in seiner Zusammenfassung des Verfahrens vor der Geschworenen-Jury in London.

"Es gibt keinen Hinweis, dass der Herzog von Edinburgh (Prinz Philip) Dianas Tod befohlen hat, und es gibt keinen Hinweis, dass der Geheimdienst oder irgend eine andere Regierungsorganisation ihn organisierten", betonte Baker. Der Richter entschied deshalb, die Geschworenen erst gar nicht über den Mordverdacht beraten zu lassen. Sie können nun darüber befinden, ob es sich bei den Vorfällen im Pariser Alma-Tunnel einfach nur um einen tragischen Unfall handelte oder ob dieser auf grobe Fahrlässigkeit der Paparazzi zurückzuführen ist, die das Auto mit Diana und Dodi verfolgten. Als dritte Variante könnte eine grobe Fahrlässigkeit des selbst getöteten Unfallfahrers Henri Paul festgestellt werden, der laut französischen Ermittlungen betrunken war und viel zu schnell in den Tunnel einfuhr.

Kaufhaus-Mogul al-Fayed hatte die gerichtliche Anhörung erzwungen, indem er geltend machte, er habe Beweise dafür, dass Diana und sein Sohn Dodi ermordet wurden. Doch statt Beweise zu liefern, verstrickte sich der Ägypter in wilden Verschwörungstheorien und beschimpfte die Royals als "Dracula-Familie".

Seiner Ansicht nach wollte das Königshaus die Prinzessin und ihren Geliebten aus dem Wege räumen lassen, weil Diana von dem Muslim ein Kind erwartet habe. Diana und ihr Freund Dodi Fayed waren im August 1997 bei einem Autounfall in Paris gestorben.

dek/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.