Erpressungsskandal um Letterman "Um Himmels Willen, Dave hat Sex"

US-Entertainer David Letterman, König der Late-Show, liebt es, sich über die Schwächen Prominenter zu amüsieren. Als er nun wegen Affären mit Mitarbeiterinnen zum Erpressungsopfer wurde, handelte er konsequent - er outete sich öffentlich. Seinem Nimbus dürfte das kaum schaden, im Gegenteil.

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Hamburg - Am meisten gefreut haben dürfte sich am Donnerstagabend Sarah Palin. Die Ex-Gouverneurin von Alaska liefert sich seit Monaten eine erbitterte Fehde mit Late-Night-Talker David Letterman. Und während rund fünf Millionen Amerikaner nach der Ausstrahlung seiner Sendung mit dem Gedanken an Lettermans Sexleben zu Bett gingen, war es wohl ausgerechnet die konservative Palin, die sich ins Fäustchen lachen konnte.

Palin und Letterman liefern sich seit Juni einen wilden Schlagabtausch. Der Anlass: Der Talkmaster hatte sich in einer seiner Sendungen über Palins Tochter lustig gemacht. Die Politikerin bewertete die Scherze als "sexuell pervertierte Kommentare eines 62-jährigen männlichen Stars".

Man kann sich nun ausmalen, wie groß ihre Schadenfreude angesichts dessen ist, was Letterman am Donnerstagabend coram publico verkündete: Er habe Affären mit mehreren Mitarbeiterinnen gehabt, sei deshalb erpresst worden und habe schließlich vor Gericht aussagen müssen.

Zu Beginn der Sendung stand Letterman mit dem Rücken zum Publikum. Am Ende seines Monologs wussten die Zuschauer nicht, was der Altmeister der Ironie ihnen präsentiert hatte - eine Kostprobe seines trockenen, schwarzen Humors, wie es zu erwarten stand? Ein Stück Wahrheit? Unwahrscheinlich.

"An diesem Morgen habe ich etwas getan, was ich noch nie zuvor in meinem Leben getan habe", begann er. "Ich war in der Stadt und habe vor einer Grand Jury ausgesagt." Er habe all "die gruseligen" Geschichten erzählen müssen, die er getan habe.

"Um Himmels Willen, Dave hat Sex"

Das Publikum grunzte vor Vergnügen.

"Was ist denn daran witzig?", fragte Letterman. "Zum gruseligen Teil kommen wir jetzt", sagte er in einem merklich ernsteren Ton. "Ich habe mit mehreren Frauen geschlafen, die für diese Sendung arbeiten."

Stille im Publikum.

"Ist es nun peinlich, dass diese Sachen bekanntwerden? Vielleicht. Vor allem für die Frauen", scherzte er. Und ließ seine Zuschauer irgendwo zwischen Spaß, Unverständnis und Ratlosigkeit zurück. Das alles sei eine "merkwürdige Erfahrung" gewesen. "Ich hatte das Gefühl, meine Familie schützen zu müssen, mich selbst schützen zu müssen - und natürlich meinen Job zu retten."

"Ich weiß, was sie jetzt denken", sagte der TV-Star. "Um Himmels Willen, Dave hat Sex."

Schmunzeln im Publikum.

Mit wie vielen Mitarbeiterinnen Letterman Affären hatte und zu welchem Zeitpunkt, ist unklar. Letterman berichtete weiter, er habe vor drei Wochen morgens ein Päckchen auf dem Rücksitz seines Autos gefunden. In einem Brief habe es geheißen: "Ich weiß, dass Sie schlimme Sachen machen, und ich kann es beweisen." Und tatsächlich, so Letterman weiter, "es waren Dinge in dem Päckchen, die belegen, dass ich diese schlimmen Sachen getan habe".

Gelächter im Publikum.

Im Brief habe der Absender gedroht, ein Drehbuch und einen Roman über die Eskapaden Lettermans zu veröffentlichen - sofern er nicht zwei Millionen Dollar zahle. Zuerst habe er gedacht: "Das ist völlig abstrus", dann habe er es mit der Angst zu tun bekommen, offenbarte Letterman in der Aufzeichnung seiner Sendung.

"Können wir mit euch Jungs ein paar Dinge klären?"

Er schaltete seinen Anwalt ein, es gab ein gemeinsames Treffen mit dem mutmaßlichen Erpresser, einem Produzenten des preisgekrönten Dokumentationsformats "48 Hours" des Senders CBS. US-Medien identifizieren den Mann als Robert Halderman, 51 Jahre alt, Emmy-Preisträger, liiert mit einer 31 Jahre alten Mitarbeiterin Lettermans. Halderman soll unter anderem Dokumentationen über die Terroranschläge des 11. September produziert haben. Er wurde vorübergehend vom Sender CBS suspendiert.

US-Bezirksstaatsanwalt Robert Morgenthau sagte am Freitag in New York, Halderman werde versuchte schwere Erpressung vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahren Haft. Bei der Vernehmung zur Anklage wies er die Anschuldigungen zurück.

Halderman habe bei dem Treffen erklärt, ihm seien die Forderungen "todernst", erklärte Letterman. Danach habe sein Anwalt die Staatsanwaltschaft von Manhattan eingeschaltet. "Können wir mit euch Jungs ein paar Dinge klären?", habe er gefragt. Bei einem weiteren Treffen sei Halderman ein fingierter Scheck über zwei Millionen Dollar übergeben worden. Nach Lettermans Aussage vor der Jury sei Halderman schließlich festgenommen worden.

Schweigen im Publikum.

Für Letterman, der den Größen des Show- und Politikgeschäfts chronisch respektlos und beißend ironisch entgegentritt, war es eine Flucht nach vorn. Er, der über die Bettgeschichten von Madonna genauso kalauerte wie über die Teenager-Schwangerschaft von Bristol Palin, offenbarte seinem Publikum, was vermutlich früher oder später ohnehin öffentlich geworden wäre. Wie sie mit der unverhofften Beichte umgehen sollten, wussten die Zuschauer freilich nicht.

Der letzte Cowboy

Letterman nutzte seine Sendung in der Vergangenheit mehrfach als Forum für diverse Verkündungen. Warum sollte er Pressekonferenzen organisieren, wenn ohnehin fünf Millionen Amerikaner an jedem Werktag vor dem Bildschirm hocken, um seine Show zu sehen?

Im März war es seine Hochzeit, die Letterman via Fernsehkameras öffentlich machte. 23 Jahre war er bereits mit Regina Lasko liiert, als er mit ihr vor den Traualtar trat. Damals sagte der 62-Jährige, er habe nicht mehr daran geglaubt, dass er noch einmal Ernst machen würde. "Ich habe es 23 Jahre erfolgreich vermieden zu heiraten, und eigentlich habe ich immer gedacht, dass die verheirateten Männer mich bewundern, als letzten wahren Cowboy." Seine Hochzeit und die ersten ehelichen Erfahrungen waren wochenlang ein wichtiges Thema in der Show.

Mit Lasko hat Letterman einen fünfjährigen Sohn. Laut "New York Daily News" hatte Letterman seine Ehefrau vor der Aufzeichnung über die Pläne informiert. "Alles deutet darauf hin, dass sie immer noch zusammen sind", sagte eine nicht namentlich genannte Quelle der Zeitung.

"Ich bin doch kein Star"

Beruflich ist Letterman derzeit erfolgreicher denn je: Seine Quote ist besser als die der "Tonight Show" von Konkurrent Conan O'Brien, dem Nachfolger von Jay Leno. In 16 Jahren wurden mehr als 5000 Folgen seiner Sendung ausgestrahlt. Vor allem bei den Frauen ist Letterman beliebt, sie machen einen Großteil seiner Zuschauer aus.

Wie sie auf sein Geständnis reagieren werden, bleibt abzuwarten. Dass Letterman von seinem Publikum abgestraft wird, steht indes kaum zu befürchten. Schon der Zank mit Palin schadete ihm kaum.

Als Letterman sich im Sommer bei Palin für die Scherze auf Kosten ihrer Tochter entschuldigte, demonstrierte eine Handvoll Menschen vor seinem Studio in New York. "Feuert Letterman", skandierten sie etwas kraftlos. Auf ihre Anfeindungen erwiderte der Gescholtene nüchtern: "Ich bin 62 Jahre alt, aber ich bin doch kein Star."



insgesamt 33 Beiträge
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Fabian G, 02.10.2009
1. ganz einfach
"Ich spüre, dass ich diese Leute schützen muss. Ich muss sicherlich meine Familie schützen" ja ist klar, dann hätte er auf die affären verzichten müssen. er hat wahrscheinlich seine macht ausgenutzt "baby, wenn du hier noch länger arbeiten willst musst du dich nackig machen". das wäre nichts neues.
Roque Spiegel 02.10.2009
2. ...
Zitat von sysopDer US-LateNight-Talker David Letterman hat in seiner Talkshow offenbart, sexuelle Beziehungen mit Mitarbeiterinnen gehabt zu haben und deshalb erpresst worden zu sein. Was denken Sie über den Fall?
Ich denke, dass für den kleinen Artikel schlampig recherchiert wurde, denn Lettermans Sohn ist mittlerweile 6 Jahre alt. Darauf hätte man aber auch kommen können, wenn man sich die Show ordentlich angesehen hätte, denn da meinte Letterman auf die Frage, warum er geheiratet hat, dass er sich als sein Kind kam gedacht hat, dass es Zeit wäre - und nur 6 Jahre später hätte er es dann durchgezogen. Dass der Autor die Show nicht ordentlich verfolgt hat könnte man aber auch darauf schließen, dass er aus einem Gag ein ernstes Statement gemacht hat. Denn Letterman hat sich schon gefragt, "ob es peinlich wäre, wenn dies öffentlich gemacht würde". Allerdings hat er dann nachgeschoben, dass es wohl eher peinlich für die Frauen wäre. Dass er spürt dass er die Leute/Familie schützen muss, kam erst später. Wie gesagt, schlampig.
Klo, 02.10.2009
3.
Zitat von sysopDer US-LateNight-Talker David Letterman hat in seiner Talkshow offenbart, sexuelle Beziehungen mit Mitarbeiterinnen gehabt zu haben und deshalb erpresst worden zu sein. Was denken Sie über den Fall?
Was solls? Er ist auch lediglich der 5000. der Neocon-Saubermänner, die zugeben, dass sie nicht wirklich sauber waren, sondern nicht in der Lage selbst so zu leben, wie sie es von anderen fordern. Nichts weiter als ekelerregende Heuchelei, wie sie nicht erst seit Bush dort an der Tagesordnung ist. Die Anzahl von Sexskandalen, in die ach so christgläubige, erzkonservative Republikaner verwickelt sind, ist kaum noch zu zählen. Man sehnt sich fast nach einem Sonderermittler Kerr zurück. Das Klo.
mcfly71 02.10.2009
4.
Zitat von KloWas solls? Er ist auch lediglich der 5000. der Neocon-Saubermänner, die zugeben, dass sie nicht wirklich sauber waren, sondern nicht in der Lage selbst so zu leben, wie sie es von anderen fordern. Nichts weiter als ekelerregende Heuchelei, wie sie nicht erst seit Bush dort an der Tagesordnung ist. Die Anzahl von Sexskandalen, in die ach so christgläubige, erzkonservative Republikaner verwickelt sind, ist kaum noch zu zählen. Man sehnt sich fast nach einem Sonderermittler Kerr zurück. Das Klo.
Wie recht sie doch haben! Nur machen sie bitte nicht den Fehler, den Puritaner zur Christenheit hinzuzurechnen. Kaum einer Sekte es wohl jemals gelungen, die christliche Botschaft auf derart perfide Weise zu biegen und brechen, wo man nur konnte!
Predo 02.10.2009
5.
david lettermann ist neocon? und ich dachte er wäre nur showmoderator. wobei es allerdings fraglich ist, ob es geheuchelt ist, wenn er seine affären ohne viel tamtam zugibt. allerdings doch schon interessant was ihm für ausbeuterische motive unterstellt werden...
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